SKAGEN Global Fonds: Sieben Lektionen für Investoren in der COVID-19-Krise


26.06.20 12:30
Meldung
 
Stavanger (www.fondscheck.de) - Aus dem durch die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie verursachten Crash an den weltweiten Aktienmärkten lassen sich für Anleger sieben Lektionen ableiten, so Knut Gezelius, Lead Portfolio Manager des SKAGEN Global (ISIN NO0008004009 / WKN A0DLFA ) von SKAGEN Funds.


Einige würden an frühere Marktverwerfungen erinnern, andere würden auf neue Marktdynamiken hindeuten, die das künftige Anlegerverhalten bestimmen könnten. Die Pandemie biete eine ideale Projektionsfläche, um Markteffizienz zu veranschaulichen, gängige Mythen zu entlarven und populäre Hypothesen zu überprüfen.

Im Folgenden die sieben wichtigsten Lektionen für Anleger aus Sicht von Knut Gezelius, Lead Portfolio Manager des SKAGEN Global:

1. Man solle nicht versuchen, Markt-Timing zu betreiben.

In den letzten Jahren hätten Marktkommentatoren das Ende des Bullenmarktes vorhergesagt, der nach der Finanzkrise im März 2009 begonnen und schließlich im März 2020 geendet habe; eine Rekordlaufzeit von elf Jahren. Während dieser Zeit habe es Hunderte von überzeugend geschriebenen Forschungsberichten gegeben, die argumentieren würden, dass die Hausse schon lange Zeit andauere und daher ein weiterer Crash unmittelbar bevorstehe. Allerdings hätten nur wenige Kommentatoren (wenn überhaupt welche) genau vorhergesagt, dass die Märkte im März 2020 aufgrund einer Pandemie, die einen beispiellosen Stillstand durch einen weltweiten Lockdown auslöse, zusammenbrechen würden.

Eine Kristallkugel, die sowohl den Zeitpunkt als auch den Grund für einen Börsencrash nicht genau erkennen lasse, sei nur von begrenztem Nutzen und könne Investoren eher schaden als nutzen.

2. "Cash is king" stimme nicht - voll investiert bleiben.

Der beliebte Ausspruch "cash is king" impliziere, es sei ratsam, Bargeld zur Verfügung zu halten, um es einsetzen zu können, wenn der Markt auf ein attraktiveres Niveau zurückfalle. Das sei zwar gut gemeint, schade langfristigen Anlegern aber aus zwei Gründen eher, als dass es ihnen nütze.

Erstens sei die Rendite auf Bargeld im heutigen Niedrigzinsumfeld im Wesentlichen gleich Null. Langfristig orientierte Anleger, die einen Teil ihres Geldes in Cash vorhalten würden, würden sich implizit dafür entscheiden, nicht vollständig investiert zu sein, und würden damit auf eine Marktrendite verzichten.

Zweitens erfordere es immense mentale Stärke, den entscheidenden Schritt zu tun, gegen den Strom zu schwimmen und Barmittel einzusetzen, wenn der Markt falle. Leider haben wir die Erfahrung gemacht, dass sowohl professionelle als auch private Anleger selten mit Überzeugung handeln, wenn sich die Gelegenheit bietet, so die Experten von SKAGEN Funds.

Investoren, die Bargeld horten würden, würden riskieren, auf beiden Seiten zu verlieren. Erst würden sie die Marktrally vor dem Absturz verpassen und dann würden sie in der Regel verpassen, inmitten der Panik einzusteigen, während der Markt rasch wieder zu den Höchstständen vor dem Absturz zurückkehre.

