Franklin Diversified Fonds: Next Generation EU - mit Schwung aus der Krise?


06.07.20 12:00
Meldung
 
Frankfurt (www.fondscheck.de) - Matthias Hoppe, Portfolio Manager der Franklin Diversified Fonds - Franklin Diversified Conservative Fund (ISIN LU1147470253 / WKN A12G2P ), Franklin Diversified Balanced Fund (ISIN LU1147469677 / WKN A12G2Q ), Franklin Diversified Dynamic Fund (ISIN LU1147471145 / WKN A12G2Y ) - von Franklin Templeton, stellt das von Deutschland und Frankreich angestoßene Konjunkturprogramm "Next Generation EU" vor.


Am 27. Mai habe die Europäische Kommission ihren Vorschlag für einen Wiederaufbaufonds vorgestellt. Er solle die wirtschaftliche Erholung in Europa nach der schweren Rezession durch COVID-19 unterstützen. Die Initiative sei im Mai von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron angestoßen worden.

Durch dieses Konjunkturprogramm mit dem vielsagenden Namen "Next Generation EU" werde der Haushalt der Europäischen Union (EU) um zusätzliche 750 Mrd. Euro aufgestockt - das entspreche etwas mehr als 5% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der 27 EU-Mitglieder. Dabei handle es sich um ein befristetes Programm. Das Geld wolle sich die EU bis 2024 an den Kapitalmärkten leihen. Zurückbezahlt werden sollten die Schulden zwischen 2027 und 2058 aus den zukünftigen EU-Haushalten.

Alle 27 EU-Mitglieder müssten dem Plan aber zustimmen. Österreich, Dänemark, Schweden und die Niederlande (auch die "sparsamen Vier" genannt) hätten bereits Widerstand angekündigt. Somit bleibe es also spannend, ob und wann das mit Pauken und Trompeten angekündigte Programm loslegen könne - oder ob doch nur ein fauler Kompromiss dabei herauskomme. Erste Gespräche am 19. Juni hätten erwartungsgemäß zu keiner Einigung geführt.

Die Finanzmärkte jedenfalls scheinen die Initiative zu begrüßen, so die Experten von Franklin Templeton. Einen Tag nach der Ankündigung von Merkel und Macron hätten Aktien aus der Eurozone losgelegt: Der MSCI EMU Index (für die Aktien aus der Eurozone) habe vom 19. Mai bis zum 19. Juni um 11,5% zugelegt. Zum Vergleich: Der US-Index S&P 500 habe um rund 6% zugelegt - dabei habe er in dieser Krise viele andere Aktienmärkte hinter sich gelassen (ganz so, als gäbe es keine Corona-Krise). Auch der Euro habe gegenüber dem US-Dollar fester notiert und sei im selben Zeitraum um mehr als 4% gestiegen. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen sei leicht gestiegen, die von italienischen Staatsanleihen hingegen gefallen. Die Renditedifferenz - und somit der Risikoaufschlag für Italien - habe sich damit eingeengt und wieder auf dem Niveau von Anfang März gelegen.

Das Narrativ einer schnellen und entschlossenen Reaktion der EU, die endlich die Kehrtwende für Europa bringe, scheine bei vielen Investoren anzukommen. Der eine oder andere rede bereits von einem zweiten "Draghi-Moment". Der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) habe in einer vielbeachteten, freien Rede im Juli 2012 gesagt, die Notenbank sei bereit, alles Notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten. "Und glauben Sie mir, es wird genug sein", habe er noch nachgelegt. Daraufhin hätten sich die durch die Eurokrise verunsicherten Finanzmärkte schnell beruhigt. Und was mit den Renditen von Staatsanleihen aus der Eurozone seither geschehen sei, sei allgemein bekannt.

