Netflix steckt mitten in einem hochpolitischen und juristisch komplexen Milliarden-Deal – und der Kurs hat bereits deutlich nachgegeben. Während Paramount Global mit einer Klage und einem Proxy Fight versucht, die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery (WBD)-Assets zu stoppen, setzt HSBC mit einer neuen Kaufempfehlung einen klar positiven Kontrapunkt. Im Zentrum steht die Frage, ob Netflix am Ende trotz aller Risiken strategisch gestärkt aus dem Konflikt hervorgeht.
Am Montag schloss die Aktie bei 89,49 US-Dollar und erholte sich damit leicht vom Tagestief, bleibt aber deutlich unter den Höchstständen des Sommers 2025. Seitdem hat der Titel rund ein Drittel an Wert eingebüßt. Auslöser der jüngsten Verunsicherung ist ein aggressiver Schritt von Paramount Skydance, angeführt von David Ellison, gegen die im Dezember vereinbarte Transaktion zwischen Netflix und WBD.
Paramount zieht vor Gericht
Paramount Skydance hat am 12. Januar im US-Bundesstaat Delaware Klage gegen den Verwaltungsrat von Warner Bros. Discovery eingereicht. Der Vorwurf: Pflichtverletzung, weil das Gremium das Netflix-Angebot einem konkurrierenden Vorschlag von Paramount vorgezogen habe. Parallel kündigte Paramount einen Proxy Fight an und will bei der Hauptversammlung 2026 eigene Kandidaten für den WBD-Verwaltungsrat nominieren, um die Netflix-Transaktion zu Fall zu bringen.
Kern der Auseinandersetzung sind zwei sehr unterschiedliche Angebotsstrukturen:
- Paramount bietet laut Gerichtsunterlagen 30 US-Dollar je WBD-Aktie in bar, was den gesamten Konzern mit 108,4 Milliarden US-Dollar bewertet.
- Netflix hatte am 5. Dezember 2025 eine Vereinbarung mit einem Unternehmenswert von rund 82,7 Milliarden US-Dollar geschlossen – allerdings nur für das Studio- und Streaming-Geschäft (u. a. HBO und die Warner-Bibliothek).
Zurückbleiben soll bei WBD ein eigenständiges Unternehmen unter dem Arbeitstitel „Global Networks“ mit linearen TV-Sendern wie CNN und TBS. Paramount argumentiert, dieser Rest sei für die Aktionäre faktisch kaum werthaltig und die Netflix-Struktur bewerte die Assets insgesamt zu niedrig.
Warner Bros. Discovery wies die Vorwürfe am späten Montag als „haltlos“ zurück und bekräftigte seine Unterstützung für den Deal mit Netflix. Die Klage erhöht jedoch die Unsicherheit über den Vollzug der Transaktion – und damit den Risikoaufschlag, den der Markt aktuell in den Netflix-Kurs einpreist.
Politischer Gegenwind und Regulierung
Neben der juristischen Front baut sich politischer Druck auf. Berichte aus Januar zufolge hat Präsident Donald Trump auf Truth Social Widerstand gegen die geplante Kombination von Netflix und WBD signalisiert und diese als „woke media monopoly“ bezeichnet.
Eine solche öffentliche Position verschärft das regulatorische Risiko deutlich. Schon ohne politische Einflussnahme dürfte ein Zusammenschluss dieser Größenordnung von Kartellbehörden und Medienregulierern intensiv geprüft werden. Die offene Ablehnung aus dem Weißen Haus erhöht die Hürde für eine reibungslose Genehmigung weiter.
HSBC kontert mit Kaufempfehlung
Trotz dieser Belastungsfaktoren kommt von Analystenseite auch Unterstützung. HSBC hat am 12. Januar die Coverage von Netflix mit einem „Buy“-Rating und einem Kursziel von 107 US-Dollar aufgenommen – rund 20 % über dem aktuellen Kursniveau.
