Japanischer Yen hält der Höhenrausch an?


03.09.10 10:00
Meldung
 
Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Der Japanische Yen befindet sich seit Monaten in einem Höhenflug, so die Experten vom "Devisen-Trader".


Gegenüber dem US-Dollar sei die japanische Währung sogar auf den höchsten Stand seit 1995 gestiegen und im Vergleich zum Euro sei der Yen so stark wie seit dem Jahr 2001 nicht mehr. Das sei durchaus erstaunlich, denn Japans Wirtschaft zeige derzeit alles andere als Stärke. Zudem liege der Leitzins bei null Prozent, was die Währung ebenfalls nicht attraktiv erscheinen lasse. Die Ursache für die Aufwertung des Yens sei daher in erster Linie die gestiegene Risikoaversion an den Märkten. Die Anleger würden wieder mehr Sicherheit suchen - und die scheine der Yen zu bieten.

Vor allem spreche der Leistungsbilanzüberschuss für den Yen, denn Japan sei dadurch nicht auf ausländisches Kapital angewiesen, um sich zu finanzieren, wie dies z.B. in den USA der Fall sei. Die relative Stabilität des Finanzsystems, das kaum von der Immobilienkrise in den USA betroffen gewesen sei, spreche ebenfalls für den Yen als sichere Anlagewährung. Schließlich sei auch die geografische Nähe zur Boomregion Ostasien ein großer Pluspunkt. Nur noch 16 Prozent der japanischen Exporte würden in die USA gehen, vor einem Jahrzehnt seien es noch mehr als 30 Prozent gewesen. Mehr als die Hälfte der Ausfuhren würden dagegen von Asien absorbiert. Das gebe der Wirtschaft Stabilität, denn auch wenn Ostasien mit China an der Spitze im kommenden Jahr langsamer expandieren werde, es bleibe der Wachstumspol der Weltwirtschaft und Japan profitiere davon.

Die sich deutlich abkühlende US-Konjunktur und die Finanzierungsschwierigkeiten in der Eurozone auf der einen Seite sowie die relative Stabilität des Yens auf der anderen Seite. Diese Situation werde sich nicht so schnell ändern. Die meisten Devisenexperten aus den Banken würden daher von einer weiteren Aufwertung der japanischen Währung gegenüber dem Euro und dem Dollar ausgehen. Dabei sei es durchaus möglich, dass USD/JPY unter das bisherige Allzeittief aus dem Jahr 1995 falle, denn allein schon die Deflation in Japan bedinge eine Aufwertung des Yens: Seit 1995 seien die Konsumentenpreise in Japan um durchschnittlich 0,1 Prozent pro Jahr gefallen, während sie in den USA um 2,5 Prozent pro Jahr gestiegen seien. Um diesen Kaufkraftverlust auszugleichen, müsste der Yen permanent aufwerten.

Den Experten der Deutschen Bank zufolge entspräche real gesehen - d.h. unter Berücksichtigung der Inflationsraten - ein Wechselkurs von 55 JPY je Dollar dem Tief von 79 JPY aus dem Jahr 1995. Daraus abzuleiten, USD/JPY müsste bis auf 55 JPY fallen, sei zwar übertrieben, aber es verdeutliche das Aufwertungspotenzial für den Yen. In Japans Regierung und vor allem bei den Exportunternehmen sehe man das natürlich nicht so. Der starke Yen werde als große Gefahr gesehen. Die Bank of Japan habe in einer Notsitzung beschlossen, weiteres Geld in die Märkte zu pumpen, um die Deflation zu bekämpfen und die Aufwertung zu stoppen. Der nächste Schritt könnte eine direkte Intervention am Devisenmarkt sein. Erfahrungsgemäß würden diese aber keine Trendwende, sondern allenfalls kurzfristige Kursausschläge bringen.

Der Yen werde bei den Anlegern weiter gefragt bleiben als Versicherung gegen einen Abschwung der Weltkonjunktur. Gestoppt werden könnte dieser Trend nur, falls sich die US-Wirtschaft deutlich besser entwickle als derzeit angenommen. Dann könnte der Dollar gegenüber dem Yen wieder steigen. Interventionen der Bank of Japan dürften nur kurzfristig Erfolg haben und seien eher als günstige Gelegenheit zum Einstieg in eine Short-Position auf USD/JPY oder EUR/JPY zu sehen. (03.09.2010/ac/a/m)


 
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