Der Übernahmepoker um die Commerzbank nimmt eine neue Wendung. Während der Markt weiterhin auf eine vollständige Fusion spekuliert, tritt UniCredit-Chef Andrea Orcel nun deutlich auf die Bremse. Seine klare Botschaft: Die aktuellen Bewertungsrelationen machen einen weiteren Zukauf wirtschaftlich unattraktiv. Dies spielt dem Commerzbank-Management in die Hände, das zeitgleich in New York für die Eigenständigkeit der gelben Bank wirbt.
Die aktuelle Lage im Überblick:
* UniCredit-Position: CEO Orcel bezeichnet Vollübernahme derzeit als „unvernünftig“.
* Marktbewertung: Aktie handelt mit 36,03 Euro rund 13 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch.
* Gegenentwurf: Commerzbank-Chefin Orlopp bestätigt operative Stärke und Aktienrückkäufe.
Bewertungsfrage bremst Italiener
Andrea Orcel hat die Erwartungen an eine schnelle Vollübernahme am Dienstag gedämpft. Der Chef der italienischen Großbank, die bereits knapp 29 Prozent an der Commerzbank hält, sieht in der aktuellen Bewertungslücke das Hauptproblem. Da die Commerzbank an der Börse im Verhältnis teurer bewertet sei als die UniCredit selbst, ist Mailand nicht bereit, einen signifikanten Aufschlag für die restlichen Anteile zu zahlen.
Für Anleger bedeutet dies eine Pattsituation: Die strategische Absicht der Italiener bleibt bestehen, doch die ökonomische Logik spricht momentan gegen einen schnellen Vollzug.
Die Aktie reagierte im Wochenverlauf verhalten auf diese Aussagen. Mit einem Schlusskurs von 36,03 Euro am Mittwoch notiert das Papier seit Jahresanfang leicht im Minus (-1,02 Prozent). Dennoch bleibt das langfristige Bild beeindruckend: Auf 12-Monats-Sicht steht ein Plus von rund 111 Prozent zu Buche – getrieben von der Übernahmefantasie und starken Geschäftszahlen. Dass der Kurs aktuell 13,35 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 41,58 Euro liegt, deutet darauf hin, dass der Markt einen Teil der „Übernahmeprämie“ wieder auspreist.
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Orlopp setzt auf Alleingang
Diese Atempause nutzt Commerzbank-CEO Bettina Orlopp für ihre eigene Agenda. Auf dem German Investment Seminar in New York präsentierte sie Investoren die „Momentum“-Strategie als tragfähige Alternative zur Fusion. Die Botschaft ist eindeutig: Die Bank ist profitabel genug, um allein zu bestehen.
Die operativen Kennzahlen stützen diese These. Nach einem Rekordergebnis in den ersten neun Monaten 2025 und einem angehobenen Zinsüberschuss-Ziel von 8,2 Milliarden Euro, fließt Kapital direkt an die Aktionäre zurück. Der im Dezember abgeschlossene Aktienrückkauf über eine Milliarde Euro war der größte der Firmengeschichte, eine weitere Tranche über bis zu 600 Millionen Euro ist für das laufende Quartal geplant.
Zahlenwerk als Prüfstein
Die Diskussion um Bewertung versus Eigenständigkeit steuert auf ein konkretes Datum zu. Am 11. Februar 2026 wird die Commerzbank ihre vorläufigen Zahlen für das Gesamtjahr 2025 vorlegen. Liefert Orlopp hier ab und bestätigt die optimistischen Prognosen für Zinsüberschuss und Kosteneffizienz, stärkt dies ihre Verhandlungsposition gegenüber Mailand massiv – ganz gleich, wie Andrea Orcel den Preis aktuell einschätzt.
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