Bremen (aktiencheck.de AG) - Der Euro eröffnet heute bei 1,2595 USD (07.45 Uhr), nachdem im US-Handel Höchstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1,2661 markiert wurden, so die
Analysten der Bremer Landesbank.
Der USD stelle sich gegenüber dem JPY auf 87,45. In der Folge notiere EUR/JPY bei 110,15, während EUR/CHF bei 1,3375 oszilliere.
Der Euro tendiere derzeit freundlich bis stabil, ohne nachhaltiges frisches Momentum zu entwickeln. Es werde immer deutlicher, dass sich eine markante Divergenz zwischen den starken europäischen Ländern und den USA ergebe.
Die US-Konjunktur hänge weiter an der vollen Dosis der Konjunkturbelebung (circa 12% Input via 10% Budgetdefizit und 2% real negativem Zins = Kaufkraft Burn Rate) und schwäche sich in der positiven Dynamik trotz dieser Maßnahmen sogar wieder deutlicher ab. Daran werde offenbar, dass die USA eben nicht primär mit zyklischen, sondern vielmehr mit strukturellen Problemen belastet seien. Strukturell verändere sich jedoch in den USA so gut wie gar nichts (z. B. in den Problemfeldern der Leistungsbilanz, Budgetdefizit, Finanzlage der Bundesstaaten, Komposition der Volkswirtschaft) ganz im Gegenteil zu der Eurozone, wo schwache Strukturen nachhaltig adressiert würden, um nachhaltige Zukunftsfähigkeit zu generieren (siehe aktuelle Daten zu Griechenland).
Die sich deutlich abzeichnende Schwäche der US-Konjunktur verunsichere derzeit die Finanzmärkte. Rezessions- und Deflationsängste würden in der Folge kursieren. Hier gelte es, innezuhalten und den aktuellen Status einer realistischen Betrachtung zuzuführen:
Die USA seien nicht mehr die Konjunkturlokomotive der Weltwirtschaft. Das sei in der Erholung per 2009 deutlich geworden. Diese Rolle falle China und den Schwellenländern zu. Die USA würden einen der letzten Waggons des Konjunkturzugs stellen. US-Daten entsprechend hohe Indikatorbedeutung zuzumessen, sei sachlich unangemessen und damit mehr als ambitioniert.
Die Schwellenländer würden circa 50% der Weltwirtschaft mit einem Wachstumsclip zwischen 6% und 8% pro Jahr bei einer ausgeprägten Unabhängigkeit vom westlichen Finanzsystem (1. Motor der Weltwirtschaft) stellen. 25% der Weltwirtschaft seien durch starke Industrienationen (Kanada, Australien, Deutschland, Skandinavien
) mit einem Wachstumsclip zwischen 1,5% und 3% definiert (2. Motor der Weltwirtschaft). Die US-Konjunktur nehme über ihr Produzierendes Gewerbe (Anteil circa 10% des BIP) an dem globalen Aufschwung teil. Die Binnenwirtschaft hinke in den USA hinterher (1. Beiboot der Weltwirtschaft). Übrigens 3% der Weltwirtschaft würden derzeit in Europa neu konfiguriert, um verlässliche Wachstumspartner von morgen zu sein.
Chinas leichte Konjunkturabkühlung sei für die Weltwirtschaft das Beste, das passieren könne. Bei einem Wachstumsclip von zuletzt circa 12% des BIP bestünden Überhitzungsgefahren bei Beibehalten dieses Tempos, die regelmäßig in Krisen münden würden. Die sich aktuell abzeichnende Abkühlung in Richtung 10% Wachstum des BIP entschärfe dieses Überhitzungsrisiko und sollte nicht ansatzweise als Indikator einer nachhaltigen Trendwende der Weltwirtschaft interpretiert werden, sondern setze die Voraussetzung für ein vermindertes Krisenrisiko in einer wesentlichen Keimzelle der Weltwirtschaft.
Dieser kleine Datenpotpourri sollte ausreichen, die von den USA und China angeblich ausgehenden Rezessionsängste für die Weltwirtschaft im Kern zu entkräften. Gleiches gelte für die aufkeimenden Deflationsängste wankelmütiger Finanzmarktteilnehmer.
Bleibe man bei dem Thema US-Binnenwirtschaft. Bezüglich der Investitionen in die US-Wohnungsbauwirtschaft habe sich im ersten Quartal 2010 das niedrigste Investitionsniveau in der Aufzeichnung dieser Datenreihe ergeben. Diese Situation sei schlicht weg und ergreifend prekär, mehr nicht, weniger auch nicht. Diese Datenreihe belege, dass dieses Modul Wohnungswirtschaft in den USA auf absehbare Zeit ein massiver Belastungsfaktor bleiben werde, der in die Bereiche des privaten Konsums hineinwirke (70% des US-BIP). Aus derartigen Umständen oder Facetten der US-Wirtschaft Attraktivität des USD abzuleiten, überlassen die Analysten der Bremer Landesbank anderen Protagonisten der Finanzanalyse.
Wende man sich dem ISM-Index für den Dienstleistungssektor per Juni zu. Hier habe sich ein unerwarteter Rückgang von zuvor 55,4 auf 53,8 Punkte eingestellt. Die Prognose habe bei 55,0 Zählern gelegen. Bevor sich die Analysten weiter mit diesen Daten beschäftigen würden, sei es wesentlich festzustellen, dass damit auch im Juni im Dienstleistungssektor solider Zuwachs auf der Agenda gestanden habe. Mit rezessiven Tendenzen hätten diese Daten nichts zu tun. Lediglich die Dynamik des Wachstums falle geringer aus. Die Subindices hätten den Rückgang des Index widergespiegelt. Der Index der Geschäftsaktivität sei von 61,1 auf 58,1 Punkte gesunken. Der Auftragsindex habe von 57,1 auf 54,4 Zähler verloren. Der Beschäftigungsindex sei von 50,4 auf 49,7 Punkte gesunken.
Aus dem aktuellen Rückgang Munition für globale Rezessionsängste herbeizuzaubern, überlassen die Analysten der Bremer Landesbank anderen Teilnehmern am Finanzmarkt.
Zusammenfassend ergebe sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD leicht favorisiere. Ein Überwinden des Widerstands bei 1,2670 bis 1,2700 eröffne erhöhte Aufwärtsdynamik. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1,2080 bis 1,2110 neutralisiere das leicht positive Bias. (07.07.2010/ac/a/m)