EUR/USD konsolidiert


09.02.10 11:12
Meldung
 
Bremen (aktiencheck.de AG) - Der Euro eröffnet heute Morgen (07:30 Uhr) bei 1,3700 USD, nachdem im europäischen Handel Höchstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1,3713 markiert wurden, so die Analysten der Bremer Landesbank.


Der USD stelle sich gegenüber dem JPY auf 89,45. In der Folge notiere EUR/JPY bei 122,50, während EUR/CHF bei 1,4675 oszilliere.

Moody's Economy.com erhebe einen globalen Sentimentindex für die Konjunkturentwicklung. Die Indexstände würden sich ähnlich zu dem Pendant der OECD oberhalb der Marken von 2007/2008 bewegen, als die globale Konjunkturwelt noch in schillerndsten Farben von den Finanzmarktteilnehmern und Ökonomen geschildert worden sei. Die Divergenz der Bewertung zwischen den befragten Teilnehmern der Realwirtschaft und den Ökonomen und Finanzmarktteilnehmern sei augenfällig. Dem geneigten Leser würden es die Analysten überlassen, zu entscheiden, wer mehr Vertrauen verdiene, die Realwirtschaft oder die Finanzwirtschaft und die Elite der Ökonomen.

Nach Ansicht des Wirtschaftsnobelpreisträgers Stieglitz seien die Aussichten auf einen Bankrott der USA oder des Vereinigten Königreichs als absurde Konstruktion des Finanzmarktes einzustufen. Beide Nationen würden es verdienen, ihr AAA-Rating zu behalten. Für den Moment sei diese Sichtweise zunächst vertretbar. Entscheidend sei jedoch der Blick nach vorn. Diesbezüglich habe Stieglitz das entscheidende Thema verfehlt. Das öffentliche Defizit des Vereinigten Königreichs solle sich per Ende 2010 auf circa 82% des BIP stellen. Das US-Defizit werde laut aktueller Planung dann bei 94% auslaufen.

Es frage sich, wie Stieglitz Irlands aktuelle Verschuldungsproblematik mit 61,2% Staatsverschuldung, Portugals öffentliche Verschuldung bei 80,5% oder Spaniens Staatsverschuldung bei 51,3% vor diesen Hintergründen einwerte. Sein Schweigen zu dieser Thematik impliziere Zustimmung zu der aktuell von den Finanzplätzen Londons und New Yorks geschürten "Hysterie" am Finanzmarkt, die Ähnlichkeiten zu den Attacken auf das EWS 1992 aufweisen würden.

Es stünde Herrn Stieglitz hinsichtlich des Umstands, dass die USA ihre Defizitpolitik laut Präsident Obama ungebremst weiter führen wollten (laufende Fiskaljahr 2010 höchste Neuverschuldung in der US-Historie mit 1.561 Mrd. USD, 2011 1.300 Mrd. USD, 2020 circa 1.000 Mrd. USD), besser zu Gesicht, wenn er die Reaktion des Finanzmarkts bezüglich der "PIIGS", die ihre Haushaltsaufgaben mit einer klaren Konsolidierungsausrichtung machen würden, als absurde Konstruktion des Finanzmarkts bezeichnet hätte.

Diesbezüglich erlauben sich die Analysten der Bremer Landesbank noch einmal das Thema Griechenland (Verschuldung 118% des BIP) aufzugreifen. Von der EU-Kommission habe es in der vergangenen Woche Klartext für ihre Freunde in Griechenland, dem Land der Mathematik, dem Herkunftsland des Platon, Pythagoras, des Thales, des Archimedes und des Euklid gegeben:

Die EU-Kommission unterstütze das griechische Sparprogramm. Griechenland habe bis Ende 2012 Zeit, das Haushaltsdefizit auf unter 3% zu reduzieren. Griechenland müsse den ersten Bericht über erfolgte Maßnahmen und Erfolge bis Mitte März 2010 vorlegen. Latente kurzfristige Kontrollen stünden auf der Agenda. Von Griechenland würden weitere Konsolidierungsschritte erwartet. Personalkosten seien im öffentlichen Dienst zu senken. Griechenland müsse eine Sicherheitsreserve von 10% der aktuellen Ausgaben bilden sich wegen fehlerhafter Statistiken vor Gericht verantworten.

Dieser Maßnahmenkatalog sei in dieser Form für die EU-Kommission einmalig. Das sei kein "Mundspitzen" nach alter Brüsseler Art. Nein, hier handle es sich um ein vernehmbares "Pfeifen", das einer partiellen Machtübernahme bezüglich der Haushaltspolitik durch die EU-Kommission nahe komme, aber mindestens die kürzeste Leine darstelle, die es in der EU je gegeben habe. Das sei beeindruckend. Bildlich gesprochen sitze Griechenland auf der "EU-Strafbank". Griechenland habe mit seiner Pinocchio-Politik lange daran gearbeitet, als erstes Land diesen "Posten" einzunehmen.

Das Maß asymmetrischer Wahrnehmung müsse bezüglich der Tatsache, dass die Budgetprobleme in der Eurozone mit aggressiven Gegenmaßnahmen angepackt würden, während insbesondere in den USA eine Politik des "Deficits, as you please" gefahren werde, als nachhaltig bezeichnet werden.

Heute stehe die Veröffentlichung des US-Lagerbestands im Großhandel per Dezember auf der Agenda. Analysten würden eine Zunahme der Bestände um 0,5% im Monatsvergleich unterstellen. Die Absätze sollten um 1,0% angestiegen sein. Mithin werde sich das Lagerbestand/Absatz Verhältnis von zuvor 1,14 Monatsumsätzen weiter zurückbilden. Per Anfang 2009 habe dieser Wert noch bei 1,34 Monatsumsätzen gelegen. Das Thema Lageraufbau werde nicht nur in den USA, sondern global positive Akzente in der weiteren Konjunkturentwicklung spielen, die aktuell nicht angemessen diskontiert seien (Aktienmärkte).

In der späten Nacht folge der "ABC News Money Magazine Consumer Comfort Index". In der letzten Berichtswoche habe sich ein enttäuschender Rückgang auf -49 Punkte ergeben. Eine Konsensusprognose sei nicht erhältlich. Nachhaltige neue Erkenntnisse erwarten die Analysten der Bremer Landesbank nicht.

Zusammenfassend ergebe sich ein Szenario, das den USD favorisiere. Ein Überwinden des Widerstands bei 1,3840/70 drehe das negative Bias des Euro. (09.02.2010/ac/a/m)


 

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