Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die Stimmung der Anleger in Deutschland hat sich im ersten Quartal 2010 eingetrübt, so die Experten von Union Investment.
Jedoch würden nur 23 Prozent der Befragten in den nächsten sechs Monaten fallende Aktienkurse erwarten. Das seien drei Prozentpunkte mehr als im letzten Quartal. Deutlich gestiegen sei im Quartalsvergleich dagegen die Inflationserwartung. 58 Prozent der Befragten würden mit steigenden Preisen rechnen. Dennoch würden die meisten von ihnen wenig rentierliche Geldanlagen für attraktiv halten. Dies zeige eine Umfrage von Union Investment zum Anlegerverhalten im ersten Quartal 2010.
Die Einschätzungen zur Entwicklung der Aktienmärkte würden ähnlich positiv ausfallen wie im vierten Quartal 2009. Aktuell würden 41 Prozent der Befragten von einer Aufwärtsbewegung in den nächsten sechs Monaten ausgehen, ein Rückgang um vier Prozentpunkte gegenüber dem Vorquartal. Mit einem konstanten Kursniveau würden 29 Prozent (Vorquartal 28 Prozent) rechnen.
Erheblich gewachsen seien dagegen die Inflationserwartungen. Der Anteil derer, die im nächsten halben Jahr steigende Preise erwarten würden, habe mit 58 Prozent den höchsten Wert der letzten sechs Quartale erreicht. Er sei allein gegenüber dem vierten Quartal 2009 um 11 Prozentpunkte gestiegen. Von denjenigen, die mit Preissteigerungen rechnen würden, würden sich 62 Prozent Sorgen um ihre Ersparnisse machen, bei den Frauen sogar 73 Prozent. Allerdings wollten deshalb nur die wenigsten ihr Anlageverhalten verändern: 78 Prozent der Befragen würden beabsichtigen, ihr Spar- und Geldausgabeverhalten konstant zu halten.
Obwohl die Mehrheit der Befragten neben Preissteigerungen keine steigenden Zinsen erwarte (54 Prozent), würden aktuell niedrig verzinste Anlageformen wie Tagesgeld oder Festgeld von 57 Prozent beziehungsweise 54 Prozent der Befragten als attraktiv eingestuft.
Die Bevorzugung wenig rentierlicher Anlageformen gehe mit ausgeprägten Zweifeln an Renditeprognosen einher: Bei Renditen von fünf Prozent bis unter sieben Prozent pro Jahr würden 30 Prozent die Seriosität eines Investmentfonds bezweifeln. Acht Prozent der Befragten würden bereits bei in Aussicht gestellten Renditen bis zu fünf Prozent die Seriosität eines Fondsangebots infrage stellen. Keinerlei Einschätzung könnten 14 Prozent der Befragten geben, bei den Frauen habe sogar fast jede Vierte (23 Prozent) keine konkreten Vorstellungen, welche Renditen mit Fonds realistisch erzielbar seien.
"Die Risikoaversion der Anleger ist hoch. Viele haben den Börsenaufschwung im letzten Jahr verpasst und verzichten trotz eines anhaltend niedrigen Zinsniveaus auf zusätzliche Renditechancen. Häufig ist ihnen nicht bewusst, dass Investmentfonds einen weit reichenden Anlegerschutz und umfassende Transparenz bieten", erkläre Hans Joachim Reinke, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Union Asset Management Holding AG.
Leichter getan hätten sich die Befragten mit einer Einschätzung der wirtschaftlichen Situation in Deutschland. Sie würden diese kritisch beurteilen: Während im Vorquartal noch 30 Prozent eine Verbesserung erwartet hätten, liege der Anteil aktuell nur noch bei 24 Prozent. Von einer Verschlechterung würden 39 Prozent (Vorquartal 38 Prozent), von einer gleich bleibenden Situation 37 Prozent (Vorquartal 31 Prozent) ausgehen. Besonders pessimistisch seien die Frauen, von denen 45 Prozent mit einer Verschlechterung rechnen würden, gegenüber 35 Prozent bei den Männern.
Im Gegensatz dazu habe sich die Einschätzung der eigenen finanziellen Situation verbessert. Seit dem dritten Quartal 2009 sei der Anteil der Befragten gestiegen, die innerhalb der nächsten sechs Monate eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation erwarten würden, um jeweils vier Prozentpunkte auf derzeit 22 Prozent. Gleichzeitig sei der Anteil der Pessimisten, die mit einer Verschlechterung rechnen würden, deutlich gesunken: von 21 Prozent im vierten Quartal 2009 auf aktuell 14 Prozent.
"Viele Anleger sind angesichts positiver Unternehmensnachrichten auf der einen und der Schuldenprobleme Griechenlands auf der anderen Seite verunsichert. Dazu besteht aber wenig Anlass. Unser Ausblick für die globale Konjunktur ist trotz der aktuellen Turbulenzen in Griechenland positiv. Wir sind auf dem Weg zu einem selbsttragenden Wachstum", sage Reinke
Seit Anfang 2001 lasse Union Investment durch das Marktforschungsinstitut Forsa quartalsweise eine Erhebung zum Anlegerverhalten durchführen. Befragt würden 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten im Alter von 20 bis 59 Jahren, die mindestens eine Geldanlage besitzen würden. Die aktuelle Befragung für das erste Quartal 2010 habe in der Zeit vom 1. bis 10. Februar stattgefunden. (Bei Umfragewerten, die sich nicht zu hundert Prozent addieren würden, gebe die Differenz den Anteil der unschlüssigen Befragten an.) (11.03.2010/ac/a/m)