Die Erste Group hat 2025 einen Rekordgewinn eingefahren – und mutet ihren Aktionären dennoch einen massiven Einschnitt bei der Ausschüttung zu. Der am Freitag veröffentlichte Jahresbericht offenbart den strategischen Spagat der Bank: Die milliardenschwere Expansion nach Polen wird vollständig aus Eigenmitteln finanziert, was die Dividende massiv schrumpfen lässt.
Operativ lief es für das Finanzinstitut im vergangenen Jahr hervorragend. Der Nettogewinn kletterte auf 3,5 Milliarden Euro, angetrieben von einem robusten Kreditwachstum und gestiegenen Provisionserträgen im Zahlungsverkehr. Anstatt die Anteilseigner an diesem Erfolg in gewohnter Höhe zu beteiligen, schlägt der Vorstand für 2025 lediglich 0,75 Euro je Aktie vor. Im Vorjahr flossen noch 3,00 Euro. Die Ausschüttungsquote fällt damit von über 50 Prozent auf magere 10 Prozent. Am Aktienmarkt hinterlässt diese Kapitalallokation klare Spuren: Mit einem Schlusskurs von 90,75 Euro verzeichnete das Papier auf Sicht von 30 Tagen einen Rückgang von gut 16 Prozent.
Die Milliarden-Übernahme in Polen
Der Grund für die einbehaltenen Gewinne ist die größte Übernahme in der Geschichte der Bank. Für sieben Milliarden Euro sicherte sich die Erste Group 49 Prozent an der Santander Bank Polska sowie die Hälfte an Santander TFI. Da der im Januar 2026 abgeschlossene Deal ohne externe Kapitalaufnahme gestemmt wurde, sinkt die harte Kernkapitalquote (CET1) durch die Erstkonsolidierung voraussichtlich um rund 460 Basispunkte.
Das Management nimmt diesen temporären Rückgang der Kapitaldecke bewusst in Kauf, um sich in einem der größten Märkte Zentraleuropas neu zu positionieren. Das Rebranding der knapp 500 neuen Filialen startet im zweiten Quartal und ist auf einen Zeitraum von zwei Jahren angelegt.
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Ambitionierte Ziele trotz Gegenwind
Für das laufende Geschäftsjahr gibt sich die Führungsetage optimistisch und plant eine deutliche Steigerung der Profitabilität, gestützt durch ein prognostiziertes Kreditwachstum von über fünf Prozent in den Kernmärkten. Gleichzeitig kalkulieren die Verantwortlichen mit spürbaren Belastungen durch regulatorische Abgaben in Ungarn und Rumänien sowie hohen Integrationskosten in Polen.
Die konkreten Zielmarken und Termine für 2026 im Überblick:
* Eigenkapitalrendite (ROTE) von rund 19 Prozent angepeilt
* Gewinn je Aktie soll um mehr als 20 Prozent steigen
* Hauptversammlung mit Dividendenbeschluss am 17. April
* Ex-Dividende-Tag am 22. April
Ob die ehrgeizige Wachstumsstrategie die kurzfristigen Einschnitte für Aktionäre rechtfertigt, wird sich bereits in wenigen Wochen in den Büchern niederschlagen. Am 30. April präsentiert die Erste Group ihren Quartalsbericht, der erstmals die vollständige Konsolidierung der polnischen Zukäufe enthält und das tatsächliche Ausmaß der Integrationskosten auf die Bilanz offenlegen wird.
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