Hannover (aktiencheck.de AG) - Es gibt sie weiterhin, die Falken in der US-Notenbank, doch sie traten in den vergangenen Wochen etwas in den Hintergrund, so die
Analysten der Nord LB.
So hätten die Bullards, die Hoenigs und die Plossers zuletzt wenig von sich hören lassen und stattdessen anderen aus dem Hause der Federal Reserve das Feld überlassen. Im Ergebnis seien unter anderem Elizabeth Duke, Dennis Lockhart und Richard Fisher mit recht vorsichtigen und damit taubenhaftigen Statements aufgefallen - wenngleich sie alle Notenbanker seien, die nicht streng dem Lager der Tauben zuzuordnen seien. Von den Tauben selber sei dagegen wenig zu vernehmen gewesen. Das taubenartige Vorgehen von einigen ehemals dem neutralen Lager zuzuordnenden Notenbankern sei nach Erachten der Analysten eine wesentliche Veränderung, die man in den letzten Wochen habe bemerken können. So scheine die Stimmung in der Notenbank insgesamt in Richtung einer weiteren zeitlichen Verlängerung der sehr expansiven Geldpolitik zu drehen.
So sei Dennis Lockhart der Ansicht gewesen, dass die US-Erholung noch nicht nachhaltig genug sei, als dass sie eine Anhebung der Leitzinsen nahe lege. Weiterhin gäbe es ein gewisses Deflationsrisiko, sodass eine abwartende Haltung bei den Leitzinsen angebracht sei. Der FED-Präsident von Atlanta sehe auf den Finanzmärkten und bei den Unternehmen eine höhere Nervosität als noch vor einigen Wochen oder Monaten. Aus diesem Grunde müsse die Notenbank genauestens analysieren, welche Vor- und Nachteile eine Änderung bei der Ausrichtung der Geldpolitik haben könne. Er habe angefügt, dass seines Erachtens die US-Wirtschaft noch nicht wieder den Zustand mit einer gesunden und nachhaltigen Nachfrage erreicht habe, die zu nachhaltigem Wachstum führe.
In dasselbe Horn habe Elizabeth Duke geblasen, die sich ebenfalls skeptisch zur Konjunkturentwicklung geäußert habe. Die Gouverneurin habe bei ihrer Stellungnahme eher den längerfristigen Horizont im Auge gehabt als sie davon gesprochen habe, dass es "mehrere Jahre dauern könne, bis das Kreditvolumen wieder sein Vorkrisenniveau erreichen" werde. Genauso wie die "Gründe des Kreditrückgangs vielschichtig seien und sich die Probleme auf den Kreditmärkten über Jahre aufgebaut hätten, werde es auch Jahre dauern bis die Maßnahmen den richtigen Erfolg zeigen werden". Auch Charles Evans Stellungnahme habe somit keine optimistischen Züge gehabt. Der FED-Präsident von Chicago sehe "ausgehend von der europäischen Schuldenkrise zusätzliche Risiken für die US-Erholung". Zumindest entstünde dadurch "Gegenwind zu der sehr moderaten US-Erholung".
Einzig Jeffrey Lacker, FED-Präsident von Richmond, habe die Fahne für die Falken hoch gehalten. Er sehe die Konsumausgaben "einigermaßen stark" und zusammen mit den Investitionen dürften sie die Konjunkturerholung stützen. Zwar zeige sich Lacker mit dem derzeitigen Zinsniveau zufrieden, allerdings dürfte im Laufe des Jahres die Frage legitim werden, ob nicht der Begriff "extended period" aus dem FOMC-Statement herausgenommen würden und die Zinsen angehoben werden sollten. Letztendlich scheinen derzeit die Tauben das Ruder wieder etwas stärker in den Griff bekommen zu haben, sodass sich die Analysten der Nord LB mit ihrer Prognoseanpassung in der vergangenen Woche - nicht zuletzt aufgrund des FOMC-Statements - sehr wohl fühlen.
Die veröffentlichten Daten der vergangenen fünf Tage hätten ebenfalls den von den Notenbankern vermittelten Eindruck erhärtet, dass sich die Aufwärtsdynamik nach einer rasanten V-förmigen Erholung zuletzt etwas abgeschwächt habe. So habe der ISM PMI wie schon der Philadelphia-Index und der Chicago PMI auf sehr hohem Niveau etwas nachgegeben. Dies sei keinesfalls bedenklich, sondern als eine Normalisierung nach einer Phase der Aufholbewegung zu sehen. Allerdings würden die Bäume natürlich auch nicht in den Himmel wachsen.
Gleiches gelte für den Arbeitsmarktbericht, der Licht und Schatten aufgewiesen habe. Demnach seien wieder zusätzliche Stellen im privaten Bereich geschaffen worden, aber immer noch nicht so viel, dass die Federal Reserve davon angetan sei. Letztendlich seien auch die diversen Preisindikatoren der Stimmungsumfragen zurückgegangen, sodass ein baldiger Anstieg der Inflationserwartungen nicht absehbar sei.
Die Federal Reserve wird nach Erachten der Analysten der Nord LB bis Anfang nächsten Jahres mit einer Änderung der Zinspolitik warten, weil ihr die Konjunkturerholung noch zu fragil und gleichzeitig das Inflationsproblem noch nicht zu akut erscheint. Dem ersten kleinen Schritt im 1. Quartal 2011 würden dann im 2. Quartal weitere folgen, sodass der Einlagensatz in zwölf Monaten bei 1,00% liegen dürfte. Ob die Notenbank damit denselben Fehler wie in den Jahren 2003 bis 2004 begehe, als sie zu lange an zu niedrigen Leitzinsen festgehalten habe, werde die Geschichte zeigen. (07.07.2010/ac/a/m)