3. Es gebe keine Blasenbildung bei passiven Investments - zumindest noch nicht.

Aktive Manager würden seit langem beklagen, dass die quantitative Lockerung der Zentralbanken, die Verbreitung von ETFs und Momentum-Strategien den Aktienmarkt verzerren würden, denn sie würden einebnend wirken und Volatilität unterdrücken. Dadurch würden sich die Korrelationen erhöhen und es werde für aktive Investoren schwieriger, die Benchmarks zu schlagen. Allerdings sei der Volatilitätsindex VIX am 16. März 2020 inmitten der pandemiebedingten Marktverwerfungen auf ein 30-Jahres-Hoch gestiegen. Daraus ließe sich folgern, der Aktienmarkt sei während dieser Turbulenzen zum "Stockpicker-Paradies" geworden.

Ein Blick auf die Erfolgsbilanz von rund 5.000 aktiv verwalteten Aktienfonds in der Datenbank von Bloomberg falle jedoch ernüchternd aus: Mehr als zwei Drittel der aktiven Fonds hätten im März und im ersten Quartal unter ihrer jeweiligen Benchmark gelegen. Aktive Manager müssten sich also weiter anstrengen, um ihre Existenz zu rechtfertigen, denn passive Anlagen dürften ihren Marsch zur Marktbeherrschung fortsetzen. Allerdings gebe es einen kleinen Grund zur Hoffnung: Nahezu ein Drittel der aktiven Manager hätten eine - in manchen Fällen beträchtliche - Outperformance erzielt und seien daher für Anleger möglicherweise eine (viel) bessere Option als ein "Plain Vanilla"-Indexfonds.

4. Value-Aktien mit niedrigen Multiples seien nicht defensiv.

In den vergangenen zehn Jahren sei es unter Value-Investoren ein gängiges Mantra gewesen, dass die angeschlagenen Value-Aktien, die mit niedrigen Kursgewinnen oder Kursbuchkennzahlen gehandelt würden, aufgrund des Schutzes, den diese niedrigen Multiplikatoren bieten würden, defensiv wären. Die COVID-19-Krise habe diese Hypothese widerlegt. Ein Vergleich der Renditen der beiden wichtigsten globalen Aktienindices, des MSCI AC World Growth und MSCI AC World Value, während des Marktabschwungs zeige, dass Growth zwischen dem 12. Februar und dem 23. März 2020 um 30 Prozent gesunken sei, während Value im gleichen Zeitraum um 37 Prozent gefallen sei.

Nach Meinung von Knut Gezelius von SKAGEN Funds liege das mitunter an der obsolet gewordenen traditionellen Definition von Value-Investments, die immaterielle Vermögenswerte aufgrund veralteter Rechnungslegungsgrundsätze in den Jahresabschlüssen nur unzureichend erfasse. Wir würden sogar so weit gehen zu behaupten, dass das gesamte Konzept des "Value Investing", wie es typischerweise von Datenanbietern wie MSCI und Morningstar beschrieben wird, einer vollständigen Überarbeitung bedarf, um die Welt, in der wir heute leben, besser abzubilden, so die Experten von SKAGEN Funds.

5. Der Glaube, dass "Dividenden nicht lügen", sei weitgehend eine Illusion.

Eines der am meisten missverstandenen Konzepte unter Investoren sei die Rolle von Dividenden. Ein weit verbreiteter Glaube besage, dass eine hohe Dividendenrendite signalisiere, dass eine Aktie unterbewertet sei, und Investoren bei langfristigen Investitionsentscheidungen einer hohen Rendite Vorrang vor der Gesamtrendite (Kursanstieg plus Dividendenrendite) einräumen würden.

Zwar sei richtig, dass reinvestierte Dividenden langfristig einen bedeutenden Teil der Gesamtrendite ausmachen könnten, dazu müsse die Dividende aber sowohl nachhaltig als auch beträchtlich sein. Leider führe eine hohe Dividendenrendite oft zur Versuchung, kurzfristig einen hohen Gewinn einzustecken.

