Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die vergangene Woche begann an den Rentenmärkten zunächst ruhig, berichten die Experten von Union Investment.
Die Bundestagswahl habe kaum Einfluss auf die Entwicklung der Kurse gehabt.
Das Wahlergebnis wäre jedoch aufgrund der wirtschaftsfreundlichen Maßnahmen durch die Regierungsbeteiligung der FDP als eher nachteilig für den Rentenmarkt einzuschätzen gewesen.
Die Marktakteure hätten ihren Blick hingegen auf andere Ereignisse gerichtet. Im Geldmarktbereich habe beispielsweise am Donnerstag der von der EZB begebene Zwölfmonatstender für eine Überraschung gesorgt. Die Schätzung bezüglich der Nachfrage seitens der teilnehmenden Banken habe der Nachrichtenagentur Reuters zufolge bei 136 Milliarden Euro gelegen. Nachgefragt worden seien hingegen lediglich 75 Milliarden Euro, und damit deutlich weniger als erwartet. Kaum einer der Marktbeobachter habe damit gerechnet, dass ein derartiger Nachfrageeinbruch erfolgen würde. Die Reaktion am Geldmarkt sei jedoch verhalten ausgefallen, da die Teilnehmer schon Tage vor der Zuteilung nervös und unsicher im Hinblick auf den Tender agiert hätten.
Der Blick der Anleiheinvestoren sei hingegen wieder auf die Veröffentlichung einer Vielzahl von Konjunkturindikatoren gerichtet gewesen. Die im Berichtszeitraum bekannt gegebenen US-Wirtschaftsdaten hätten überwiegend unterhalb der Erwartungen gelegen und sich von der schwächeren Seite gezeigt. Der damit einhergehende Druck auf den Aktienmarkt und andere Risikoassets wie beispielsweise Anleihen der Emerging Markets habe sich unterstützend auf die Staatsanleihemärkte ausgewirkt.
Insbesondere die Arbeitsmarktdaten in den USA zum Freitagsschluss hätten das konjunkturelle Bild eingetrübt und für steigende Notierungen der Staatspapiere gesorgt. Zwar habe die Arbeitslosenquote um nur 0,1 auf 9,8 Prozent zugenommen. Allerdings habe sich der Stellenabbau im nicht-landwirtschaftlichen Bereich beschleunigt und mit einem Minus von 263.000 Stellen deutlich über den Erwartungen gelegen. Ein deutliches Indiz dafür, dass die Wirtschaftskrise noch nicht endgültig überwunden sei und der konjunkturelle Genesungsprozess weitaus holpriger verlaufen könnte als bisher erwartet.
Die Reaktion der Staatsanleihemärkte sowohl in den USA als auch in der Eurozone sei deutlich gewesen und habe die Notierungen deutlich steigen lassen. Zehnjährige US-Treasuries hätten zum Wochenschluss eine Rendite von 3,21 Prozent verzeichnet. Dies entspreche im Wochenvergleich einem Minus von 10 Basispunkten.
Im Euroraum seien die Wirtschaftdaten eher ausgeglichen gewesen, die US-Daten hätten jedoch bezüglich der Marktentwicklung den Ton angegeben. Deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit hätten sogar auf einem Renditeniveau von 3,12 Prozent notiert, was einem Rückgang um 14 Basispunkte gegenüber der Vorwoche entspreche. Da zweijährige Papiere unter dem Eindruck der Zuteilung des Zwölfmonatstenders unverändert notiert hätten, habe sich eine Verflachung der Zinsstrukturkurve im Bereich zwei bis zehn Jahre ergeben.
Die Anleihen so genannter Euro-Peripherieländer hätten mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten können. Nachdem diese in den vergangenen Wochen und Monaten eine Verringerung der Risikoaufschläge (Spreads) gegenüber Bundesanleihen verzeichnet hätten, sei es in der vergangenen Woche zu einer Ausweitung der Prämien gekommen. Aufgrund einer gestiegenen Risikoaversion, schwacher Ergebnisse bei der Begebung neuer Papiere in Frankreich und Spanien sowie der erhöhten Bereitschaft der Investoren zu Gewinnmitnahmen sei es im lang laufenden Segment zu Spreadausweitungen im Umfang von bis zu 25 Basispunkten gekommen.
Ein ähnliches Bild habe sich bei den Unternehmensanleihen ergeben. Auf Indexbasis (Merrill Lynch ER 00) habe sich zwar noch ein Rückgang der Spreads um zwei Basispunkte gezeigt. Schwächer als erwartete Konjunkturdaten hätten jedoch zu einem eher nervösen Marktumfeld geführt, dem sich vor allem die synthetischen Indices nicht hätten entziehen können. Der Markt profitiere zwar weiterhin vom derzeit niedrigen Zinsumfeld sowie der Bereitstellung hoher Liquidität durch die Notenbanken. Allerdings könne auch hier die gestiegene Risikoaversion zu vermehrten Gewinnmitnahmen führen. Am Primärmarkt seien auch in der vergangenen Woche zahlreiche Papiere emittiert worden.
Vor allem aus dem Finanzbereich seien vermehrt Anleihen begeben worden. Insgesamt sei jedoch am Neuemissionsmarkt zu beobachten, dass sich die Risikoaufschläge deutlich verringert hätten und kurzfristige Zeichnungsgewinne im Vergleich zu den Vorwochen keine Selbstverständlichkeit mehr seien, was weitgehend auch für Anleihen der Emerging Markets gelte.
Neben zahlreichen Wirtschaftdaten zähle am kommenden Donnerstag die auswärtige Sitzung des EZB-Rates in Venedig zu den wichtigsten Terminen der Woche. Zinsänderungen würden bei dem Treffen der Zentralbanker nicht zu erwarten sein. Das Thema Exit-Strategie, also die Maßnahmen zur Rückführung der wegen der Finanzkrise begebenen Liquidität, werde sicherlich Thema bleiben. Angesichts der konjunkturellen Lage dürften jedoch weder die EZB noch die FED derzeit große Eile verspüren, hier umgehend tätig zu werden. (Ausgabe vom 05.10.2009) (06.10.2009/ac/a/m)