Aktiv versus Passiv - Konkurrenz belebt das Geschäft und der Kunde profitiert


27.06.18 11:59
Meldung
 
Pullach (www.fondscheck.de) - Das Wichtigste vorab: Die Deutschen mögen in der Regel keine Aktien und besitzen daher im Durchschnitt viel zu wenige Unternehmensbeteiligungen, so Florian Bohnet, Leiter Research & Portfoliomanagement bei der DJE Kapital AG.


Für den erfolgreichen Vermögensaufbau und die Alterssicherung seien diese aber unersetzlich. Möchten Vermögensverwalter die dringend nötige Förderung der Aktienkultur in Deutschland erreichen, dann sollten sie Privatanleger nicht wie so oft mit einer zu einseitigen Darstellung des Themas "Aktiv vs. Passiv" verunsichern.

Im Grunde sei es der wachsende Marktanteil an günstigen, passiven Indexprodukten, der den etablierten Asset Managern zunehmend Sorge mache. Die Medien würden dieses Thema dankbar aufgreifen und hätten dafür die Schlagzeile "Aktiv vs. Passiv" kreiert. Das klinge wie die Ankündigung eines Boxkampfes, der nach einem eindeutigen Sieger verlange. Mit großer Wahrscheinlichkeit werde das Ergebnis aber wesentlich unspektakulärer verlaufen und nicht schwarz oder weiß sein. Denn beide Strategien fänden in den Kundenportfolios ihren Platz, da es für beide gute Argumente gebe. Eine zugespitzte Debatte, bei der Indexprodukte als unflexibel und aktive Produkte als altmodisch und zu teuer gescholten würden, helfe nicht weiter, schon gar nicht den Anlegern. Eine derart polarisierende Darstellung sei allerdings nicht untypisch, wenn neue Technologien etablierte Märkte bedrohen würden.

Passive Produkte würden nur in steigenden Märkten punkten. Passive Produkte seien in den 1970ern entstanden und vor allem ab Ende der 1990er Jahre kräftig gewachsen. In den vergangenen neun Jahren habe es einen kontinuierlichen Aufwärtstrend gegeben. Ein Indexfonds, der per Definition immer zu 100 Prozent investiert sei, habe in Aufwärtsphasen mit niedriger Volatilität und großem Gleichlauf der Einzelwerte ein ideales Umfeld. Schwierig werde es für den Indexfonds, wenn der Markt falle, die Volatilität steige und sich die Einzeltitel sehr unterschiedlich entwickeln würden.

In diesen Zeiten könne ein aktiver Asset Manager seine Vorteile ausspielen. Erinnert sei an dieser Stelle an Börsenphasen wie 1987, 2000 oder 2008. Aufgrund der inzwischen erhöhten Bewertungsniveaus der Indices und des nachlassenden Rückenwinds sei es wahrscheinlich, dass die Renditen an den Börsen in den nächsten Jahren geringer ausfallen würden. Gründe dafür seien unter anderem Babyboomer, die das Rentenalter erreichen würden, das Ende der 30-Jahre-währenden Phase fallender Zinsen und die eher gebremste als intensivere Globalisierung. Gleichzeitig dürfte die Volatilität zunehmen, wenn die Markttrends nicht eindeutig seien. In solch einem Umfeld seien Anleger mit einem flexiblen, professionellen und aktiven Ansatz besser aufgehoben.

Zugegeben, die Branche sei selbst schuld, wenn misstrauische Kunden versuchen würden, ihr Geld mittels Indexinvestments kostengünstig zu streuen. Schließlich seien die Gebühren das Einzige, was am Anfang des Investments sicher bekannt sei. Die Qualität des Vermögensverwalters zeige sich dagegen erst über die Folgejahre. Doch was hätten viele Fondsanbieter in den vergangenen Jahrzehnten gemacht? Sie hätten sich aktiv genannt, hohe Gebühren verlangt und genau die gleichen Werte wie ihre jeweilige Index-Benchmark, teils etwas über- teils etwas untergewichtet, in ihre Portfolios gekauft.

