Großbritannien bittersüßes Ende der Rezession


09.02.10 13:31
Meldung
 
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die längste und schwerste Rezession, die Großbritannien je erlebt hat, scheint im vierten Quartal 2009 ein Ende gefunden zu haben, so Stewart Robertson, Senior Economist bei Aviva Investors.


Dies würden zumindest die Ende Januar veröffentlichten Wirtschaftsdaten belegen. Während der FTSE 100 durch starke Werte des Verbrauchervertrauens in den USA beflügelt worden sei, habe der Anstieg des BIP um 0,1 Prozent die Erwartungen nicht erfüllen können. Die vom Office of National Statistics (ONS) veröffentlichten Daten hätten gezeigt, dass Auftragszunahmen im Dienstleistungsgewerbe und in der Fertigungsindustrie Großbritanniens, nach sechs aufeinander folgenden Quartalen des Rückgangs, wieder zu Wachstum verholfen hätten.

Während der Markt das Ende der Rezession begrüße, erscheine das 0,1-prozentige Wachstum des Bruttoinlandsprodukts wie ein Tropfen auf den heißen Stein zu sein, wenn man den 4,8-prozentigen Absturz in Betracht ziehe, der im Jahr 2009 habe verkraftet werden müssen.

Ungeachtet der großzügigen Geldpolitik von Regierung und Bank of England (BoE) schaffe es die britische Wirtschaft auch andere bedeutende Länder mit aus dem Abschwung zu ziehen. Trotzdem würden die mäßigen Wachstumsraten aber Zweifel an der Beständigkeit der Erholung verbreiten und sowohl das Vertrauen der Investoren als auch den Wechselkurs des Pfund gegenüber Euro und US-Dollar sinken lassen.

Auch Aviva Investors gehe davon aus, dass die britische Wirtschaft die Rezession überwunden habe. Das Wachstum von 0,1 Prozent im Vergleich zum vorherigen Quartal sei jedoch enttäuschend schwach ausgefallen und sei konträr zu den bisherigen Anzeichen. Die vorläufigen Schätzungen von ONS würden auf nur 40 Prozent der finalen Datenbasis basieren, die zur Berechnung einer definitiven Einschätzung nötig sei und würden daher noch korrigiert werden.

Auf Grundlage der starken Erholung des Branchenindexes im Dienstleistung- und Fertigungssektor, dem Purchasing Managers Index (PMI), und des Immobilienmarktes nehmen die Experten von Aviva Investors an, dass die britische Wirtschaft sogar noch stärker als in den bisherigen Schätzungen wachsen wird.

Wie auch die Wachstumsraten im dritten Quartal von ONS zweimal nach oben habe korrigiert werden müssen (von -0,4 Prozent auf -0,3 Prozent auf -0,2 Prozent), werde auch eine nochmalige Korrektur der aktuellen Zahlen fast unumgänglich sein. In der Vergangenheit habe man bei den Bewertungen der ONS die Tendenz zu einer pessimistischen Einschätzung beobachten können, besonders in Zeiten zyklischer Abschwünge. Daher hätten die Ergebnisse regelmäßig nach oben korrigiert werden müssen.

Vor dem Hintergrund des überraschenden Anstiegs der Inflationsrate in Großbritannien im vergangenen Dezember, könnte mit Blick auf die aktuellen Daten die Sorge bestehen, dass die BoE die Zinsraten schneller anhebe als erwartet. Trotzdem erwarte das Team von Aviva Investors über das Jahr 2010 eine Beschleunigung des Wachstums. Es sei dabei allerdings sehr wahrscheinlich, dass der Aufschwung nach wie vor von Faktoren wie etwa der Arbeitslosigkeit gedämpft werde. (09.02.2010/fc/a/m)


 

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