Strategy steckt in einem spannenden Spagat: Auf der einen Seite belastet ein enormer Buchverlust auf die Bitcoin-Reserven, auf der anderen Seite nimmt kurzfristiger Druck von der Indexfront spürbar ab. Wie sehr hilft die MSCI-Entscheidung wirklich – und wo bleiben die Risiken?
MSCI lässt Digital-Asset-Firmen vorerst drin
Am Dienstag sorgte Indexanbieter MSCI nach Börsenschluss für eine spürbare Erleichterung. In einer Überprüfung ging es um die Einstufung sogenannter „Digital Asset Treasury Companies“ (DATCOs) – also Firmen, bei denen digitale Vermögenswerte mindestens die Hälfte der Bilanzsumme ausmachen.
MSCI entschied, diese Unternehmen vorerst nicht aus den Global Investable Market Indexes zu entfernen. Für Strategy ist das wesentlich: Analysten hatten davor gewarnt, dass ein Ausschluss zu milliardenschweren Zwangsverkäufen durch passive Anleger hätte führen können.
Die Aktie reagierte prompt: Nach deutlichen Verlusten im regulären Handel legte der Kurs im nachbörslichen Handel um rund 6 % zu. Auf Wochensicht steht damit ein Plus von knapp 5 %, auch wenn das Papier über zwölf Monate weiterhin mehr als die Hälfte an Wert verloren hat und damit weit vom 52‑Wochen-Hoch entfernt notiert.
Schwerer Buchverlust durch Bitcoin-Rückgang
Die positive Index-Nachricht kam allerdings auf einen Tag mit kräftigem Gegenwind. Zuvor hatte Strategy vorläufige Zahlen für das vierte Quartal 2025 vorgelegt – und dabei einen nicht realisierten Verlust auf seine digitalen Vermögenswerte von 17,44 Milliarden US‑Dollar gemeldet.
Auslöser ist der markante Rückgang des Bitcoin-Preises um rund 24 bis 25 % im Quartal. Da Strategy seine umfangreichen Bestände zum Marktwert bilanzieren muss, schlägt diese Bewegung voll auf die Gewinn- und Verlustrechnung durch – auch wenn es sich um einen reinen Bewertungs- und keinen realisierten Verkaufsverlust handelt.
Bemerkenswert ist, dass das Management trotz dieses Bewertungsdrucks an seiner aggressiven Akkumulationsstrategie festhält. Zwischen Ende Dezember 2025 und Anfang Januar 2026 kamen weitere 1.287 Bitcoins für rund 116,3 Millionen US‑Dollar hinzu. Insgesamt hält das Unternehmen nun 673.783 Bitcoin zu einem durchschnittlichen Einstandspreis von etwa 50.500 US‑Dollar je Coin.
Zur Finanzierung von Betrieb und Zukäufen nutzte Strategy erneut sein „At‑The‑Market“-Aktienprogramm und nahm rund 312 Millionen US‑Dollar über Aktienverkäufe auf. Die Barmittel stiegen damit bis zum 4. Januar 2026 auf 2,25 Milliarden US‑Dollar.
Kernpunkte im Überblick:
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Strategy?
- Q4/2025: unrealiserter Verlust auf digitale Assets von 17,44 Mrd. US‑Dollar
- Bitcoin-Rückgang im Quartal: ca. 24–25 %
- Gesamtbestand: 673.783 BTC, Ø-Kostenbasis ca. 50.500 US‑Dollar je BTC
- Frische BTC-Käufe: 1.287 BTC für rund 116,3 Mio. US‑Dollar
- Kapitalaufnahme via ATM-Programm: ca. 312 Mio. US‑Dollar
- Liquidität zum 4. Januar 2026: 2,25 Mrd. US‑Dollar
Bewertungsprämie schmilzt zusammen
Die Marktentwicklung zeigt, wie stark Strategy inzwischen als hybrides Konstrukt aus Softwareunternehmen und börsennotierter Bitcoin-Hülle betrachtet wird. Der Titel liegt aktuell rund 59 % unter seinem 52‑Wochen-Hoch, gleichzeitig ist die vormals deutliche Prämie gegenüber dem reinen Wert der Bitcoin-Bestände nahezu verschwunden.
