Westerburg (aktiencheck.de AG) - Der Analyst Henning Wagener von OC Research hält einen Call (
ISIN DE000DB6X0Z0 /
WKN DB6X0Z ) der Deutschen Bank auf die Aktien der Deutschen Post (
ISIN DE0005552004 /
WKN 555200 ) für ein hochspekulatives, aber interessantes Investment.
Die Gesellschaft biete ihren Kunden seit vorgestern den so genannten E-Postbrief an.
Mit diesem E-Postbrief könnten Unternehmen, Verwaltungen, aber auch Privatpersonen sicher im Internet miteinander kommunizieren. Dabei sei der E-Postbrief genauso verbindlich, verlässlich und vertraulich wie der Standardbrief. Gleichzeitig sei er aber so schnell wie eine E-Mail. Mit diesem Produkt bringe die Deutsche Post also quasi das Briefgeheimnis ins Internet.
Der E-Postbrief würde, genau wie ein "normaler" Brief, 0,55 Euro kosten. Die Nutzer hätten dabei die Möglichkeit zu wählen, ob der Brief elektronisch an ein anderes E-Postbrief-Konto zugestellt werde oder von der Deutschen Post ausgedruckt und per Briefträger zugestellt werde. Allerdings müssten die Kunden vor dem Versenden eines E-Postbriefes bei epost.de kostenlos ihre persönliche E-Postbrief-Adresse reservieren. Dabei sei eine vorherige Identifizierung per Postident-Verfahren mit Personalausweis oder Reisepass in einer Postfiliale notwendig.
Nach Ansicht der Analysten von OC Research sei die Einführung des E-Postbriefes für die Deutsche Post grundsätzlich positiv zu werten. So passe das Unternehmen auf diese Weise den Brief an die modernen Kommunikationstechniken an und könne die langfristige Bedeutung dieses Mediums sichern. Die Briefsparte der Deutschen Post habe zuletzt vor allem darunter gelitten, dass immer mehr Menschen dazu übergegangen seien, statt eines Briefes lieber einfach eine E-Mail zu schreiben. Dieser Trend könne durch den E-Postbrief möglicherweise zumindest abgemildert werden.
Als positiv werte man es auch, dass die Deutsche Post mit SAP und der Allianz bereits zwei bedeutende Kooperationspartner für den E-Postbrief habe gewinnen können. Insgesamt habe die Deutsche Post bereits mit deutlich mehr als 50 Geschäftskunden Verträge abschließen können. In den kommenden Monaten wolle die Deutsche Post über eine breit angelegte Werbekampagne möglichst viele Kunden für den E-Postbrief gewinnen. Allerdings sei für die Deutsche Post beim E-Postbrief mit einer deutlich stärkeren Konkurrenz zu rechnen. So würden die Deutsche Telekom (
ISIN DE0005557508 /
WKN 555750 ) und
United Internet (
ISIN DE0005089031 /
WKN 508903 ) ähnliche Dienstleistungen auf den Markt bringen wollen. Insgesamt müsse daher abgewartet werden, ob die Deutsche Post den geplanten Preis für den E-Postbrief von 0,55 Euro langfristig werden halten können, zumal beim E-Postbrief die logistischen Aufwendungen der Deutschen Post wesentlich geringer seien und dieser Preisvorteil nach derzeitigem Stand nicht an die Kunden weitergegeben werde.
Beim aktuellen Aktienkurs von 12,985 Euro (9:10 Uhr) erscheine das Unternehmen mit einem KGV 2011e von rund 11 weiterhin relativ moderat bewertet. Zur langfristigen Sicherung der Geschäftsperspektiven im Briefgeschäft sei die Einführung des E-Postbriefes zwar ein wichtiger Schritt, allerdings gehe man davon aus, dass diese kurzfristig keinen wesentlichen Einfluss auf die Geschäftsentwicklung haben werde.
Die Analysten von OC Research halten daher den unten beschriebenen Call der Deutschen Bank auf die Aktien der Deutschen Post für ein hochspekulatives, aber interessantes Investment. Der Schein habe noch eine Laufzeit bis zum 15. März 2011 und notiere bei einem Basispreis von 13 Euro derzeit ganz knapp aus dem Geld. (
Analysevom 16.07.2010) (16.07.2010/oc/a/d)