Turbulente Zeiten erfordern ein aktives Management


11.02.19 14:14
Meldung
 
Düsseldorf (www.fondscheck.de) - Von 0 auf über 1.000. Seitdem der erste ETF im Jahr 1993 das Börsenlicht erblickt hat, ist die Anzahl der passiv gemanagten Fonds sukzessive angestiegen - mittlerweile haben Anleger die Möglichkeit, aus mehr als 1.000 ETFs zu wählen, so Nermin Aliti, Leiter Fonds Advisory der LAUREUS AG PRIVAT FINANZ.


Die rasche Entwicklung dieses noch recht jungen Finanzprodukts komme nicht von ungefähr, würden passiv gemanagte Fonds doch mit einer Reihe von Vorteilen punkten: Sie seien vergleichsweise günstig, in der Regel gut handelbar und würden durch eine hohe Transparenz überzeugen. Grund: ETFs seien Anlagevehikel, die auf unterschiedliche Art und Weise den Vergleichsindex nahezu eins zu eins abbilden würden - und demzufolge auch eine fast identische Performance aufweisen würden wie die Benchmark. Lediglich die jeweiligen Kosten des ETFs würden dafür sorgen, dass der ETF seinem Vergleichsindex nahezu immer einen Tick hinterherhinken werde.

Lege also beispielsweise der DAX um fünf Prozent an Wert zu, komme ein passiv gemanagter Fonds auf den deutschen Leitindex in etwa auf die gleiche Performance. Rutsche der DAX hingegen fünf Prozent ins Minus, gehe es auch mit dem entsprechenden ETF um rund 5 Prozent bergab. Mit einem ETF würden Sparer also nicht viel schlechter abschneiden als der Index, aber auch nicht besser. Und genau hier liege die Gefahr für Anleger - vor allem in so unsicheren Zeiten wie derzeit.

Mit einem ETF seien Sparer auf Gedeih und Verderb vom Kursverlauf des Vergleichsindex abhängig. In Phasen, in denen die Wirtschaft brumme und es an der Börse recht ruhig und stetig bergauf gehe, möge das unproblematisch sein. In Zeiten, in denen die Konjunktur an Schwung verliere, die Börse eine erhöhte Volatilität aufweise und die künftigen Aussichten nur schwer abzuschätzen seien, sei ein passiv gemanagter Fonds nicht unbedingt die beste Wahl.

In turbulenten Perioden komme es vor allem darauf an, die Entwicklungen in Wirtschaft und Politik genauesten zu analysieren, die damit einhergehenden Auswirkungen auf die Börse richtig einzuschätzen und entsprechende Umschichtungen im Depot vorzunehmen. Mit einem ETF sei das aber nicht möglich, mit einem aktiv gemanagten Investmentfonds hingegen schon. So könne das Fondsmanagement in Zeiten, in denen der Wirtschaftsmotor seine Drehzahl reduziere und die Börse zur Schwäche neige, beispielsweise zyklische Werte abstoßen und stattdessen in Anlagen aus defensiven Branchen investieren, die in turbulenten Phasen naturgemäß besser abschneiden würden.

Zudem sei in solchen Phasen das Anlegerverhalten von hoher Bedeutung, denn auch institutionelle Investoren hätten ihre Engagements in ETFs immer mehr ausgeweitet. Würden diese im großen Stil ihre Gelder abziehen, dann belaste das massiv die Indexwerte. Die Experten würden es nicht für ausgeschlossen halten, dass ETF-Anbieter die Rücknahme von einzelnen ETFs in engeren Märkten auch mal aussetzen oder Wertpapiere verkaufen müssten, die weit unter dem aktuellen Kurs lägen. Dieses Risiko, insbesondere in engeren Märkten, bestehe grundsätzlich auch bei Fonds. Je individueller die Struktur, desto geringer sei jedoch die Abhängigkeit vom Index und vom Herdenverhalten.

Bei ETFs sollte darüber hinaus beachtet werden, ob sie den Vergleichsindex physisch oder synthetisch nachbilden würden. Eine physische Nachbildung bedeute, dass alle Aktien oder Anleihen mit der gleichen Gewichtung wie im Index tatsächlich gekauft würden. Bei einem synthetischen ETF hingegen werde der Index nur über ein Tauschgeschäft nachgebildet. Für ein solches Derivat benötige der ETF nicht viel Liquidität, das Volumen aus dem ETF müsse allerdings trotzdem verwaltet werden. Je nach Gesellschaft und Anlagerichtlinien könne es durchaus vorkommen, dass in einem ETF mit dem Fokus auf europäische Aktien unter Umständen ganz andere Wertpapiere gekauft und dann an ein weiteres Institut verliehen würden. Die Leihgebühr, die der ETF im Gegenzug erhalte, solle die Kosten senken. Allerdings entstehe in einem solchen Konstrukt ein Kontrahentenrisiko, das man als Anleger ursprünglich nicht habe haben wollen.

Kurzum: In wirtschaftlich unsicheren Zeiten, wie man sie derzeit unter anderem aufgrund des Brexits und der Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China erlebe, spreche vieles dafür, dass Anleger besser einem professionellen und erfahrenen Fondsmanagement vertrauen sollten. Dies verfolge die wirtschaftlichen Entwicklungen, könne die damit einhergehenden Chancen und Risiken für Unternehmen einschätzen und jederzeit aktiv auf sich ändernde Marktbedingungen reagieren. Anleger mit einem ETF müssten es hingegen nehmen wie es komme - darin unterscheide sich keiner der über 1.000 passiv gemanagten ETFs. (11.02.2019/fc/a/e)


 

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