Der Aufschlag der Aktie auf den geschätzten Nettovermögenswert der gehaltenen Bitcoins liegt aktuell nur noch bei rund 1 %. Damit verliert ein wichtiges Element des bisherigen Geschäftsmodells an Schlagkraft: In der Vergangenheit konnte das Unternehmen über Aktienemissionen mit deutlichem Aufschlag auf den inneren Wert Kapital beschaffen und dieses in weitere Bitcoin-Käufe stecken. Diese „Prämien-Finanzierung“ ist bei der aktuellen Bewertung stark eingeschränkt.
Charttechnisch spiegelt sich der Druck ebenfalls wider: Die Aktie liegt deutlich unter ihrem 200‑Tage-Durchschnitt, während der Relative-Stärke-Index (RSI) mit einem Wert von über 80 kurzfristig auf einen überkauften Zustand nach der jüngsten Erholung hindeutet.
Indexrisiko nur vertagt, nicht beseitigt
So wichtig die aktuelle MSCI-Entscheidung für den kurzfristigen Kurs ist: Sie ist ausdrücklich keine endgültige Entwarnung. MSCI hat parallel angekündigt, eine breitere Konsultation zur Klassifizierung „nicht-operativer“ Unternehmen zu starten. Im Kern geht es darum, ob Gesellschaften, deren Wert im Wesentlichen aus Finanzanlagen wie Bitcoin besteht, dauerhaft in klassischen Aktienindizes vertreten sein sollen.
Für Strategy bedeutet das: Das unmittelbare Risiko eines kurzfristigen Rauswurfs ist vom Tisch, das strukturelle Risiko für die Indexzugehörigkeit aber nur in die Zukunft verschoben. Entscheidend wird sein, wie MSCI in den kommenden Monaten die Kriterien nachschärft und ob Firmen mit dominanten Krypto-Beständen künftig anders behandelt werden.
Im weiteren Marktumfeld bleibt die institutionelle Nachfrage nach Krypto-Exposure bemerkenswert robust. Am Tag der starken Kursbewegungen bei Strategy stellte Morgan Stanley bei der US-Börsenaufsicht SEC Anträge für neue Bitcoin- und Solana-ETFs. Gleichzeitig verzeichneten Spot-Bitcoin-ETFs mit Nettomittelzuflüssen von 697 Millionen US‑Dollar den höchsten Tageswert seit Oktober 2025.
Blick nach vorn: Zwei Hebel entscheiden
Kurzfristig richtet sich der Fokus der Anleger nun auf den weiteren MSCI-Prozess. Das ursprünglich für den 15. Januar 2026 angesetzte Implementierungsdatum verliert durch die aktuelle Entscheidung zwar seine Brisanz, dafür rückt die längerfristige Konsultation in den Mittelpunkt. Hier wird sich entscheiden, ob das Geschäftsmodell von Strategy mit seiner massiven Bitcoin-Allokation dauerhaft indexfähig bleibt.
Fundamental hängen die Perspektiven an zwei zentralen Hebeln: Erstens der Entwicklung des Bitcoin-Preises und seiner Stabilisierung oberhalb der zuletzt genannten Niveaus; zweitens der Fähigkeit des Unternehmens, im aktuellen Liquiditätsumfeld ohne die frühere Bewertungsprämie an der Börse flexibel zu bleiben. Die komfortable Cash-Position von 2,25 Milliarden US‑Dollar verschafft Strategy dabei vorerst Luft für Schuldendienst und Dividenden, während der Markt die nächste Weichenstellung bei MSCI und im Kryptosektor abwartet.
Strategy-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Strategy-Analyse vom 7. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Strategy-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Strategy-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 7. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Strategy: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
