RWE setzt Turbinen-Meilenstein, Verbio stürzt ab — fünf Erneuerbare im Check

RWE installiert weltweit erste Offshore-Turbine mit recycelbaren Rotorblättern, während Verbio trotz Rekordproduktion Kursverluste hinnehmen muss. Siemens Energy startet Aktienrückkauf, Vulcan Energy erhält Lizenz und ABO Wind kämpft mit technischem Abwärtstrend.

Eduard Altmann ·

Kurz zusammengefasst

  • RWE installiert erste Offshore-Turbine mit Recycling-Rotorblättern
  • Verbio verzeichnet trotz Rekordproduktion starken Kursabsturz
  • Siemens Energy startet milliardenschweren Aktienrückkauf
  • Vulcan Energy erhält erste Produktionslizenz für Lithium-Projekt

Mitten in der Nordsee steht seit dieser Woche eine Windturbine, die es so noch nie gab: CO₂-reduzierter Stahl im Turm, recycelbare Rotorblätter an der Nabe. RWE hat damit beim Bau des dänischen Offshore-Parks Thor einen Technologie-Erstling installiert — und zugleich ein Signal an ESG-orientierte Institutionelle gesendet. Während der Essener Versorger Aufmerksamkeit auf sich zieht, kämpft Verbio mit einem brutalen Ausverkauf, Siemens Energy kauft im großen Stil eigene Aktien zurück, Vulcan Energy sammelt Lizenzen, und ABO Wind rutscht technisch tiefer. Fünf Aktien, fünf völlig verschiedene Geschichten.

RWE: Weltweit erste Offshore-Turbine mit Recycling-Blättern

Der Thor-Windpark vor Dänemarks Westküste wird zum Vorzeigeprojekt. Die dort installierte Turbine kombiniert erstmals Siemens Gamesas GreenerTower-Technologie — Stahltürme mit mindestens 63 Prozent weniger CO₂-Emissionen — mit vollständig recycelbaren Rotorblättern. Das adressiert ein Problem, das die Branche seit Jahren umtreibt: Wohin mit den Verbundwerkstoffen am Ende der Lebensdauer?

Insgesamt werden 72 Turbinen mit jeweils bis zu 15 Megawatt Leistung bis Ende 2026 errichtet. Die Hälfte erhält die CO₂-reduzierten Türme, 40 Anlagen bekommen zusammen 120 recycelbare Rotorblätter. Thor hat bereits erstmals Strom ins dänische Netz eingespeist. Ab 2027 soll der Park mehr als eine Million Haushalte versorgen.

RWE hält 51 Prozent an Thor, der norwegische Staatsfonds die restlichen 49 Prozent. Parallel baut der Konzern drei weitere Großprojekte: Sofia (1,4 GW) in Großbritannien, Nordseecluster (1,6 GW) vor Deutschland und OranjeWind (795 MW) in den Niederlanden. Die Aktie notiert bei 59,04 Euro und damit nur knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn liegt das Plus bei rund 26 Prozent.

Bei den Analysten genießt RWE breite Zustimmung: 29 Kaufempfehlungen stehen null Halte- und lediglich drei Verkaufsratings gegenüber. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 54,27 Euro — also unterhalb des aktuellen Kurses. Die im März gemeldeten Quartalszahlen übertrafen die Erwartungen mit einem Gewinn je Aktie von 0,84 Dollar gegenüber geschätzten 0,59 Dollar deutlich.

Siemens Energy: Milliarden-Rückkauf trifft auf ambitionierte Bewertung

Die Aktie gehört zu den Überfliegern des Sektors. Innerhalb eines Jahres hat sich der Kurs mehr als verdreifacht, allein in der vergangenen Woche ging es um über zwölf Prozent nach oben. Bei 167,32 Euro liegt der Schlusskurs vom Freitag — nur gut ein Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch.

