Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die zuletzt erfolgreiche Platzierung der griechischen Staatsanleihe hat in der vergangenen Woche für eine Beruhigung an den Staatsanleihemärkten gesorgt, so die Experten von Union Investment.
Die Unterstützungszusagen für Griechenland - insbesondere von französischer Seite - hätten zu einer abnehmenden Risikoaversion geführt.
Derzeit werde das Thema Länderrisiken von der Diskussion über die Gründung eines Europäischen Währungsfonds beherrscht. Dieser Fonds, von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" als "Europäischer Schuldenfonds" bezeichnet, solle nach dem Vorbild des IWFs etabliert werden. In der Diskussion würden sich die unterschiedlichen Interessen der beteiligten Institutionen abzeichnen. So wolle sich beispielsweise die Deutsche Bundesbank dagegen wehren, ihre Goldreserven auf den vorgeschlagenen Europäischen Währungsfonds (EWF) zu übertragen. Das Thema EWF werde uns, wie auch Griechenlands Schuldensituation, wohl noch lange begleiten. In dieser Woche würden die europäischen Finanzminister über das griechische Sparpaket beraten.
Am Rentenmarkt hätten zum Freitagsschluss die für den Euroraum richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihen mit 3,16 Prozent notiert. Damit habe sich im Wochenvergleich ein geringer Renditeanstieg ergeben (plus ein Basispunkt), welcher auch über die gesamte Zinskurve zu beobachten gewesen sei. Die Stimmung im Staatsanleihesegment der Euro-Peripherieländer habe sich zuletzt jedoch weiterhin verbessert. Neben einer Verringerung der Risikoaufschläge griechischer Papiere sei auch deren Liquidität zuletzt deutlich angestiegen - dies trotz der Gerüchte um weitere kurzfristig anstehende griechische Anleihen im Volumen von 10 Milliarden Euro. Darüber hinaus hätten auch die Risikoaufschläge anderer Peripherieanleihen gegenüber Bundespapieren nachgegeben.
Kaum merklichen Einfluss hätten hingegen die in der letzten Woche veröffentlichten Konjunkturdaten gehabt. Die Industrieproduktion im Januar (plus 0,6 Prozent) sowie der Export Deutschlands hätten unter den Erwartungen gelegen und den schwachen Start in das Jahr 2010 bestätigt.
Ein ähnliches Bild habe sich auch am US-Rentenmarkt ergeben. Die zehnjährigen US-Treasuries hätten leicht nachgegeben und gegenüber der Vorwoche zwei Basispunkte höher bei 3,70 Prozent rentiert. Die Auktionen neuer Staatspapiere mit Laufzeit drei, zehn und 30 Jahren seien reibungslos verlaufen und hätten kaum merklichen Einfluss auf die Renditen gehabt. Von konjunktureller Seite hätten letzte Woche die Einzelhandelsumsätze positiv überrascht, was jedoch nicht zu einer markanten Belastung der Notierungen geführt habe.
Der Euro habe sich in den vergangenen Tagen im Bereich von 1,35 US-Dollar stabilisieren können. Die nachlassende Verunsicherung um die Fiskalprobleme der Euro-Peripheriestaaten sei auch hierfür der wesentliche Faktor. Die US-Valuta, die im Falle einer hohen Risikoaversion an den Märkten den Status eines so genannten sicheren Hafens genieße, sei deshalb derzeit weniger gefragt.
In der laufenden Woche werde zweifellos die geldpolitische Sitzung der FED im Blickpunkt der Anleger stehen. Die FED habe sich bisher dahingehend geäußert, dass die Niedrigzinspolitik - vor allem angesichts des fragilen US-Arbeitsmarkts - weiterhin Bestand haben werde. Die Finanzmärkte würden jedoch genau darauf achten, ob es in den Statements Änderungen bei den einschlägigen Formulierungen geben werde. Die FED scheine nicht mehr geschlossen die derzeitige Geldpolitik zu vertreten. Einige Mitglieder hätten zuletzt im Rahmen der FED-Kommunikation vor falschen Erwartungen bezüglich der künftigen Geldpolitik gewarnt.
In Deutschland dürfte am Dienstag der ZEW, der die Konjunkturerwartungen von 350 Finanzexperten widerspiegele, von Interesse sein. Der Konsens liege mit 43,1 Punkten zwei Punkte unterhalb der letzten Veröffentlichung.
Vom OPEC-Treffen am Mittwoch in Wien seien hingegen keine Überraschungen zu erwarten. (Ausgabe vom 15.03.2010) (16.03.2010/ac/a/m)