Schwellenländer robustes Wachstum fortgesetzt


16.03.10 14:56
Meldung
 
Wien (aktiencheck.de AG) - "Auch wenn viele Unternehmen im 4. Quartal mit unerwartet guten Ergebnissen aufhorchen ließen und Vorlaufindikatoren weiter positive Dynamik zeigen, bestimmt die Sorge um die massiven Haushaltslöcher in einigen Euroländern das Marktgeschehen", so Kurt Kotzegger, CIO (Aktien und Asset Allocation) bei der führenden österreichischen Fondsgesellschaft Raiffeisen Capital Management.


Kotzegger: "Die Angst vor der Zahlungsunfähigkeit Griechenlands und der starke Anstieg der Spreads belasten mittlerweile auch die anderen EU-Staaten mit schlechterer Bonität und auch den Euro. Dennoch werden die einzelnen Schuldner differenzierter bewertet als dies in den letzten Jahren der Fall war." Das BIP der EU-15 habe im Quartalsvergleich leicht zulegen (0,3%) können, im Jahresvergleich weise es einen Rückgang von 4,3% auf. Für das Gesamtjahr 2009 werde allgemein ein Minus von real 3,8%, für 2010 ein Wachstum von 1,4% erwartet. Auch die Angst vor Deflation und Inflation würden ein die Märkte bewegendes Thema bleiben. Für 2009 erwarte die Wiener Fondsgesellschaft im Euroraum eine Inflation von 0,3%, für 2010 1,2%.

Im Anleihensegment sehe Kotzegger mittelfristig für Euro-Unternehmensanleihen weiter gute Ertragsmöglichkeiten, sowohl bei Investmentgrade- als auch bei den High Yield-Anleihen. "Wenngleich sich die Spreads zukünftig langsamer einengen werden und mit Korrekturen zu rechnen ist", so Kotzegger. Auf den europäischen Aktienmärkten habe zuletzt eine Korrekturbewegung eingesetzt, wobei die Entwicklung als Konsolidierung auf hohem Niveau bezeichnet werden könne. "Die mittelfristigen Aussichten sind nun etwas verhaltener, weil die Konjunkturindikatoren einerseits nicht mehr im gleichen Ausmaß positiv überraschen können und andererseits die EZB früher oder später damit beginnen wird, die Maßnahmen der quantitativen Lockerung zu reduzieren", meine der CIO.

"Vom Hoch zum Tief betrug die Korrektur an den US-Aktienmärkten größtenteils weniger als 10% und liegt damit durchaus im Rahmen normaler Marktschwankungen. Nichtsdestotrotz ist das Thema Sovereign Risk nicht als vorübergehend einzustufen. Im Gegenteil, es wird weiterhin für Unsicherheiten an den Märkten sorgen und als dämpfendes Gegengewicht zum konjunkturellen Aufschwung wirken", so Kotzegger.

Die Erholung der Volkswirtschaften komme typischerweise aus den realen Konsumausgaben, dem Lageraufbau und den Wohnbauausgaben zustande. Da die Verschuldung der Haushalte immer noch extrem hoch sei, die Sparquote gleich bleibe und der Arbeitsmarkt nur langsam anspringe, bleibe der Spielraum für die Konsumenten weiterhin eng und bewirke ein nur unterdurchschnittliches Wachstum der realen BIP (2,8% in den USA). Die Inflationsrate sei von Basiseffekten dominiert, die bis ins 3. Quartal 2009 positiv gewirkt hätten. Der Effekt habe sich jedoch umgekehrt, da zwischen Dezember 2008 und Februar 2009 der Ölpreis deutlich tiefer gewesen sei als aktuell. Die Kernrate sei in einem Abwärtstrend, an dem sich bis auf weiteres nichts ändern werde.

"Ein positives Signal für den Markt ist die Small Cap-Outperformance der letzten Wochen. Die Unternehmensdaten sind robust und auch der Blick auf andere Märkte wie Corporates stimmt zuversichtlich. Mittelfristig erwarten wir höhere Kurse", so Kotzegger.

In den Schwellenländen sei die Binnennachfrage deutlich robuster gewachsen als in den entwickelten Märkten. Ein Trend, der sich fortsetzen werde. Auch die Exportzahlen würden positiv überraschen: Insgesamt befinde sich das Emerging Markets-Exportvolumen nur noch knapp unter dem Höchststand von 2008. BRIC-Importe würden mittlerweile das Volumen der US-Importe übersteigen.

"Die Investitionstätigkeit in globale Emerging Markets-Aktienfonds hat - nach dem Rekordjahr 2009 - zuletzt nachgelassen, die Positionierung der Fondsmanager zeigt die Schwellenländer jedoch nach wie vor als deutlichen Favoriten für 2010", so der CIO von Raiffeisen Capital Management. Kotzegger: "Sie stellen den Motor des Aufschwungs dar: Ihre Situation als Nettogläubiger, ein teilweise selbsttragendes Wachstum, gepaart mit moderaten Portfoliozuflüssen sind vielversprechende Faktoren für eine positive Entwicklung."

Die Konjunkturaussichten für die Emerging Markets hätten sich 2009 mit den erwarteten 2% abgeschwächt. Für 2010 würden die GDP-Raten aber nach oben revidiert, die Prognosen würden sich aktuell in einer Range von 5 bis 7% befinden. (16.03.2010/fc/a/m)


 

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