Wien (aktiencheck.de AG) - Der japanische Aktienmarkt kann seine Erholungsphase fortsetzen und tendiert im abgelaufenen Quartal knapp 5% fester, so die
Analysten der Erste Bank.
Allerdings habe die Dynamik der europäischen und US-amerikanischen Pendants nicht gänzlich mitgemacht werden können, was auch am erstarkten Yen gelegen habe. Am besten hätten sich Titel aus dem Bereich Tabak- bzw. Lebensmittel (+12%) sowie der Pharmabranche (+8%) entwickelt. Die schwächste Performance hätten Energiewerte (-10%) sowie Finanztitel (-8%) gezeigt.
Der historische Wahlerfolg der DPJ sei bestimmendes Thema am Aktienparkett in Tokio gewesen. Die DPJ möchte in ihrem Programm die zentralen Probleme der japanischen Gesellschaft lösen: Überalterung sowie mangelnder Binnenkonsum (bzw. zu große Abhängigkeit vom Exportsektor). Zudem seien dies meist die zentralen Kritikpunkte, die die Anlegerschaft potenziellen Japan-Investments entgegenbringe.
Als erste Maßnahmen habe die Regierung die Abschaffung der Autobahngebühren, die Einführung eines Kindergeldes, die Verringerung der Schulgebühren sowie die Erhöhung des Mindestlohns angekündigt. Der politische Kurswechsel habe kurzfristig zu Kursgewinnen geführt, ob eine grundlegende (wirtschafts-)politische Erneuerung zu erwarten sei, bleibe jedoch zu bezweifeln.
Die Talfahrt der negativen Gewinnrevisionen scheine vorerst beendet zu sein. Bereits zweimal in Folge seien die Schätzungen überwiegend nach oben angepasst worden. Besonders interessant erscheine die Tatsache, dass sich die positiven Anpassungen nicht auf wenige Sektoren beschränkt hätten, sondern quer durch alle Sparten stattgefunden hätten. Zudem hätten sich die Umsatzprognosen noch positiver entwickelt, auch die Schätzungen bezüglich der Margenentwicklung hätten sich deutlich aufgehellt.
Die Tage der exzessiven Bewertungen würden für japanische Aktien längst gezählt scheinen. So stimme die Analysten das günstige Kurs-Buchwert-Verhältnis weiterhin sehr zuversichtlich. Die 1.700 Unternehmen im breiten Topix-Index würden aktuell beim 1,16-fachen ihres Buchwertes notieren, sie würden also im Schnitt nur geringfügig über dem Substanzwert gehandelt.
Die Dividendenrendite liege bei 2,1% und sei somit deutlich attraktiver als der 30-jährige Median der bei lediglich 0,91% liege. Auch das Kurs-Umsatz-Verhältnis befinde sich mit einem Wert von 0,3x auf günstigem Niveau, kein anderer Benchmark-Index sei - gemessen an dieser Bewertungskennzahl - ähnlich günstig. Dies in Kombination mit stabilen Margen und dem historisch niedrigen KGV seien zentrale Argumente für das bullishe Langfrist-Szenario der Analysten in Japan.
Die charttechnischen Indikatoren würden ein überwiegend positives Bild zeichnen. Der MACD stehe weiter auf Kauf, der RSI zeige eine schöne Divergenz auf. Die wichtigsten Unterstützungen würden beim psychologisch enorm wichtigen Pivot-Punkt von 10.000 sowie anschließend bei 9.614 Zählern liegen. Nach oben hin scheinen die Marken 11.248 und 12.559 massive Widerstände zu sein, so die Analysten der Erste Bank. Etwas besorgniserregend erscheine jedoch die nachlassende Marktbreite.
Dies bedeute, dass der jüngste Aufschwung nur noch von wenigen Aktien und Branchen getragen worden sei. Die Advance/Decline Linie falle, der Index steige, dies bedeute normalerweise eine verlässliche Vorlaufindikation. Der Nikkei 225 befinde sich aber nach wie vor über dem 50/100- und 200 Tage gleitenden Durchschnitt. Insofern sei der kurz/mittel- und langfristige Aufwärtstrend weiterhin intakt. Aufgrund der nachlassenden Marktbreite gehe man aber von geringer Trenddynamik- und stärke aus.
Japan habe weiterhin mit zahlreichen Problemen (Überalterung, Abhängigkeit von Exporten, stagnierender Binnenkonsum) zu kämpfen, die Analysten würden jedoch einige Vorteile im Vergleich zu Europa und insbesondere den USA sehen. Die Absenz einer schweren systemischen Bankenkrise und eines Kreditengpasses, würden ihrer Meinung nach zentrale Argumente darstellen. Aber auch die technologische Positionierung der japanischen Industrie stimme die Analysten zuversichtlich.
So gehe beispielsweise der weltgrößte Autohersteller Toyota als größter Gewinner aus dem amerikanischen "Cash for Clunkers" Konjunkturprogramm hervor. Zusammen mit Honda und Nissan habe Toyota 41% der Autos im Rahmen des Programms verkauft, was den kombinierten Marktanteil von 34% deutlich überschreite. Toyota allein habe 19,4% der subventionierten Autos verkauft und General Motors und Ford auf die Plätze verwiesen. Grund sei die Präferenz von kleineren, benzinsparenden Autos, sowie deren exzellentes Preis/Leistungsverhältnis.
Die Analysten würden den japanischen Aktienmarkt nach wie vor als attraktiv einschätzen. Die Tatsache, dass japanische Aktien in institutionellen aber auch privaten Portfeuilles massiv untergewichet seien, sowie die massive Liquidität in Japan könnten die Ingredienzen für eine rasche Erholung sein. Zudem sei das Bewertungsniveau im Vergleich zur eigenen Historie mittlerweile auf einem historischen Tiefststand angelangt. Andererseits würden die stark gefallenen Immobilienpreise sowie die Lohnentwicklung berechtigte Deflationsängste aufkommen lassen. Auch der immer stärker tendierende Wechselkurs des Yen stelle einen massiven Belastungsfaktor dar.
In ihrer internationalen Länderallokation empfehlen die Analysten der Erste Bank deshalb eine neutrale Gewichtung des japanischen Aktienmarktes. Auf Branchenbasis würden sie Potenzial und günstige Chance/Risikoprofile im Finanzsektor, dem zyklischen Konsum sowie im Elektroniksegment sehen. (Ausgabe 4. Quartal 2009) (05.10.2009/ac/a/m)