Analyst Mohammed Khallouf sieht in dem Rückgang von etwa 33 % seit den Hochs im Sommer 2025 eine attraktive Einstiegschance. Die Einschätzung stützt sich auf:
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- eine aus Sicht der Bank robuste Ertragslage,
- zusätzliche Monetarisierung über das werbefinanzierte Abo-Modell,
- anhaltendes internationales Wachstum.
Selbst bei möglichen Verzögerungen oder Komplikationen rund um den WBD-Deal sieht HSBC das Kerngeschäft von Netflix als solide aufgestellt. Bewertet wird der Konzern laut Schätzung der Bank mit dem 34‑fachen der erwarteten Gewinne für 2026.
Die Analystengemeinde ist jedoch nicht einheitlich:
- Auf Basis von TipRanks liegt der Konsens bei „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 129,47 US-Dollar.
- Goldman Sachs bleibt bei „Neutral“, senkte das Ziel aber auf 112 US-Dollar.
- CFRA stufte auf „Hold“ ab und nennt 100 US-Dollar als Ziel, vor allem wegen der Integrationsrisiken bei WBD und der erwarteten Verschuldung durch die Transaktion.
Strategische Ausgangslage: Zwei Szenarien
Strategische Beobachter verweisen darauf, dass Netflix in beiden denkbaren Ausgängen der Auseinandersetzung Vorteile haben könnte. Eine Analyse von Yale Insights vom 12. Januar beschreibt die Situation als „Heads-I-win, Tails-you-lose“-Setup für Netflix.
Szenario A – Deal kommt durch:
Netflix übernimmt die „Kronjuwelen“ von Hollywood – darunter Franchises wie Harry Potter, das DC-Universum und die HBO-Marke – und stärkt damit die eigene Content-Basis langfristig erheblich.Szenario B – Paramount setzt sich durch:
Um Netflix zu überbieten, müsste Paramount laut Analyse rund 55 Milliarden US-Dollar an neuer Verschuldung aufnehmen. Die Gesamtverschuldung würde auf etwa 90 Milliarden US-Dollar steigen. Ein derart hoch verschuldeter Wettbewerber hätte voraussichtlich über Jahre hinweg weniger Spielraum für aggressive Content-Investitionen, was indirekt die Marktposition von Netflix verbessern könnte.
Hinzu kommt: Netflix hat im November 2025 einen 10-für-1-Aktiensplit durchgeführt. Kurse unter 90 US-Dollar wirken damit gerade für Privatanleger psychologisch auffällig, da die optische Schwelle nach unten deutlicher wahrgenommen wird.
Ausblick: Quartalszahlen und Kursmarken
Der nächste markante Termin steht bereits fest: Am 20. Januar 2026 legt Netflix die Zahlen für das vierte Quartal vor. Erwartet werden 11,97 Milliarden US-Dollar Umsatz (plus 16,8 % im Jahresvergleich) sowie ein Gewinn je Aktie von 0,55 US-Dollar.
Kurzfristig richten Marktteilnehmer den Blick besonders auf zwei Faktoren:
- Technische Marke: Die Zone um 88 US-Dollar gilt als kritisch. Ein undifferenzierter Bruch nach unten könnte zusätzlichen Verkaufsdruck auslösen, etwa durch den Rückzug von Merger-Arbitrageure aus dem Papier.
- Katalysatoren nach oben: Bessere‑als‑erwartete Abonnentenzahlen oder ein juristischer Erfolg von Netflix, etwa die Abweisung des Paramount-Eilantrags in Delaware, könnten den Kurs in Richtung des von HSBC genannten Ziels von 107 US-Dollar treiben.
Bis Klarheit bei den Q4-Zahlen und den ersten Entscheidungen im Rechtsstreit herrscht, bleibt die Aktie damit in einem von hoher Volatilität geprägten Umfeld.
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