CureVac verschwindet von der Börse. Nach 25 Jahren als eigenständiges mRNA-Unternehmen läuft in den kommenden Tagen der Countdown für das Delisting an der Nasdaq – der Abschluss der Übernahme durch BioNTech ist damit nur noch Formsache. Für Aktionäre bedeutet das: Aus der spekulativen Biotech-Wette wird eine klar definierte Beteiligung an BioNTech.
Fester Zeitplan für das Delisting
Die Nasdaq hat den endgültigen Fahrplan für das Aus der CureVac-Notierung festgelegt. Laut einer Corporate-Action-Mitteilung vom 27. Dezember 2025 gelten folgende Termine:
- 5. Januar 2026: Letzter Handelstag, Handelsschluss gegen 19:50 Uhr Eastern Time
- 6. Januar 2026: Formelles Closing der Fusion mit BioNTech
- 7. Januar 2026: Dauerhafte Aussetzung des Handels
Die Übernahme erfolgt vollständig in Aktien. Das freiwillige Übernahmeangebot war bereits am 18. Dezember 2025 ausgelaufen und sicherte BioNTech rund 86,75 % der ausstehenden CureVac-Aktien. Insgesamt wurden 195,3 Millionen CureVac-Papiere zu einem festen Umtauschverhältnis von 0,05363 BioNTech-ADS je CureVac-Aktie in BioNTech-American-Depositary-Shares getauscht.
Bewertungsrahmen und Übernahmeprämie
Die Transaktion bewertet CureVac mit rund 1,25 Milliarden US-Dollar. Grundlage ist der volumengewichtete Durchschnittskurs der BioNTech-Aktie von 101,88 US-Dollar in den zehn Handelstagen bis zum 25. November 2025. Daraus ergibt sich ein rechnerischer Wert von etwa 5,46 US-Dollar je CureVac-Aktie.
Gegenüber dem durchschnittlichen CureVac-Kurs der drei Monate vor der Ankündigung im Juni 2025 (3,53 US-Dollar) entspricht dies einer Prämie von 55 %. Die andienenden Aktionäre erhielten in Summe rund 10,5 Millionen BioNTech-ADS.
Im Markt hat sich der Kurs zuletzt an diesen rechnerischen Übernahmewert angenähert: Zuletzt notierte die Aktie bei 4,52 US-Dollar und liegt damit deutlich über dem Jahrestief, aber noch unter dem rechnerischen Tauschwert.
Squeeze-out: Was mit den Restaktionären passiert
BioNTech will im Januar 2026 die verbliebenen 13,25 % der Anteile per Squeeze-out übernehmen. Für Aktionäre, die ihre Stücke bislang nicht angedient haben, gilt dabei dasselbe Umtauschverhältnis wie im ursprünglichen Angebot.
Ein wichtiger Unterschied liegt allerdings in der steuerlichen Behandlung:
– Für nicht andienende Aktionäre wird auf Dividenden ein niederländischer Quellensteuerabzug von 15 % fällig.
– Für frühere Andiener im Rahmen des Übernahmeangebots gilt diese steuerliche Belastung nicht.
Damit werden Nachzügler zwar wirtschaftlich gleichgestellt, müssen aber mögliche Steuerabzüge einkalkulieren.
Managementwechsel und Integration
Mit dem Closing des Übernahmeangebots am 18. Dezember ist auch ein personeller Schnitt erfolgt. Der gesamte frühere Vorstand von CureVac hat seine Ämter niedergelegt. Die neue Geschäftsführung setzt sich nun aus BioNTech-Spitzenpersonal zusammen:
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- Prof. Ugur Sahin, CEO und Mitgründer von BioNTech
- Dr. Sierk Poetting, Chief Operating Officer von BioNTech
- Ramón Zapata-Gomez, Managing Director
Auch operativ ist die Integration in vollem Gange: Die frühere CureVac-Webseite leitet inzwischen direkt auf die Online-Präsenz von BioNTech weiter – ein sichtbares Signal, dass CureVac organisatorisch im Konzern aufgeht.