Der Rückkauf eigener Anteile läuft derweil auf Hochtouren. Zwischen dem 30. März und dem 6. April erwarb das Unternehmen knapp 1,5 Millionen Aktien über Xetra und europäische Handelsplattformen. Seit Programmstart am 4. März sind es bereits über 7,3 Millionen Stücke. Das Gesamtvolumen: bis zu zwei Milliarden Euro bis Ende September 2026.

Die Kehrseite der Rallye zeigt sich in der Bewertung. Ein KGV von 77 spiegelt enormes Vertrauen in künftiges Gewinnwachstum — nicht den aktuellen Ertrag. Hinzu kommen strukturelle Risiken:

  • Die Bankfazilität über neun Milliarden Euro, die die staatliche Garantie ablöste, hält Verschuldung und Zinsrisiko auf erhöhtem Niveau.
  • Siemens Gamesas anhaltende Verluste und die Debatte um eine mögliche Abspaltung bleiben operative Unsicherheitsfaktoren.
  • Die Gewinnschwelle für das Geschäftsjahr 2026 ist angepeilt, aber noch nicht bestätigt.

Der Analystenkonsens lautet „Kaufen“ — 19 von 25 Analysten empfehlen die Aktie. Das durchschnittliche Zwölf-Monats-Kursziel liegt allerdings bei 165,68 Euro und damit leicht unter dem aktuellen Niveau. Die Spanne reicht von 89 bis 220 Euro.

Verbio: Rekordproduktion, dann der Absturz

Die Biokraftstoff-Aktie lieferte diese Woche das dramatischste Bild im Sektor. Am 8. April sackte der Kurs an einem einzigen Handelstag um 16,15 Prozent ab. Eine teilweise Erholung folgte, am Freitag schloss Verbio bei 37,20 Euro — immer noch fast 20 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 46,14 Euro.

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Dabei sind die operativen Signale durchaus ermutigend. Im ersten Halbjahr lieferte das Unternehmen Rekordproduktionsmengen in Europa. Ethanol- und Biomethanausstoß stiegen im Jahresvergleich, angetrieben durch die Hochlaufphase im Werk Nevada und bessere Verfügbarkeit in South Bend. Das Segment Bioethanol/Biomethan erzielte erstmals seit fünf Quartalen ein positives EBITDA. Für das Gesamtjahr stellte das Management ein EBITDA am oberen Ende der bisherigen Prognosespanne in Aussicht.

Die Volatilität illustriert ein Grundproblem von Biokraftstoff-Werten: Commodity-Spreads und regulatorische Rahmenbedingungen bei Treibhausgasquoten können Erträge schnell in beide Richtungen verschieben. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von über 100 Prozent ist Verbio nichts für schwache Nerven. Die Deutsche Bank hält an ihrem Kaufrating fest. Jefferies erhöhte das Kursziel im März auf 25 Euro — ein Niveau, das mittlerweile weit unter dem aktuellen Kurs liegt.

Vulcan Energy: Lizenzen wachsen, der Kurs hinkt hinterher

Vulcan Energy hat eine Produktionslizenz für das Lionheart-Projekt im Oberrheingraben erhalten — die erste ihrer Art in der Region Rheinland-Pfalz. Für ein Unternehmen in der Vorproduktionsphase ist das ein wichtiger regulatorischer Meilenstein, der das Projektrisiko weiter reduziert.

Lionheart ist nach dem Abschluss eines 2,2-Milliarden-Euro-Finanzierungspakets im Dezember voll finanziert und im Bau. Die Anlage soll rund 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid-Monohydrat pro Jahr produzieren und gleichzeitig erneuerbare Energie — Strom und Wärme — für lokale Verbraucher liefern. Am Standort Trappelberg bei Landau haben die Vorarbeiten für den zweiten Bohrplatz begonnen. Die eigentlichen Bohrungen sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 starten.

