Thyssenkrupp jongliert gleichzeitig mit dem möglichen Stahlverkauf, einer operativen Deadline für das Handelsgeschäft und einem Rückschlag beim grünen Stahl – und das alles, während die Aktie rund 31 Prozent unter ihrem Oktoberhoch notiert. Der Konzernumbau ist in vollem Gange, doch das Tempo entscheidet über alles.
Drei Baustellen gleichzeitig
Das Kernstück der Transformation ist der mögliche Verkauf von Steel Europe an den indischen Investor Jindal Steel International. Die Due-Diligence-Prüfung läuft, ein Term Sheet mit Salzgitter zur Zukunft des Gemeinschaftswerks HKM wurde im Februar 2026 unterzeichnet. Die Übertragung der HKM-Anteile an Salzgitter ist für den 1. Juni 2026 geplant. CEO Miguel López betont, die Stahlsparte notfalls auch ohne Jindal eigenständig sanieren zu wollen – angesichts massiver Energiekosten und asiatischer Konkurrenz eine ambitionierte Aussage. Im Mittelpunkt der politischen Forderungen steht ein subventionierter Industriestrompreis von fünf Cent pro Kilowattstunde.
Parallel dazu läuft die Uhr für Materials Services: Die Handelstochter mit 11,4 Milliarden Euro Jahresumsatz und über 15.000 Mitarbeitern muss bis Ende März operative Verbesserungen nachweisen. Erst dann will der Konzern die nächsten Portfolioschritte definieren – ob Abspaltung, Börsengang oder Verkauf. Ein IPO könnte bereits im Herbst 2026 folgen.
Dazu kommt ein Dämpfer beim Thema Dekarbonisierung: Das Ausschreibungsverfahren für grünen Wasserstoff im Duisburger Werk wurde pausiert, weil die eingegangenen Angebote laut Unternehmen „deutlich höher“ als erwartet ausgefallen sind. Der Bau der Direct-Reduction-Iron-Anlage geht dennoch weiter – das Projekt ist so konzipiert, dass es auch mit Erdgas betrieben werden kann und den CO₂-Ausstoß gegenüber klassischen Hochöfen um rund 50 Prozent senken würde.
Hohe Restrukturierungskosten belasten das Ergebnis
Die Quartalszahlen zeigen, wie teuer der Umbau ist: Im ersten Quartal 2025/26 erzielte Thyssenkrupp bei 7,2 Milliarden Euro Umsatz ein bereinigtes EBIT von 211 Millionen Euro. Restrukturierungskosten von 401 Millionen Euro allein bei Steel Europe drückten das Ergebnis auf einen Nettoverlust von 334 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2025/26 stellt der Konzern einen Nettoverlust zwischen 400 und 800 Millionen Euro in Aussicht.
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Einen stabilen Gegenpol liefert Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS). Seit Oktober 2025 eigenständig börsennotiert und seit Dezember im MDAX vertreten, hält Thyssenkrupp noch 51 Prozent. Mit einem Auftragsbestand von 18,7 Milliarden Euro zum Jahresende 2025 – darunter die Bewerbung um bis zu zwölf U-Boote für Kanada und der Status als einziger Bieter für das Bundeswehr-Fregattenrogramm F127 – sorgt TKMS für Planungssicherheit, die dem restlichen Konzern derzeit fehlt.
Neuer Großinvestor im Hintergrund
Erwähnenswert ist auch eine Stimmrechtsmeldung vom 6. März: Investor Sunil Jagwani hat über Equity Swaps und Put-Optionen eine Position von 9,13 Prozent aufgebaut. Unmittelbare Kurseffekte sind von einer Pflichtmitteilung dieser Art nicht zu erwarten, doch sie signalisiert, dass institutionelle Investoren die Entwicklung genau verfolgen.
Der nächste konkrete Prüfstein ist der Halbjahresbericht am 12. Mai 2026. Dann dürfte sich zeigen, wie weit die Verhandlungen mit Jindal Steel gediehen sind, ob Materials Services die operative Deadline Ende März erfüllt hat und ob die HKM-Anteilsübertragung am 1. Juni planmäßig vollzogen werden kann. Drei Termine, die darüber entscheiden, ob die Transformation Fahrt aufnimmt – oder ins Stocken gerät.
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