Die 1,8-Prozent-Zäsur, Nvidias neue Ära und die Berliner Dunkelheit

Die deutsche Inflationsrate sinkt überraschend auf 1,8 Prozent, während Nvidia auf der CES seine Strategie hin zu physischer KI und Supercomputern neu ausrichtet.

Kurz zusammengefasst:
  • Deutsche Teuerungsrate fällt deutlich unter EZB-Ziel
  • Nvidia präsentiert neue Supercomputer-Plattform Vera Rubin
  • Bitcoin nähert sich der 100.000-Dollar-Marke
  • Solarausbau in Deutschland stagniert trotz Ziele

Liebe Leserinnen und Leser,

1,8 Prozent. Diese Zahl stand heute wie ein Monolith im Raum, als das Statistische Bundesamt die vorläufigen Inflationsdaten für Deutschland veröffentlichte. Es ist ein Wert, der noch vor zwei Jahren wie eine Fata Morgana gewirkt hätte. Während in Berlin die politischen Nachbeben eines gezielten Angriffs auf die Infrastruktur die Gemüter erhitzen, sendet die Preisfront am heutigen Dreikönigstag ein Signal, das an Deutlichkeit nicht zu überbieten ist: Die Teuerungswelle ist nicht nur gebrochen; sie ebbt schneller ab, als es manchem Währungshüter in Frankfurt lieb sein dürfte.

Doch die Märkte erzählen an diesem Dienstag eine komplexere Geschichte als nur die der sinkenden Preise. Zwischen Las Vegas und Mailand, zwischen Bitcoin-Mining-Farmen und Berliner Stromtrassen zeichnet sich das Bild einer Wirtschaft, die zwar monetär aufatmet, aber strukturell nach neuer Orientierung sucht.

Die Rückkehr der Kaufkraft (und die Sorge der Währungshüter)

Es ist der stärkste Rückgang der Inflation, den wir seit Langem gesehen haben. Dass die deutsche Teuerungsrate im Dezember überraschend auf 1,8 Prozent gefallen ist (nach 2,3 Prozent im November), markiert eine Zäsur. Wir liegen damit offiziell unter dem EZB-Ziel von 2 Prozent. Der Blick nach Frankreich, wo die Rate laut Insee-Schätzung sogar auf 0,7 Prozent kollabierte, verdeutlicht die Dramatik: Der Preisdruck im Euroraum löst sich fast schon zu rasant auf.

Das Paradoxon dabei: Die Konjunkturdaten ziehen nicht im gleichen Maße mit. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Dienstleistungssektor der Eurozone fiel im Dezember stärker als erwartet auf 52,4 Punkte. Zwar wachsen wir noch, aber der Motor stottert hörbar. Für die EZB wird die Luft dünn – die Argumente gegen baldige Zinssenkungen schwinden so schnell wie die Inflation selbst.

Las Vegas: Jensen Huangs Systemwechsel

Währenddessen blickt die Tech-Welt heute nach Las Vegas zur CES 2026. Was wir dort erleben, ist bemerkenswert. Nvidia, der unangefochtene Dominator des KI-Zeitalters, bricht mit einer fünfjährigen Tradition: Keine neuen GPUs für Gamer. Stattdessen präsentierte CEO Jensen Huang eine Vision, die beweist, dass das Unternehmen längst in anderen Sphären operiert.

Mit der Vorstellung der „Vera Rubin“ KI-Supercomputer-Plattform und dem Fokus auf „physische KI“ – also Roboter und autonome Systeme – signalisiert Nvidia einen Strategiewechsel: Wir verkaufen nicht mehr nur die Schaufeln für den Goldrausch, wir bauen jetzt die ganze Mine. Huangs Warnung, dass der KI-Fortschritt nur noch durch Rechenleistung begrenzt sei, ist zugleich Verkaufsargument und eine kaum verhüllte Drohung an die Konkurrenz.

Zwar hält AMD-Chefin Lisa Su mit den neuen Ryzen AI 400 Chips dagegen und prognostiziert fünf Milliarden KI-Nutzer in fünf Jahren. Doch die Analystenreaktionen heute machen klar: AMD bleibt ein starker Produktführer, aber Nvidia definiert gerade das System neu – weg vom einzelnen Chip, hin zur integrierten Infrastruktur.

