Chip-Ausverkauf trifft Nasdaq — Baker Hughes und Costco trotzen der Angst

Geopolitische Spannungen führen zu einer deutlichen Sektorenrotation im Nasdaq-100. Während Werte wie Baker Hughes und Costco zulegen, geraten Halbleiter-Aktien unter massiven Verkaufsdruck.

Eduard Altmann ·
Baker Hughes a GE Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Energie- und Konsumwerte profitieren als sichere Häfen
  • Halbleiter-Aktien leiden unter China-Risiken und Gewinnmitnahmen
  • Baker Hughes punktet mit KI-Deal und LNG-Geschäft
  • Applied Materials verliert durch Exportkontrollen und Sektorrotation

Trumps Iran-Drohung spaltet den Nasdaq-100 in zwei Lager. Während Energieinfrastruktur und defensive Konsumwerte am Donnerstag zulegen, geraten Halbleiter-Ausrüster unter massiven Verkaufsdruck. Die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern war selten so deutlich.

Noch am Mittwoch hatte die Aussicht auf ein baldiges Ende des Iran-Konflikts eine breite Erholungsrally ausgelöst. Der Nasdaq legte über ein Prozent zu. Dann kippte die Stimmung: In einer nationalen Ansprache warnte Präsident Trump, Washington werde den Iran „extrem hart treffen“. US-Aktienfutures fielen scharf. Das Ergebnis ist ein zweigeteiltes Bild:

  • Energietechnologie und defensive Konsumwerte profitieren von Infrastruktur-Fantasie und Flucht in sichere Häfen
  • Halbleiter-Ausrüster leiden unter China-Exportrisiken und Gewinnmitnahmen nach monatelanger Rally
  • Steigende Energiepreise könnten laut Bank of America die Kerninflation auf nahezu 4 % treiben — ein Szenario, das die Zinssensitivität des gesamten Index erhöht
GewinnerKurs (EUR)Veränderung
Baker Hughes53,75+3,1 %
Charter Communications185,20+2,8 %
Costco864,80+1,2 %
VerliererKurs (EUR)Veränderung
Applied Materials292,00−4,3 %
KLA Corporation1.265,00−3,7 %

Baker Hughes: LNG-Boom und KI-Deal als Kursturbo

Baker Hughes führt die Nasdaq-Gewinnerliste mit einem Plus von 3,1 % an. Der Kurs notiert bei 53,75 € — nur noch rund 3 % unter dem 52-Wochen-Hoch.

Die Stärke hat strukturelle Gründe. Das Unternehmen wandelt sich vom klassischen Ölfelddienstleister zum Energieinfrastruktur-Spezialisten. Ende März gab Baker Hughes eine Zusammenarbeit mit Google Cloud bekannt: KI-gestützte Lösungen sollen Rechenzentren bei Energieoptimierung und Nachhaltigkeit helfen. Gleichzeitig wächst die LNG-Pipeline. Für ein geplantes 8,4-MTPA-Exportterminal vor der Küste von Texas liefert Baker Hughes kritische Gaskomprimierungs- und Stromerzeugungsausrüstung.

Die Zahlen untermauern den Wandel. Allein 2025 beliefen sich die LNG-Ausrüstungsaufträge auf 2,3 Milliarden US-Dollar. Hinzu kommt die geplante Übernahme von Chart Industries, für die im März Anleihen über 6,5 Milliarden US-Dollar emittiert wurden. Der Abschluss wird bis Mitte 2026 erwartet. In den letzten zwölf Monaten hat die Aktie rund 30 % zugelegt — Investoren honorieren die Neupositionierung im Schnittpunkt von LNG-Nachfrage und Rechenzentrums-Energiebedarf.

Charter Communications: Cox-Deal als Kurstreiber

Charter legt 2,8 % zu — bemerkenswert für einen Titel, der seit seinem 52-Wochen-Hoch bei 383,20 € mehr als die Hälfte seines Werts eingebüßt hat.

Der Grund für die heutige Stärke: Die Konsolidierung des US-Breitbandmarkts nimmt Gestalt an. Die FCC genehmigte Ende Februar Charters 34,5-Milliarden-Dollar-Übernahme von Cox Enterprises. New York folgte am 20. März. Einzig Kalifornien steht noch aus — eine Entscheidung wird bis spätestens 16. Juli erwartet. Das kombinierte Unternehmen würde rund 36 Millionen Breitbandabonnenten umfassen und damit zum größten Anbieter der USA aufsteigen.

Analysten sehen erhebliches Aufholpotenzial. Benchmark-Analyst Matthew Harrigan hob sein Kursziel auf 455 US-Dollar an und behielt die Kaufempfehlung bei. TD Cowen erhöhte ebenfalls und verwies auf positive Managementkommentare zum EBITDA-Wachstum 2026. Am 24. April steht der Q1-Webcast an — ein wichtiger Termin, der zeigen wird, wie gut die Integration vorankommt.

Costco: Der defensive Anker im Portfolio

Costco setzt seinen leisen Aufwärtstrend fort. Ein Plus von 1,2 % klingt bescheiden, passt aber zur Rolle des Titels: In einem Umfeld geopolitischer Unsicherheit suchen Anleger Stabilität. Seit Jahresanfang hat die Aktie 18,6 % zugelegt.

Das Geschäftsmodell erweist sich als nahezu immun gegen konjunkturelle Schwankungen. Mehr als 81 Millionen Mitglieder weltweit — ein Anstieg von über 14 % seit 2023 — sorgen für planbare Einnahmen. Der Finanzvorstand betonte zuletzt, dass Verbraucher weiterhin bereit seien, bei Costco zu kaufen, und das Tankstellengeschäft stark bleibe.