Wer für diese Arbeit hohe Gebühren verlangt habe, habe sich nicht wundern müssen, wenn die Kunden bei nächster Gelegenheit eine günstigere Alternative ergriffen hätten. Dass es sich dabei nicht um tatsächlich aktives Management handle, lasse sich mit Kennzahlen wie "active share" messen. Diese pseudoaktive Herangehensweise sei unter anderem ursächlich dafür, dass es laut Statistik viele Fondsmanager nicht schaffen würden, nach Abzug der Gebühren ihren Vergleichsindex zu schlagen. Wirklich aktive Asset Manager wie DJE könnten sich im Grunde freuen. Denn mit der Verbreitung der passiven Indexfonds konsolidiere der aktive Markt allmählich. Marktteilnehmer, die ohnehin nur an der Benchmark geklebt hätten, würden ihre Existenzberechtigung verlieren. Unterschiede zwischen tatsächlich aktiv und passiv würden sichtbarer. Konkurrenz belebe eben das Geschäft!

Betrachte man den Markt für ETFs mit etwas Abstand, würden zwei Dinge auffallen: Erstens gebe es reichlich viele ETFs, weltweit etwa 5.000. Ein ETF sollte ein möglichst getreues Abbild des Markts sein. Das zumindest sei die eigentliche Produktidee gewesen. Doch inzwischen werde für jede Nische und jeden Bedarf - ob sinnvoll oder nicht - ein eigenes Produkt bzw. ein eigener Index geschaffen. Zweitens sei der Ursprungsgedanke sicherlich auch nicht das aktive Timing von Börsentrends, sondern eine langfristige Partizipation an der Marktentwicklung gewesen.

Bekanntlich sei Timing eine der schwierigsten Disziplinen an der Börse. In dem Wissen, dass sich kein Portfoliomanager aktiv um die Steuerung eines passiven Portfolios kümmere, agiere der mehr oder weniger erfahrene Privatanleger selbst. Üblicherweise würden dabei die meisten Fehler passieren, wenn nahe am Hoch gekauft und nahe am Tief verkauft werde. Im Unterschied dazu investiere der Fondsmanager in der Regel deshalb in ein Portfolio ausgesuchter, gut analysierter Unternehmen, weil er das Geschäftsmodell verstanden habe und die Bewertung stimme. Hier würden Experten auf Basis ihrer Erfahrung und ihrer erprobten Analysemethoden und -instrumente handeln. Sie nähmen den Anlegern die Entscheidung ab, warum, wann und wie lange in verschiedene Titel investiert werde. Das sei der Kern des aktiven Managements.

Ein ETF dagegen enthalte einen "ganzen Markt", z.B. den deutschen, oder US-amerikanischen Aktienmarkt, Schwellenländeraktien oder vielleicht Rohstoffe. In jedem Fall aber immer alle Werte abhängig von dem abgebildeten Index. Anleger müssten bei ETFs selbst wissen, wann sie investieren würden. Beim Timing sei der Anleger hier stark abhängig von seinen individuellen Fähigkeiten, aber auch vom Herdentrieb und von Modetrends. Die Loyalität zum eingegangenen Investment dürfte oft erheblich geringer sein. Es verwundere daher nicht, dass Untersuchungen von US-Privatanlegerportfolios der vergangenen 30 Jahre ergeben hätten, dass die Rendite des durchschnittlichen Depots vorwiegend wegen des falschen Timings mit 3,8 Prozent p.a. weit unter dem Marktdurchschnitt gelegen habe.

Der Mehrwert eines guten, aktiven Vermögensverwalters komme meist dann zum Tragen, wenn ein Anleger ihm dank guter, langfristiger Performance und diszipliniertem, transparentem Investmentprozess vertrauen könne. So werde der Anleger davor geschützt, in schwierigen Phasen nervös das Handtuch zu werfen. Ein erfahrener Vermögensverwalter mit dem entsprechenden technischen Rüstzeug werde die Aktienquote vielleicht nicht am Hoch, aber doch rechtzeitig reduzieren und bei günstigen Bewertungen attraktive Aktien kaufen bzw. nachkaufen. Ein Indexfonds dagegen sei nach oben wie nach unten immer voll dabei. Theoretisch könnten Anleger auch individuell am Indexhoch verkaufen und später wieder kaufen. Das sei aber leichter gesagt als getan und dürfte eher die Ausnahme sein.

Mit zunehmender Marktbereinigung um pseudoaktive Fondsanbieter und wachsendem Konkurrenzdruck durch ETFs steige das Niveau der Branche. Das sei eine gute Nachricht für den Anleger. Für den Vermögensaufbau sei es langfristig besser, einen Indexfonds zu kaufen als gar keinen Zugang zum Kapitalmarkt zu haben. Mit einem erfahrenen aktiven Vermögensverwalter an der Seite seien aber vor allem unruhige Zeiten leichter durchzustehen. (27.06.2018/fc/a/e)


 

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