Oracle muss Anleger gerade vor allem eines überzeugen: Dass der teure Ausbau der KI- und Cloud-Infrastruktur am Ende mehr einbringt, als er kostet. Denn trotz starker Auftragslage überlagern Finanzierungsfragen und juristischer Gegenwind die positiven Schlagzeilen. Im März wird es deshalb ernst – dann liefert der Konzern neue Zahlen und voraussichtlich auch mehr Klarheit zur Kapitalbeschaffung.
Warum die Aktie unter Druck steht
Der Kern des Problems ist nicht fehlende Nachfrage, sondern der Preis des Wachstums. Oracle plant, 2026 brutto 45 bis 50 Milliarden Dollar einzusammeln, um zusätzliche Rechenzentrums-Kapazitäten für bereits vertraglich gebundene Cloud-Nachfrage aufzubauen. Zu den genannten Kunden zählen unter anderem Nvidia, Meta, OpenAI, AMD, TikTok und xAI.
Die Struktur der Finanzierung wirkt dabei wie ein zweischneidiges Schwert: Etwa die Hälfte soll über aktienbezogene und klassische Eigenkapitalinstrumente kommen (inklusive eines bis zu 20 Milliarden Dollar großen „At-the-market“-Programms sowie verpflichtender Wandelvorzugsaktien), der Rest über unbesicherte Anleihen. Genau diese Mischung nährt Sorgen: Mehr Eigenkapital kann verwässern, mehr Schulden erhöht die Zinslast – und Oracle hat zuletzt bereits steigende Verschuldung zu verkraften.
Hinzu kommt ein Abhängigkeitsrisiko: Das künftige Wachstum ist laut Bericht stärker mit OpenAI verknüpft – einem Partner, der nicht profitabel ist und bislang wenig Details zur Finanzierung der eigenen Infrastrukturpläne geliefert hat.
Analysten-Upgrade – und trotzdem Verkäufe
Oppenheimer stufte die Aktie auf „Outperform“ hoch und setzte ein Kursziel von 185 Dollar. Die Begründung: Nach deutlichen Verlusten sei die Bewertung attraktiver, zudem sieht der Analyst Oracle als starken Gewinn-pro-Aktie-Wachstumstreiber bis 2030.
Am Markt verpuffte das Upgrade jedoch. Der Grund: Es traf auf eine neue Verkaufswelle im Tech-Sektor, ausgelöst durch anhaltende Skepsis gegenüber hohen KI-Investitionen. Auch die jüngsten Kursdaten spiegeln den Gegenwind: Am Freitag schloss die Aktie bei 123,00 Euro (-3,41%), seit 30 Tagen steht ein Minus von knapp 15% zu Buche.
Klagewelle und Cashflow: starke Pipeline, hohe Rechnung
Neben der Finanzierung drückt ein juristischer Überhang. Anleihegläubiger reichten im Januar in Manhattan eine Sammelklage ein. Der Vorwurf: Oracle habe beim Verkauf von 18 Milliarden Dollar Schuldtiteln im September 2025 nicht ausreichend offengelegt, dass deutlich mehr Fremdkapital für den KI-Rechenzentrums-Ausbau nötig sein würde. Nur sieben Wochen später folgten laut Bericht weitere 38 Milliarden Dollar an Krediten – mit steigenden Renditen und fallenden Anleihekursen als Folge. Zusätzlich wurde auf eine Frist in einer Wertpapierbetrug-Sammelklage hingewiesen: Unterlagen müssen bis zum 6. April 2026 eingereicht werden.
Fundamental bleibt das Bild zweigeteilt. Oracle verweist auf eine enorme vertraglich gesicherte Erlöspipeline: Zum Ende des zweiten Quartals lagen die „Remaining Performance Obligations“ bei 523 Milliarden Dollar. Im letzten Quartal übertraf der Gewinn je Aktie mit 2,26 Dollar die Erwartungen, der Umsatz wuchs um 14,2% zum Vorjahr – verfehlte die Schätzung aber leicht. Der Haken: Der freie Cashflow war für die zwölf Monate bis November 2025 mit -13,18 Milliarden Dollar negativ, was den laufenden Investitionszyklus unterstreicht.
Im operativen Tagesgeschäft setzt Oracle parallel sichtbare Akzente, etwa mit der verlängerten Red-Bull-Partnerschaft in der Formel 1 samt „AI-powered strategy agent“ für 2026 und einem 88-Millionen-Dollar-Auftrag der US-Luftwaffe für Cloud-One-Leistungen bis Dezember 2028.
Der nächste harte Prüfstein sind die März-Zahlen: Entscheidend wird, ob Oracle konkret zeigen kann, dass der Investitionsdruck nachlässt oder sich zumindest planbar finanzieren lässt – und wie genau das 2026er-Paket (Eigenkapital vs. Anleihen) zeitlich und inhaltlich ausgestaltet werden soll.
Oracle-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Oracle-Analyse vom 28. Februar liefert die Antwort:
Die neusten Oracle-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Oracle-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 28. Februar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Oracle: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