Welche Assets an BioNTech gehen
Mit der Transaktion sichert sich BioNTech zentrale mRNA-Technologien und Projekte von CureVac. Dazu zählen unter anderem:
- Die RNA Printer®-Plattform für automatisierte mRNA-Produktion
- Der FRAMEpro-Algorithmus zur Antigen-Identifizierung
- CVGBM, ein Glioblastom-Kandidat in Phase 1
- CVHNLC, ein Kandidat gegen squamöses nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom mit EMA-Studienfreigabe
- Der Produktionsstandort Tübingen zur Einbindung in das globale Fertigungsnetzwerk von BioNTech
Zusätzlich wird ein zentraler Konflikt beigelegt: Der langjährige Patentstreit um mRNA-basierte COVID-19-Impfstoffe ist durch die Transaktion faktisch beendet. Bereits im August 2025 einigten sich CureVac, BioNTech und Pfizer auf einen Vergleich über 370 Millionen US-Dollar, der die US-Verfahren abschloss.
Finanzlage vor dem Zusammenschluss
CureVac hat kurz vor dem endgültigen Übergang zu BioNTech noch ein letztes Quartal als eigenständiges Unternehmen vorgelegt. Im Q3 2025 (veröffentlicht am 24. November 2025) meldete das Unternehmen:
- Liquide Mittel: 416,1 Millionen Euro
- Umsatz Q3 2025: 54,1 Millionen Euro
- Operatives Ergebnis Q3 2025: 310,2 Millionen Euro
- Ergebnis je Aktie Q3 2025: 1,21 Euro
Das außergewöhnlich hohe operative Ergebnis beruhte vor allem auf Einmaleffekten: den Zahlungen aus dem 370-Millionen-Dollar-Vergleich in den USA sowie zusätzlichen 50 Millionen US-Dollar aus einer überarbeiteten Lizenzvereinbarung mit GSK. Strukturelle Ertragskraft lässt sich daraus daher nur eingeschränkt ableiten.
Kursentwicklung vor dem Delisting
An der Börse haben sich die CureVac-Papiere in den letzten Monaten deutlich erholt. Auf Zwölfmonatssicht liegt die Rendite bei über 30 %, der Kurs hat sich seit dem 52-Wochen-Tief im April fast verdoppelt. Gleichzeitig bleibt er etwas unter dem rechnerischen Tauschwert zurück, was die Restunsicherheit bis zum finalen Vollzug widerspiegelt.
Mit dem sinkenden Streubesitz unter 15 % wurde die Aktie bereits am 24. Dezember 2025 aus Indizes wie dem Solactive Global Vaccines and Infectious Diseases Index entfernt. Damit entfällt für viele institutionelle Investoren der Indexbezug – ein weiterer Schritt hin zum endgültigen Abschied vom öffentlichen Handel.
Fazit und Ausblick
Am 5. Januar 2026 schließt CureVac das Kapitel als eigenständig börsennotiertes Unternehmen ab, am 6. Januar folgt planmäßig das juristische Closing mit BioNTech. Für die verbliebenen Aktionäre wird der Deal in den kommenden Wochen technisch über den Squeeze-out abgewickelt; sie erhalten denselben Aktientausch wie frühere Andiener, müssen aber eine mögliche niederländische Quellensteuer berücksichtigen.
Für BioNTech steht im Anschluss die inhaltliche Arbeit an: Der Konzern hat angekündigt, strategische, operative und wissenschaftliche Analysen durchzuführen, um die künftige Struktur und das Portfolio der kombinierten mRNA-Plattformen festzulegen. Die eigentliche Börsenstory von CureVac endet damit zwar, die Technologien und Projekte des Unternehmens laufen jedoch in einem deutlich größeren Rahmen weiter.
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