Ob "Next Generation EU" einen genauso nachhaltigen Effekt auf das Wachstum haben werde wie Draghis Rede und die darauf folgenden Taten der EZB auf die Zinsen in der Eurozone, dürfe dabei bezweifelt werden. Die Geschichte europäischer Konjunkturpläne sollte uns vor übermäßigem Optimismus warnen, so die Experten von Franklin Templeton. An Konjunkturpaketen habe es seit der Gründung der EU nicht gemangelt - im Gegenteil.

Ein Beispiel: Im Juli 2009, kurz nach der Finanzkrise, habe die EU einen ehrgeizigen Konjunkturplan für Wachstum und Beschäftigung gestartet. Dieser habe 1,5% des BIP der EU betragen und das Ziel gehabt, Millionen von Arbeitsplätzen, unter anderem in den Bereichen Infrastruktur und strategische Sektoren, zu schaffen. Europa würde dank des Impulses gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Noch ein Beispiel: Der "Investitionsplan für Europa", auch als "Juncker-Plan" bekannt (Sie erinnern sich?), wurde im Juni 2015 genehmigt, so die Experten von Franklin Templeton. Ziel des Plans sei es gewesen, den Mangel an Investitionen in der EU zu überwinden und den EU-Haushalt als Garantie für Projekte zu verwenden, die riskanter und innovativer wären als die üblichen Investitionsprojekte der Europäischen Investitionsbank. Diese Projekte sollten in den nächsten drei Jahren zusätzliche Investitionen in Höhe von insgesamt 315 Mrd. Euro generieren. Es sei relativ schnell still um die Erfolge geworden.

Im vergangenen Jahr habe der Europäische Rechnungshof zum Teil die Umsetzung moniert und etwas Aufmerksamkeit bei den Medien erzeugt. Unter Ökonomen herrsche nahezu Einigkeit darüber, dass sich das ambitionierte Programm auf das Wachstum kaum ausgewirkt habe.

Mit Ausnahme einer kurzen Phase der Euphorie im Jahr 2017 sei der Abwärtstrend in der Eurozone konstant gewesen. Im März 2008 habe die Arbeitslosenquote in der Eurozone 7,23% betragen. Im Juli 2013, vier Jahre nach dem ersten Konjunkturprogramm, habe sie mit 12,1% ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Von Ende 2009 bis Ende 2019 sei das reale BIP der Eurozone im Schnitt jährlich um 0,8% gewachsen. Seit 1992 krebse das reale Wachstum in der Eurozone um die 1,5% herum. Das Wachstum habe also enttäuscht - auch wenn die Arbeitslosenquote von 2013 bis Ende 2019 deutlich gesunken sei. In Spanien habe die Arbeitslosenquote im Dezember 2019 allerdings immer noch rund 13% betragen, in Italien fast 9%. Und im vierten Quartal des vergangenen Jahres hätten sich Frankreich und Italien in der Stagnation befunden. Deutschland habe am Rande einer Rezession gestanden.

Jetzt also "Next Generation EU". Die wichtigste Säule des Wiederaufbaufonds sei eine 560 Mrd. Euro schwere "Aufbau- und Resilienzfazilität" (RRF), die Investitionen und Reformen im Dienste der Erholung der Wirtschaft und ihrer Resilienz fördern solle.

Interessant sei, dass die Wirtschaftskraft der EU-Staaten im Jahr 2019 und deren Arbeitslosenrate zwischen 2015 und 2019 ausschlaggebend für die Höhe der Wiederaufbauhilfen sein sollten - also Wirtschaftsdaten, die vor der Corona-Krise lägen.

Wie passe das mit dem Schaden, der durch die COVID-19-Krise verursacht worden sei, zusammen? Angesichts der Tatsache, dass die Mittel über elf verschiedene Programme ausgegeben würden, sei es schwierig, im Voraus genau zu bestimmen, wie viel Geld einzelne Länder erhalten würden. Wie die Zahlen der Kommission aber vermuten lassen würden, würden dennoch Italien und Spanien (zwei vom Coronavirus besonders stark betroffene Länder) für den größten Anteil des Programms infrage kommen. Die anderen beiden Säulen sähen ebenfalls mehrere Initiativen und Maßnahmen vor, unter anderem für die Landwirtschaft, für die Jugend, für die Armen, für den technischen Fortschritt und die Digitalisierung, usw.

