Ein Jahrhundert Lufthansa – und ausgerechnet im Jubiläumsjahr muss der Konzern zeigen, wie robust das Geschäftsmodell wirklich ist. Zwischen Wintersturm in den USA, Warnstreiks und verschobenen Routen setzt das Management gleichzeitig auf profitablere Langstrecken und neue Technologiepartnerschaften. Reicht dieser Mix, um die positive Tendenz der Aktie zu stützen?
Am gestrigen Montag schloss die Lufthansa-Aktie bei 8,77 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten steht damit ein Plus von gut 39 Prozent zu Buche, obwohl der Titel noch rund 14 Prozent unter dem 52‑Wochen-Hoch liegt – ein Hinweis auf Erholung mit Luft nach oben.
100 Jahre Konzern – Fokus auf die nächsten Jahre
Zum 100-jährigen Bestehen am 6. Januar 2026 inszeniert sich die Airline-Gruppe bewusst als moderner, globaler Player. Unter dem Motto „We are the Journey“ bekommen sechs Flugzeuge eine Jubiläumslackierung, darunter ein Airbus A380, ein Airbus A350‑1000 und eine Boeing 787‑9 „Berlin“, die bereits im Liniendienst ist.
Der Konzern beschäftigt rund 100.000 Mitarbeitende aus mehr als 160 Nationen, davon 40.000 allein bei der Kernmarke Lufthansa. Diese Größenordnung ist nicht nur PR-Zahl, sondern Rahmen für jede Effizienzmaßnahme und jeden Tarifkonflikt, der sich direkt in der Kostenstruktur niederschlägt.
Wichtige Eckpunkte rund um Aktie und Konzern aktuell:
- Schlusskurs gestern: 8,77 Euro
- Performance 12 Monate: +39,34 %
- Abstand zum 52‑Wochen-Hoch (10,20 Euro): rund −14 %
- Abstand zum 52‑Wochen-Tief (5,80 Euro): rund +51 %
- Geplantes Langstrecken-Wachstum 2026: +6 % Sitzplatzangebot
- Angestrebte Marge 2028–2030: 8–10 %
Charttechnisch notiert der Kurs leicht über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 8,56 Euro und deutlich über der 200‑Tage-Linie bei 7,69 Euro. Der 14‑Tage-RSI von 45,2 signalisiert dabei weder Überkauf noch Überverkauf.
Wachstum auf der Langstrecke, Druck im Tagesgeschäft
Operativ bekam die Lufthansa den Januar mit voller Wucht zu spüren. Ein schwerer Wintersturm in den USA führte zu zahlreichen Flugstreichungen, vor allem bei Verbindungen nach Texas und an die Ostküste. Solche wetterbedingten Ausfälle belasten kurzfristig Auslastung und Ergebnis, sind aber branchenübliches Risiko.
Wesentlich strategischer ist, was das Management bereits im Dezember 2025 für 2026 skizziert hat. Die Gruppe plant:
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- ein Plus von etwa 6 Prozent beim Sitzplatzangebot auf der Langstrecke
- ein Gesamtkapazitätswachstum im Konzern von rund 3,5 Prozent
- Effizienzsteigerungen im Kurzstreckengeschäft
Mit diesen Zielen will die Lufthansa bis 2028–2030 eine operative Marge von 8 bis 10 Prozent erreichen. Gleichzeitig soll die Kapazität auf etwa 98 Prozent des Vorkrisenniveaus steigen – also nahe an die Zeit vor Corona, aber mit höherem Fokus auf margenstarke Fernstrecken. Das deutet klar darauf hin, dass die Langstrecke als Profit-Treiber dienen soll, während die Kurzstrecke stärker auf Effizienz getrimmt wird.
Technologie-Deals und Sicherheitsvorgaben
Parallel baut der Konzern sein Technologieprofil aus. Drei Entscheidungen im Januar stechen heraus:
- Starlink-Kooperation (13. Januar 2026): Künftig soll Highspeed-Internet über das Satellitennetz von Starlink auf allen Flotten aller Konzern-Airlines verfügbar werden. Für Geschäfts- und Privatreisende erhöht das die Attraktivität im Wettbewerb, vor allem auf langen Flügen.
- Amadeus-Partnerschaft (7. Januar 2026): Die erweiterte Zusammenarbeit im Bereich Buchungssysteme zielt auf bessere Prozesse bei Reservierung, Vertrieb und Abrechnung. Effizientere IT kann mittelfristig Kosten senken und das Kundenerlebnis verbessern.
- Powerbank-Regelung (ab 15. Januar 2026): Powerbanks dürfen an Bord nicht mehr genutzt oder geladen werden. Hintergrund sind Sicherheitsanforderungen, die auf den ersten Blick unbequem für Passagiere wirken, operativ aber ein klarer Risikofokus sind.
Solche Schritte zeigen, dass die Gesellschaft einerseits ihr Produkt modernisiert, andererseits aber regulatorische und sicherheitsrelevante Themen strikt umsetzt.
Tarifkonflikte und geopolitische Risiken
Für den Aktienkurs ebenso wichtig wie Wetter und Technologie sind die Arbeitskosten. Die laufenden Tarifverhandlungen mit ver.di für das Bodenpersonal haben im Januar zu Warnstreiks am Flughafen München geführt, mit deutlichen Flugausfällen als Folge. Eine Einigung liegt bislang nicht vor. Kurzfristig bedeutet das operative Störungen und zusätzlichen Druck auf die Profitabilität, mittelfristig könnte ein Abschluss Klarheit über die Personalkosten der nächsten Jahre bringen.
Hinzu kommt die geopolitische Ebene: Die geplante Wiederaufnahme der Flüge nach Teheran wurde, ursprünglich für den 16. Januar 2026 vorgesehen, wegen der Sicherheitslage im Iran mindestens bis Ende Januar verschoben. Damit verzichtet der Konzern vorerst auf entsprechende Umsätze, setzt jedoch erkennbar auf Risikominimierung.
Wichtige Termine und Einordnung für die Aktie
Die kommenden Monate liefern mehrere Fixpunkte, an denen der Markt die Strategie und die operative Umsetzung neu bewerten wird:
- 6. März 2026: Geschäftsbericht 2025
- 6. Mai 2026: Bericht zum 1. Quartal 2026
- 12. Mai 2026: Hauptversammlung in Frankfurt
Bis dahin bleibt der rote Faden klar: Die Lufthansa versucht, ihr 100. Jahr als Startpunkt für profitables Wachstum auf der Langstrecke zu nutzen, während sie parallel mit Streiks, Wetterereignissen und geopolitischen Risiken umgehen muss. Die aktuelle Kursregion knapp über den gleitenden Durchschnitten spiegelt genau dieses Bild wider – ein Unternehmen im Übergang von der Krisenbewältigung zurück zu strukturellem Wachstum, aber mit spürbaren operativen Stolpersteinen auf dem Weg.
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