Der Wiesbadener Windpark-Projektierer ABO Energy steht vor der wohl kritischsten Entscheidung seiner Firmengeschichte. Vom 10. bis 12. Februar stimmen die Anleihegläubiger über zentrale Punkte zur Sanierung ab – nachdem das Unternehmen innerhalb weniger Monate zweimal seine Gewinnprognose kassierte und nun einen historischen Verlust von 170 Millionen Euro erwartet. Die operative Pipeline bleibt zwar gefüllt, doch ohne Zustimmung der Gläubiger droht dem Projektierer das Aus.
Die Eckdaten der Krise:
- Erwarteter Jahresfehlbetrag 2025: rund 170 Millionen Euro
- Gesamtleistung: nur etwa 230 Millionen Euro
- Zweite Gewinnwarnung binnen drei Monaten
- Projektverschiebungen: 40 Millionen Euro
- Wertberichtigungen: 35 Millionen Euro
Von 95 auf 170 Millionen Euro Verlust
Noch im November 2025 hatte ABO Energy einen Fehlbetrag von 95 Millionen Euro angekündigt. Die erneute Korrektur im Januar verschärfte die Prognose drastisch. Verantwortlich sind vor allem verschobene Rechteverkäufe von Wind- und Batterieprojekten in Deutschland sowie verzögerte Abrechnungen von Entwicklungs- und Bauleistungen.
Hinzu kommen massive Wertberichtigungen auf das Projektportfolio. Als externe Ursachen nennt das Unternehmen überzeichnete Wind-an-Land-Auktionen mit deutlich reduzierten Einspeisevergütungen sowie schwierige Marktbedingungen in Finnland, Griechenland und Ungarn.
Stillhaltevereinbarung als Brücke
Ende Januar schloss ABO Energy eine Stillhaltevereinbarung mit den Gläubigern wesentlicher Finanzierungen ab – darunter Konsortialkredite, bilaterale Darlehen und Schuldscheindarlehen. Das Unternehmen engagierte Hübner Management als Chief Restructuring Officer. Ein Sanierungsgutachten soll in der ersten Februarhälfte als Entwurf vorliegen.
Die Anleihegläubiger müssen nun über den Verzicht auf die Negativerklärung in den Anleihebedingungen abstimmen. Nur so kann ABO Energy Sicherheiten für dringend benötigte Zwischenfinanzierungen stellen. Am 5. Februar fand eine digitale Informationsveranstaltung für Gläubiger statt.
Pipeline intakt, Liquidität knapp
Trotz der finanziellen Schieflage zeigt sich das operative Geschäft stabil. Ende Januar verkaufte ABO Energy drei französische Solarprojekte mit insgesamt 85 MWp Kapazität. Zudem unterzeichnete das Unternehmen ein Memorandum of Understanding mit dem polnischen Energiekonzern Orlen für Wasserstoffprojekte.
Die Projektpipeline umfasst weiterhin rund 30 Gigawatt, mehr als ein Drittel davon in den Kernmärkten Deutschland und Frankreich. Die Geschäftsführung hat ein Effizienz- und Transformationsprogramm gestartet mit dem Ziel, bereits 2026 wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Teil der Strategie ist die Transformation zum Betreibermodell (Independent Power Producer).
Die Abstimmung in dieser Woche wird zeigen, ob ABO Energy die nötige Zeit für die Sanierung erhält. Der Jahresabschluss 2025 ist für den 22. Juni terminiert, die Hauptversammlung für den 13. August 2026.
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