107 Dollar pro Barrel – und die Bilanzen liefern die nächste Eskalation

Der starke Anstieg des Ölpreises auf 107 Dollar und enttäuschende Quartalszahlen von Tesla, BMW und Bayer setzen die Märkte unter Druck. Die EZB verliert Spielraum für Zinssenkungen.

Eduard Altmann ·
107 Dollar pro Barrel – und die Bilanzen liefern die nächste Eskalation

Kurz zusammengefasst

  • Brent-Rohöl springt über sechs Prozent
  • Tesla und BMW verfehlen Absatzerwartungen
  • Bayer mit Verlust und schrumpfendem Umsatz
  • Robuster US-Arbeitsmarkt stützt Konsum

Liebe Leserinnen und Leser,

am Dienstag schrieb ich Ihnen: Margen entscheiden über alles. Zwei Tage später liefert der Markt den Härtetest. Donald Trumps Ankündigung extrem harter Angriffe auf den Iran hat Brent-Rohöl auf rund 107 Dollar je Barrel katapultiert, WTI kletterte auf etwa 105 Dollar – jeweils ein Sprung von mehr als sechs Prozent. Die Nasdaq gab 1,9 Prozent ab, der S&P 500 verlor 1,3 Prozent. Der DAX, der gerade erst die 23.000-Punkte-Marke berührt hatte, wurde unsanft zurückgeholt.

Das allein wäre eine Schlagzeile wert. Die eigentliche Geschichte dieses Donnerstags spielt sich aber eine Etage tiefer ab – in den Auftragsbüchern und Quartalszahlen, die parallel eintrudeln. Und dort wird es unbequem.

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Teslas Wachstum reicht nicht

Die Elektromobilität durchläuft ein eiskaltes Stahlbad. Tesla konnte im ersten Quartal zwar wieder wachsen – 358.023 ausgelieferte Fahrzeuge bedeuten ein Plus von 6,3 Prozent im Jahresvergleich. Klingt solide. Die Wall Street hatte allerdings mit rund 370.000 Einheiten gerechnet und strafte die Aktie im Nasdaq-Handel zeitweise um 3,3 Prozent auf gut 368 US-Dollar ab.

Noch brisanter ist der Blick auf BMW in den USA. Die Stammmarke verlor im ersten Quartal 3,9 Prozent auf 84.231 verkaufte Autos, Mini brach um 10,2 Prozent ein. Das eigentliche Alarmsignal steckt im Elektrosegment: Die Verkäufe haben sich glatt halbiert und fielen auf unter 10.000 Stück. Der amerikanische Konsument wendet sich ab – eine Entwicklung, die in den Münchner Vorstandsetagen für tiefe Sorgenfalten sorgen dürfte.

Bayer blutet, Siemens Energy schwankt, Mutares handelt

Die Bayer-Aktie setzte ihre Talfahrt am Donnerstagmittag fort und verlor 2,3 Prozent auf 39,19 Euro. Die Altlasten erdrücken das Unternehmen: Ein Nettoverlust von 3,80 Euro je Aktie im Schlussquartal 2025, schrumpfende Umsätze von 11,44 Milliarden Euro und eine Magerdividende von 11 Cent. Wer hier auf Fantasie setzt, braucht vor allem Geduld.

Bei Siemens Energy folgte auf die Kurssprünge zur Wochenmitte – ausgelöst durch Anpassungen bei BlackRocks Stimmrechten – die harte Gegenbewegung: minus 5,7 Prozent auf 143,50 Euro. Ein Muster, das wir in diesem Marktumfeld immer häufiger sehen. Nachrichten treiben, Schwerkraft korrigiert.

Einen pragmatischeren Weg wählt Mutares. Die Münchener Beteiligungsgesellschaft plant eine Kapitalerhöhung um bis zu 105 Millionen Euro durch die Ausgabe von 4,3 Millionen neuen Aktien. In einem Umfeld, in dem Liquidität bald wieder teurer werden könnte, ist das Timing kein Zufall.

Pharma zwischen Zollschutz und Drohkulisse

Eli Lilly und Novo Nordisk haben ebenso wie zuvor Pfizer und AstraZeneca dreijährige Zollbefreiungen im Rahmen von Deals mit dem Weißen Haus erhalten. Eigentlich eine Entwarnung. Trotzdem gerieten die Aktien unter Druck – denn die grundsätzliche Drohkulisse der US-Regierung mit hohen Medikamentenzöllen bleibt bestehen. Am Dienstag hatte ich geschrieben, dass strategisches Kapital in den Gesundheitssektor fließt. Das stimmt weiterhin. Aber die politische Risikoprämie steigt mit jeder neuen Ankündigung aus Washington.

Der Konsument, der nicht aufgibt

Und dann ist da dieser faszinierende Widerspruch. Diesel hat in Deutschland mit 2,327 Euro je Liter ein neues Rekordhoch erreicht. In den USA kostet die Gallone Benzin wieder vier Dollar. Amerikanische Autofahrer zahlen laut Schätzungen bereits 8,4 Milliarden Dollar zusätzlich an den Zapfsäulen.

Gleichzeitig stieg der Consumer Confidence Index des Conference Board im März unerwartet auf 91,8 Punkte. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen überraschend auf 202.000. Ein robuster Arbeitsmarkt, der die Preissteigerungen scheinbar absorbiert – vorerst.

Für Europa ist das zweischneidig. Ein kauffreudiger US-Konsument stützt unsere Exporteure. Die Kehrseite: Hartnäckige US-Inflation, die Zinssenkungen der Notenbanken weiter in die Ferne rücken lässt. Die EZB, die ihren Leitzins bei 2,0 Prozent festgenagelt hat, bekommt vom Ölpreis keinen Millimeter Spielraum geschenkt.

Die Quintessenz

Dieses zweite Quartal beginnt, wie das erste endete – mit einer brutalen Sortierung. Der Ölpreis frisst Margen, die Geopolitik frisst Risikobereitschaft, und die Bilanzen entscheiden, wer stehenbleibt. Am Dienstag empfahl ich Ihnen, auf das zu achten, was operativ hängen bleibt. Tesla, BMW und Bayer liefern diese Woche die Anschauungsbeispiele dafür, wie wenig Spielraum selbst große Namen haben, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden.

Fokussieren Sie sich auf Unternehmen mit echter Preismacht und soliden Cashflows. Die Zeit der billigen Versprechen an der Börse ist vorbei – und 107 Dollar pro Barrel machen sie nicht billiger.

Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann

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