Tatsächlich hätten diejenigen, die zu Beginn des Jahres in Aktien mit hoher Rendite investiert hätten, Schläge aus verschiedenen Richtungen eingesteckt. Viele Unternehmen mit hohen Dividendenrenditen hätten bereits vor der Pandemie auf wackligem Füßen gestanden - mit ungesunden Ausschüttungsquoten und sich verschlechternden Fundamentaldaten. Der wirtschaftliche Kahlschlag infolge der Pandemie-Auswirkungen sei möglicherweise der letzte Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe, und habe bei jenen, die im Verhältnis zu ihrer wahren Ertragskraft überproportional ausschütten würden, zu radikalen Dividendenkürzungen geführt, die oft mit einem gleichzeitigen Kursverfall der Aktien einhergegangen seien.

6. Technologie verdiene Aufmerksamkeit, nicht Verachtung.

Die COVID-19-Krise habe gezeigt, wie stark Technologie im Alltag verankert sei. In der Tat scheine ein Leben ohne Internet, elektronischen Zahlungsverkehr und Online-Shops allmählich unvorstellbar. Die Experten von SKAGEN Funds würden davon ausgehen, dass Verbraucher nur bei erheblichen wirtschaftlichen Einbußen ihre Ausgaben in diesen Bereichen einschränken würden, was zu der Frage führe, ob einige Technologieunternehmen den neuen Grundstock an Aktien bilden würden, die stabile Erträge und wachsende Cashflows zeigen würden.

Aus Sicht von Bottom-up-Investoren werde jedes Unternehmen grundsätzlich isoliert beurteilt. Daher scheint es uns zu einfach, die Technologiegiganten als Blase abzutun, so die Experten von SKAGEN Funds.

7. Man sollte den Markt nicht naiv als irrational abtun.

Es sei einfach, den Markt als irrational zu bezeichnen, doch die Experten von SKAGEN Funds würden glauben, dass diese Behauptung während der COVID-19-Krise nachdrücklich widerlegt worden sei. Als Kalifornien zum Beispiel als erster US-Bundesstaat einen strengen Lockdown eingeführt habe, sei der globale Aktienmarkt bereits in einem Monat um 30 Prozent gefallen.

Ebenso scheine der Markt erkannt zu haben, dass die wirtschaftliche Erholung möglicherweise schneller vonstatten gehe als allgemein angenommen. Während laut einer Umfrage der Bank of America unter globalen Fondsmanagern im April nur 15 Prozent der Befragten (und 10 Prozent im Mai) an eine V-förmige Erholung geglaubt hätten, habe der MSCI AC World Index ein beeindruckendes Comeback erlebt und sei zwischen dem 19. März und dem 5. Juni um 34 Prozent gestiegen. Ein abschließendes Urteil steht uns nicht zu, ob der Markt oder die befragten Fondsmanager letztlich Recht behalten werden, so Knut Gezelius von SKAGEN Funds. Wenn wir jedoch gezwungen wären, würden wir auf den Markt setzen, so Knut Gezelius von SKAGEN Funds weiter.

Jede Krise habe natürlich Gewinner und Verlierer und die COVID-19-Pandemie sei in dieser Hinsicht nicht einzigartig. Wer hätte Anfang Januar geahnt, dass der weltgrößte Hersteller von Gummihandschuhen und eine Videokommunikationsplattform fünf Monate später zu den Top-5-Performern im globalen Index gehören würden? Solche Datenpunkte würden zwar gute Schlagzeilen machen, aber in Wirklichkeit wenig Anhaltspunkte für zukünftige Investitionserfolge bieten. Langfristige Anleger sollten daher die jüngsten Ereignisse analysieren, um wichtige Lehren zur Verdeutlichung derjenigen Anlageprinzipien zu ziehen, die bis, während und nach der nächsten Krise zu erheblicher Vermögensbildung beitragen würden. Werde es nicht bald Zeit, mit der Vorhersage zu beginnen, wann und wie die nächste Krise zuschlagen werde? (26.06.2020/fc/a/f)


 

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