Stuttgart (aktiencheck.de AG) - Der
Goldpreis wurde seit Anfang Januar in einer stetig enger werdenden Spanne zwischen 820 und 1.000 US-Dollar gehandelt, so die
Analysten der Landesbank Baden-Württemberg.
Nachdem bereits im Februar und Anfang Juni die 1.000-Dollar-Marke getestet worden sei, seien im September sowohl der Ausbruch aus der charttechnischen Dreiecksformation wie auch der Sprung in den vierstelligen Bereich gelungen. Die Notierung habe seitdem zwischen 985 und 1.025 US-Dollar je Feinunze geschwankt. Das bisherige Intraday-Hoch in Höhe von 1.034 US-Dollar vom März 2008 sei zwischenzeitlich überflügelt worden.
Ausschlaggebend für den Höhenflug der vergangenen Wochen seien vor allem zwei Faktoren gewesen. Erstens sei der US-Dollar gegenüber dem Euro wieder stärker unter Druck geraten und schon seit Anfang April würden sich die Goldnotierungen im Einklang mit dem Wechselkurs bewegen. Das stark gestiegene Engagement von Money Managern und anderen Teilnehmern am Terminmarkt zeige auf, dass der Transmissionsmechanismus hierbei das altbekannte Muster von Dollar-short und Goldlong-Strategien sei.
Zweitens habe die sich in den vergangenen Wochen abzeichnende charttechnische Dreiecksformation preistreibend ausgewirkt. Bei einem stark beachteten Asset wie Gold würden so deutliche Konstellationen leicht zu einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung geraten, da viele Marktteilnehmer trendbestätigend agieren würden.
Seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise hätten die Anleger die größte Käufergruppe gebildet. Gold sei fast ausschließlich als Krisenmetall wahrgenommen worden, das vom konjunkturellen Abschwung und der Angst profitiert habe. Seit dem Sommer würden sich jedoch Anzeichen für einen moderaten Wirtschaftsaufschwung im Jahr 2010 mehren, so dass der "sichere Hafen" Gold aus Anlegersicht an Attraktivität einbüßen könnte.
Trotz der seit März dieses Jahres wieder gut erholten Aktienmärkte und einer deutlichen Entspannung im Anleihesektor würden die Investoren an Gold festhalten. Zwar hätten sich die physischen Bestände der Gold-ETFs seit dem Frühjahr nur noch marginal erhöht. Es habe jedoch keine Flucht aus den Goldpapieren stattgefunden und Münzen sowie Barren seien weiterhin gesucht. Dies dürfte unter anderem an Inflationsängsten liegen, die durch einen Aufschwung eher bestärkt würden.
Bei einer Verbesserung der konjunkturellen Lage dürfte sich die Goldnachfrage der Industrie erhöhen. Sie sei in der letzten Aufschwungphase jährlich zwischen 2% und 9% gewachsen, bevor der Abschwung im Jahr 2008 zu einem scharfen Einbruch geführt habe. Mengenmäßig viel bedeutender sei die Schmucknachfrage, die erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung von einem Aufschwung in Form einer steigenden Beschäftigung und einer höheren Kaufkraft der Konsumenten profitieren würde.
Bislang seien die Schmuckkäufe allerdings noch sehr schwach gewesen, wie die im Vergleich zum Vorjahr stark unterdurchschnittlichen indischen Goldimporte belegen würden. Das Weihnachtsgeschäft in der westlichen Welt mit dem traditionell hohen Goldbedarf im vierten Quartal dürfte aber dazu beitragen, dass der gestiegene Goldpreis eine fundamentale Untermauerung erhalte.
Während Goldverkäufe durch Notenbanken das Angebot in der Vergangenheit um jährlich rund 500 Tonnen erhöht hätten, seien 2009 bis Ende September netto lediglich 26 Tonnen an den Markt gekommen. Hierbei mache sich das bereits absehbare Auslaufen der Verkaufsprogramme ebenso bemerkbar wie die stetigen Käufe von Schwellenländern wie Mexiko, Russland und den Philippinen.
Der Goldpreisanstieg im September sei kaum fundamental getrieben worden und das hohe Engagement der Spekulanten mahne zur Vorsicht. Umgekehrt seien derzeit aber keinerlei Anzeichen für einen Ausverkauf am Terminmarkt wie im Herbst 2008 erkennbar und nach Anlage suchende Liquidität sei weiterhin reichlich vorhanden. Die fundamentale Lage stelle sich nicht nur aus saisonalen Gründen besser dar. Die Verkäufe der Notenbanken würden so gering ausfallen wie seit vielen Jahren nicht mehr. Die Analysten würden vor diesem Hintergrund ihre Preisprognose auf Sicht von zwölf Monaten auf 1.100 US-Dollar erhöhen. (06.10.2009/ac/a/m)