Zudem müsse das neue Konjunkturprogramm auch irgendwie bezahlt werden. Bisher habe der EU-Haushalt nicht über 1% des EU-BIP hinausgehen dürfen. Der Plan solle aber die Obergrenze vorübergehend auf 2% anheben. Für die Rückzahlung der Schulden solle die Europäische Kommission die temporäre Erlaubnis erhalten, die Einnahmequellen für ihr Budget auszuweiten.

Eine Kostprobe: Es sollten 10 Mrd. Euro aus dem Ausbau des Handelssystems für CO2-Emissionen fließen. Weitere 5 bis 14 Mrd. Euro sollten aus einem neuen Mechanismus zur Anpassung der Kohlenstoffgrenzen in der EU kommen. Nochmals 10 Mrd. Euro würden aus einer neuen EU-Körperschaftsteuer für multinationale Unternehmen fließen, die im gesamten EU-Binnenmarkt tätig seien. Schließlich sollten weitere 1,3 Mrd. Euro bei neuen Einnahmen aus einer digitalen Steuer auf große in Europa tätige Unternehmen anfallen. Mit der Rückzahlung der neuen Schulden sollten diese Abgaben beendet werden.

Der Teufel liege somit im Detail - und über diese Details würden sich 27 Mitglieder lange streiten können. Es könne davon ausgegangen werden, sollte eine Einigung gefunden werden, dass die ersten Mittel wohl erst in der zweiten Jahreshälfte 2021 fließen würden. In der Zwischenzeit würden sich Länder wie Deutschland und die "sparsamen Vier" individuelle Konjunkturprogramme leisten, die die Krise zu Hause abmildern, die Diskrepanz zwischen dem Süden und Norden Europas aber weiter ausweiten könnten.

Auch Länder wie Italien und Spanien würden nationale Konjunkturprogramme, aber anders als Deutschland aus einer schwächeren Ausgangsposition herausfahren. Bereits vor der Krise hätten sie höhere Haushaltsdefizite und eine höhere Gesamtverschuldung gehabt. Ihre Schulden würden aber noch weiter steigen, die Defizite sich weiter ausweiten.

Der Finanzierungsbedarf der Länder würde in den kommenden Jahren allerdings nicht sinken, da die Mittel aus dem Fonds nur sehr begrenzt zur Deckung der laufenden Ausgaben gedacht seien. Insofern stelle der neue Fonds eine einmalige Gemeinschaftshaftung dar. Die Altschulden der einzelnen Länder würden unberührt bleiben. Aufgrund der Zuschüsse würden die Länder aber etwas mehr Mittel haben, um die heutigen Ausgaben zu decken, und müssten etwas weniger Neuschulden für ein akutes Konjunkturprogramm aufnehmen.

Bei aller Skepsis, ein wichtiges Signal sende die Initiative allerdings aus: Deutschland und Frankreich, die beiden größten Volkswirtschaften in der EU, hätten dieses Programm angestoßen und damit auch die Emission von gemeinsamen EU-Anleihen befürwortet. Das sei bahnbrechend, da Deutschland eine gemeinsame EU-Verschuldung immer abgelehnt habe. Sei das schon der erste, von vielen Ökonomen geforderte Schritt einer fiskalpolitischen Union, die notwendig sei, um die Währungsunion zu zementieren? So weit sei es noch lange nicht. Aber sollten sich die EU-Staaten einigen, würden die Risikoprämien für europäische Kredite und Staatsanleihen aus Italien, Spanien, Portugal und Griechenland gesenkt. Die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Eurozone wäre - wieder einmal und für den Moment - gebannt. (Ausgabe 102 vom Juli 2020) (06.07.2020/fc/a/f)


 

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