Telsey Advisory Group prognostiziert für März 2026 einen Anstieg der vergleichbaren Umsätze um 7,7 % und hält an der Outperform-Bewertung fest. Guggenheim sieht in steigenden Benzinpreisen sogar einen zusätzlichen Rückenwind. Gerade Verbraucher der Mittelschicht, die nach günstigeren Alternativen suchen, treiben die Kundenzahlen.

Applied Materials: China-Risiko belastet massiv

Am anderen Ende der Skala steht Applied Materials mit einem Tagesverlust von 4,3 %. Der Kurs fiel auf 292,00 € und entfernt sich damit weiter vom 52-Wochen-Hoch bei 334,60 €.

Das zentrale Problem heißt China. Rund 30 % des Gesamtumsatzes entfallen auf den chinesischen Markt. Verschärfte Exportkontrollen erzeugen einen geschätzten Gegenwind von 600 Millionen US-Dollar für 2026. Liefertiming und Werkzeugberechtigung bleiben kritische Variablen, die das Management selbst als „materiellen Umsatzgegenwind“ eingestuft hat.

Parallel dazu nehmen Händler nach einer monatelangen Rally Gewinne mit. Die Aktie hat seit ihrem Jahrestief im April 2025 mehr als 150 % zugelegt — eine sektorweite Rotation aus hochvolatilen Tech-Titeln verstärkt den Abgabedruck. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei über 53 %.

Trotz der Korrektur bleibt das Analystenlager erstaunlich zuversichtlich: 28 von 37 Experten empfehlen den Kauf, keine einzige Verkaufsempfehlung liegt vor. Das Konsens-Kursziel von 411 US-Dollar impliziert erhebliches Aufwärtspotenzial. Die Erste Group Bank hob ihre Einschätzung sogar auf „Hold“ an. Der Rückgang scheint weniger unternehmensspezifisch als marktgetrieben.

KLA Corporation: Sektorrotation trifft Bewertungspremium

KLA verliert 3,7 % und notiert bei 1.265,00 €. Seit den Q2-Zahlen Ende Januar summiert sich das Minus auf über 15 %.

Die Belastungsfaktoren ähneln denen von Applied Materials: China-Risiken, Gewinnmitnahmen, nachlassende Nachfrage nach fortschrittlichen Inspektionswerkzeugen. Foundries bereinigen ihre Lagerbestände nach dem KI-Investitionsboom — das drückt kurzfristig auf die Auftragslage. Das erhöhte Bewertungsniveau verschärft die Abwärtsbewegung zusätzlich.

KLA reagiert offensiv. Ein Aktienrückkaufprogramm über 7 Milliarden US-Dollar und eine Dividendenerhöhung um 21 % signalisieren Zuversicht des Managements. Der Umsatzausblick für das März-Quartal wurde bestätigt. Am 29. April präsentiert das Unternehmen die Ergebnisse des dritten Fiskalquartals — ein Termin, der die Volatilität noch einmal antreiben dürfte.

Mittelfristig bleibt die These intakt: KI-Infrastrukturinvestitionen und das durch den CHIPS Act beschleunigte US-Onshoring stützen die Nachfrage nach KLAs Prozesskontroll-Systemen. Die Wall Street spiegelt das wider — das durchschnittliche Analystenkursziel impliziert ein Aufwärtspotenzial von über 23 %.

Nasdaq-100 zwischen Eskalationsangst und Quartalssaison

Der Donnerstag markiert die letzte Handelssitzung vor dem Karfreitags-Feiertag. Im Fokus stehen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, bevor am Freitag der Beschäftigungsbericht für März folgt. Beide Datenpunkte dürften die Zinsdebatte weiter anfachen.

Die Gräben im Nasdaq-100 verlaufen klar entlang zweier Linien: Unternehmen mit Infrastruktur-Fantasie und defensivem Profil — wie Baker Hughes und Costco — gewinnen an Boden. Halbleiter-Ausrüster mit hoher China-Abhängigkeit und ambitionierten Bewertungen geraten unter Druck. Solange die geopolitische Lage instabil bleibt und die Exportkontroll-Debatte nicht gelöst ist, dürfte sich dieser Graben eher vertiefen als schließen. Selektivität ist in diesem Markt kein Luxus, sondern Pflicht.

Baker Hughes a GE-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Baker Hughes a GE-Analyse vom 2. April liefert die Antwort:

Die neusten Baker Hughes a GE-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Baker Hughes a GE-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 2. April erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Baker Hughes a GE: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Baker Hughes a GE Aktie

60,34 USD

– 0,71 USD -1,16 %
KGV 23,21
Sektor Energie
Div.-Rendite 1,51 %
Marktkapitalisierung 59,84 Mrd. USD
ISIN: US05722G1004 WKN: A2DUAY

Community Forum zu Baker Hughes a GE

Ähnliche Artikel

Chip-Ausverkauf trifft Nasdaq — Baker Hughes und Costco trotzen der Angst

Nasdaq ·

Aventis Energy Aktie: Zwei Projekte, ein Moment

Rohstoffe ·

Beyond Meat Aktie: Buchhaltungsfehler belasten

Nasdaq ·

Tesla Aktie: Glatteis!

KI & Quantencomputing ·

Novo Nordisk Aktie: Pill-Duell entschieden?

Gesundheit ·