An der Börse bleibt die Lücke zwischen Potenzial und Bewertung enorm. Die Aktie notiert bei 2,75 US-Dollar — der Analystenkonsens liegt bei umgerechnet 7,85 australischen Dollar und damit rund 140 Prozent über dem aktuellen Kurs. Ein Kaufrating ist Konsens. Die Diskrepanz spiegelt den langen Entwicklungshorizont wider: Die kommerzielle Produktion peilt Vulcan erst für 2028 an. Zusätzliche Lizenzen im Lionheart-Gebiet werden im Laufe der Zeit erwartet. In der vergangenen Woche legte die Aktie um knapp 35 Prozent zu, notiert aber weiterhin deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch.

ABO Wind: Technischer Abwärtstrend bei dünnem Handel

ABO Wind — seit Juli 2024 firmierend als ABO Energy GmbH & Co. KGaA — befindet sich in einer schwierigen charttechnischen Lage. Die Aktie ist aus einem mittelfristigen horizontalen Trendkanal nach unten ausgebrochen. Es fehlt eine erkennbare Unterstützung im Chartbild, mögliche Erholungen stoßen bereits an der ehemaligen Kanalboden-Linie auf Widerstand.

Bei einem Kurs um 6,00 Euro kommt ein strukturelles Problem hinzu: Die Liquidität ist dünn. Die Aktie wird nur an rund 59 Prozent der Handelstage überhaupt umgesetzt, der durchschnittliche Tagesumsatz ist sehr niedrig. Technische Signale verlieren dadurch an Aussagekraft. Das Projektportfolio — 173 Projekte mit 643 Windturbinen und insgesamt 1.793 Megawatt verteilt auf Deutschland, Frankreich, Finnland, Irland und Polen — ist für die Unternehmensgröße beachtlich. Einzelne Projektverkäufe oder -verluste können den Kurs überproportional bewegen.

Analysten haben die Einschätzung zuletzt von Kauf auf Verkauf herabgestuft. Ohne einen konkreten Katalysator — etwa einen größeren Projektverkauf — dürfte die Aktie im aktuellen Umfeld für Small-Cap-Erneuerbare unter Druck bleiben.

Erneuerbare im Spannungsfeld zwischen Ausführung und Erwartung

Die fünf Werte bilden höchst unterschiedliche Positionen entlang der Wertschöpfungskette ab:

  • RWE demonstriert als integrierter Versorger, dass Nachhaltigkeitsinnovation und Projektexekution Hand in Hand gehen können — nahe am Allzeithoch, gestützt durch breiten Analystenkonsens.
  • Siemens Energy reitet die Welle des Infrastrukturbooms, muss aber beweisen, dass der Rekord-Auftragsbestand auch in Margenverbesserung mündet.
  • Verbio liefert operativ, wird aber von der extremen Schwankungsbreite im Biokraftstoffmarkt durchgeschüttelt.
  • Vulcan Energy sammelt regulatorische Meilensteine, bleibt aber ein Pre-Revenue-Wert mit langem Zeithorizont.
  • ABO Wind kämpft mit dem doppelten Nachteil aus technischem Abwärtstrend und mangelnder Handelsliquidität.

In den kommenden Wochen richten sich die Blicke auf konkrete Meilensteine. Bei RWE zählt das Installationstempo am Thor-Windpark bis Jahresende. Siemens Energy steht mit der nächsten Quartalsbilanz vor der Frage, ob der Auftragsbestand die Marge hebt. Verbios Q3-Zahlen müssen zeigen, ob die Halbjahreserholung Bestand hat. Für Vulcan Energy geht es um den Bohrstart in Trappelberg und weitere Lizenzen. Und ABO Wind wartet auf den Impuls, der den Abwärtstrend brechen könnte — sei es ein Projektverkauf oder eine Stimmungsaufhellung bei europäischen Small Caps im Erneuerbaren-Sektor.

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167,52 EUR

+ 2,66 EUR +1,61 %
KGV 76,07
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,42 %
Marktkapitalisierung 141,85 Mrd. EUR
ISIN: DE000ENER6Y0 WKN: ENER6Y

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