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Genau zu diesem Thema hat Tech-Experte Bernd Wünsche eine umfassende Analyse durchgeführt, die über Nvidia hinausgeht. In seinem kostenlosen Webinar stellt er eine Halbleiter-Aktie vor, die vom globalen Chip-Wettrüsten zwischen USA und China massiv profitieren könnte – ein Unternehmen, das Milliarden von Geräten weltweit mit seiner Technologie versorgt. Wünsche zeigt konkret, warum staatliche Förderungen von über 280 Milliarden Dollar den gesamten Chip-Sektor beflügeln und wie Anleger davon profitieren können. Sie erfahren, welche Rolle der US CHIPS Act spielt und warum institutionelle Investoren massiv in diesen Sektor einsteigen. Details zur Chip-Sektor-Analyse und Webinar-Zugang

Die 100.000-Dollar-Mauer und das Gold-Fieber

An den Finanzmärkten erleben wir derweil ein Ringen um psychologische Marken. Der Bitcoin nähert sich mit großen Schritten der sechsstelligen Dimension. Heute wurde kurzzeitig die Marke von 94.000 US-Dollar (ca. 80.200 Euro) überschritten. Marktbeobachter sprechen von einem entscheidenden Widerstand, gefüttert durch ETF-Zuflüsse und die Angst der Anleger, den finalen Sprung zu verpassen.

Interessant ist dabei die Rolle der „American Bitcoin Corp“ (ABTC), an der Eric und Donald Trump Jr. beteiligt sind. Mit einem Bitcoin-Yield von über 100 Prozent seit dem Börsengang im letzten Herbst wird hier Finanzspekulation mit politischem Branding vermischt – eine Melange, die man 2026 genau im Auge behalten muss.

Doch der stille Gewinner heißt Gold. Mit Preisen um 3.800 Euro (bzw. knapp 4.460 US-Dollar) notiert das Edelmetall nahe am Rekordhoch. Die Treiber sind klassisch: Die geopolitische Unsicherheit – heute explizit befeuert durch die Nachrichtenlage rund um Venezuela und die anhaltenden Spannungen in Osteuropa – treibt das Kapital in den sicheren Hafen.

Berlin und die Solar-Delle

Ein Blick zurück nach Deutschland zeigt unterdessen, wie verletzlich unsere moderne Infrastruktur ist. Der Brandanschlag auf die Berliner Stromversorgung dominiert die innenpolitische Debatte. Während Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey nun verstärkte Videoüberwachung fordert und Spekulationen über eine russische Beteiligung im Netz kursieren (die die Polizei bisher nicht bestätigt), wird eines offensichtlich: Die physische Sicherheit unserer Energienetze ist das Nadelöhr der Digitalisierung.

Dazu passt eine ernüchternde Nachricht, die heute vom Bundesverband Solarwirtschaft kam: Der Photovoltaik-Ausbau in Deutschland stagniert. 2025 wurden „nur“ 17,5 GW zugebaut. Besonders bitter: Der Eigenheim-Sektor brach um 25 Prozent ein. Die Bürger halten ihr Geld zusammen oder sind verunsichert – trotz sinkender Inflation. Nur die großen Freiflächenanlagen legten zu. Wenn wir das Ausbauziel von 215 GW bis 2030 erreichen wollen, muss hier mehr passieren als nur politische Appelle.

Ein Lichtblick aus dem Einzelhandel

Zum Schluss noch eine gute Nachricht von der Insel, die oft als Frühindikator für den europäischen Konsum dient: Der britische Modehändler Next Plc hat heute zum fünften Mal (!) in diesem Geschäftsjahr seine Gewinnprognose angehoben. Ein Umsatzplus von über 10 Prozent im Weihnachtsgeschäft zeigt, dass der Totgesang auf den stationären Handel verfrüht war. Die Lektion für den Kontinent: Wenn die Inflation fällt und die Löhne stabil bleiben, kehrt die Kauflust zurück.

Was bleibt?

Der 06. Januar 2026 zeigt uns eine Welt im Übergang. Die Inflation scheint besiegt, doch die Wachstumssorgen bleiben virulent. Die Tech-Giganten bauen unsere Realität um, während wir noch lernen müssen, unsere physische Infrastruktur gegen Sabotage zu schützen.

Ich wünsche Ihnen einen erkenntnisreichen Dienstagabend.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann

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