Stuttgart (aktiencheck.de AG) - Nach Einschätzung der W&W Asset Management GmbH, einer Tochtergesellschaft des Stuttgarter Vorsorge-Spezialsiten Wüstenrot & Württembergische (W&W), wird die europäische Wirtschaft 2010 auf einen positiven Wachstumspfad zurückkehren.
Dies geschehe angesichts einer aktuell wieder anziehenden Wirtschaftsaktivität und zuversichtlich ausfallender Frühindikatoren. Das Wachstum bleibe aber verhalten und werde nicht die Dynamik entfalten, die in den Aufschwungphasen der vergangenen Jahre zu beobachten gewesen sei.
Das Ende der Rezessionsphase scheine in der Europäischen Währungsunion (EWU) erreicht: Im zweiten Halbjahr habe die Wirtschaftsaktivität wieder angezogen und das Bruttoinlandsprodukt im dritten Jahresviertel einen Zuwachs um 0,4 Prozent im Quartalsvergleich verzeichnet.
Die stark exportlastige deutsche Konjunktur habe sich im Vergleich zur EWU sogar noch etwas schneller erholt, denn die deutschen Exportunternehmen hätten von einer wieder auflebenden ausländischen Nachfrage profitiert, insbesondere aus den Schwellenländern. Sie sei vor allem von den internationalen Konjunkturprogrammen angetrieben gewesen. Auf ein weiterhin positives Wirtschaftswachstum würden auch eine Erholung der Auftragslage und die Aufhellung der Konjunkturstimmung schließen lassen.
Für die weitere Entwicklung der deutschen, aber auch der europäischen Wirtschaft sei 2010 die entscheidende Frage: Wie stabil zeige sich die Wirtschaftsaktivität nach dem Auslaufen der staatlichen Förderungen? Der Wegfall der Stützungsmaßnahmen werde der gerade wieder anspringenden Konjunkturdynamik im Euroraum voraussichtlich einen Dämpfer versetzen, so die Prognosen der W&W Asset Management.
In der Summe sei davon auszugehen, dass die wichtigsten Impulse weiterhin von der ausländischen Nachfrage ausgehen würden, während der Private Konsum aufgrund der unsicheren Arbeitsmarktlage nur eine untergeordnete Rolle spielen werde. Deshalb werde der Aufschwung insgesamt verhalten ausfallen. Die Experten der W&W Asset Management würden 2010 ein Wirtschaftswachstum von 1,5 bis zwei Prozent für die EWU und für Deutschland erwarten. Die Gefahr eines "double dip" würden sie dabei als gering einstufen.
Ölpreisbedingt hätten die EWU-Verbraucherpreise in den vergangenen Monaten wieder angezogen. Weiterhin gehe die W&W Asset Management vor dem Hintergrund einer wieder auflebenden Wirtschaftsaktivität von steigenden Inflationsraten aus. Allerdings bleibe der Inflationsdruck bei der erwarteten verhaltenen Dynamik des Wirtschaftswachstums gering. Insgesamt sei 2010 im EWU-Raum mit einer moderaten Inflation in Höhe von 1,5 Prozent zu rechnen.
Seine im Dezember 2009 erreichte Stärke habe der Euro verloren und bis Ende Januar auf 1,39 US-Dollar nachgegeben. Die Gründe dafür seien einerseits positive Signale vom US-Arbeitsmarkt Anfang Dezember, die die US-Währung gestärkt hätten. Anderseits hätten negative Nachrichten aus Europa Zweifel an der Bestandsfähigkeit der Europäischen Währungsunion hervorgerufen. So habe etwa Griechenland eine sehr hohe Staatsverschuldung bekannt gegeben, die in den vergangenen Jahren erfolgreich verborgen worden sei. Der Verstoß gegen die Maastricht-Kriterien in punkto Verschuldung werde auch 2010 den Euro belasten, so die W&W Asset Management. Deshalb bleibe sein Aufwertungspotenzial laut den Prognosen zunächst begrenzt.
Gefangen zwischen gegensätzlichen Einflussfaktoren hätten sich die Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen in den vergangenen Monaten weitestgehend seitwärts bewegt. Auf längere Sicht sei aber nach Einschätzung der W&W Asset Management davon auszugehen, dass eine sich fortsetzende Konjunkturerholung zu anziehenden langfristigen Zinsen beitragen werde. Gestützt werde diese Tendenz auch durch die latenten Inflationsrisiken infolge der expansiven geldpolitischen Maßnahmen und das hohe Emissionsvolumen an Staatsanleihen zur Finanzierung der hohen Staatsschulden.
Bis Anfang Januar habe der Dow Jones Euro STOXX 50 seinen Aufwärtstrend fortsetzen können und mit 3.044 Punkten den höchsten Stand seit dem Jahr 2008 erreicht. Anschließend hätten aber Gewinnmitnahmen und verschiedene Belastungsfaktoren, wie etwa restriktivere geldpolitische Maßnahmen Chinas und die hohe Staatsverschuldung Griechenlands, für eine Gegenbewegung gesorgt. In den kommenden Monaten werde sich nun zeigen, ob diese Kursrückgänge den Übergang in eine Seitwärtsrange eingeläutet hätten. Dabei sei das Abwärtspotenzial des Dow Jones Euro STOXX 50 nunmehr aufgrund der hohen vorhandenen Liquidität und die positiven Signale der Konjunktur begrenzt.
In der Folge läge nach Ansicht der W&W Asset Management das untere Ende der Seitwärtsrange bei 2.550 Punkten. Nach erfolgter Gegenbewegung sei ein erneuter Anstieg des europäischen Aktienindexes zwar aufgrund der sich fortsetzenden Konjunkturerholung zu erwarten. Allerdings sei das Anstiegspotenzial durch den insgesamt nur verhaltenen Wirtschaftsaufschwung begrenzt. Das obere Ende der Seitwärtsrange würden die Experten somit bei 3.000 Punkten sehen. (09.02.2010/fc/a/m)