Liebe Leserinnen und Leser,
es gibt Gerichtsentscheidungen, die Rechtsgeschichte schreiben – und solche, die Wirtschaftsgeschichte umschreiben. Am Freitag lieferte der US Supreme Court beides zugleich. Mit 6 zu 3 Stimmen erklärten die Richter weite Teile der Trump’schen Zollpolitik für verfassungswidrig. Was folgte, war keine Befreiung, sondern ein Schachzug ins Chaos: Das Weiße Haus konterte postwendend mit einem neuen Basiszoll von zehn Prozent – weltweit.
Die Märkte reagierten, wie sie es immer tun, wenn Ungewissheit regiert: Gold durchbrach die 5.000-Dollar-Marke und notiert nun bei über 5.050 Dollar. Das Edelmetall, dieses ehrliche Angstbarometer, leuchtet tiefrot.
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Der Supreme-Court-Hammer: Richterspruch mit Nebenwirkungen
Die unmittelbare Reaktion an den Börsen war ein kurzes Aufatmen. Der DAX kletterte am Freitag zeitweise deutlich über die 25.000er-Marke – die Logik schien bestechend einfach: Zölle weg, Freihandel her, Exportweltmeister Deutschland frohlockt.
Doch diese Rechnung geht nicht auf. Das Urteil hat die Spielregeln des globalen Handels nicht geklärt, sondern das Spielbrett umgeworfen. Unternehmen stehen vor einem Berg an Rückforderungen in Milliardenhöhe für zu Unrecht gezahlte Abgaben – während sie gleichzeitig die neuen Zehn-Prozent-Zölle einkalkulieren müssen.
Für die Fed wird das Navigieren zum Blindflug. Die jüngsten Protokolle und Aussagen von Fed-Vertreter Musalem zeigen, wie fragil die Zinspfadeinschätzung bereits war. Neue Zölle wirken inflationär. Die Hoffnung auf schnelle Zinssenkungen 2026 schwindet.
DAX 25.000: Die Zweiklassengesellschaft im Leitindex
Der deutsche Leitindex hat die psychologisch massive Marke in dieser Woche mehrfach getestet und per Wochenschlusskurs knapp verteidigt – bei rund 25.260 Punkten. Doch hinter der runden Zahl verbirgt sich eine Spaltung, die selten deutlicher zutage trat.
Rheinmetall steht auf der Gewinnerseite dieser neuen geopolitischen Realität. Der Rüstungskonzern meldete einen Großauftrag für das Spähfahrzeug „Luchs 2″ im dreistelligen Millionenbereich. Die Aktie reagierte mit Aufschlägen. Rüstung ist das neue Tech in Europa – eine bittere Wahrheit, aber eine profitable.
Mercedes-Benz hingegen repräsentiert die Verliererseite. Der Gewinneinbruch um fast die Hälfte, die gekürzte Dividende – die Stuttgarter spüren die volle Härte der globalen Abkühlung. Dass China 2025 wieder Deutschlands wichtigster Handelspartner war und die USA bei den Exporten überholte, hilft wenig, wenn dort die Margen erodieren.
Erinnern Sie sich an meine Worte vom Freitag? Die Divergenz zwischen Unternehmen, die von staatlichen Ausgaben profitieren, und jenen, die im globalen Konsum-Wettbewerb stehen, wird sich weiter verschärfen.
Stuttgart, zweiter Akt: Die CDU zieht Grenzen
Während die Autobauer in Stuttgart ihre Bilanzen aufarbeiten, hat die CDU auf ihrem Parteitag in derselben Stadt politische Pflöcke eingeschlagen, die auch für die Digitalwirtschaft relevant werden dürften.
Friedrich Merz wurde heute mit 91,2 Prozent als Parteichef bestätigt. Doch bemerkenswerter als die Personalfrage ist der Kurs: Der Parteitag verabschiedete einen Antrag, der ein Verbot von Social Media für unter 14-Jährige fordert. Was zunächst nach Familienpolitik klingt, zielt auf die Geschäftsmodelle von TikTok, Meta und Co. Sollte sich dies europäisch durchsetzen, drohen signifikante Nutzerverluste – und regulatorischer Gegenwind, der über den Digital Services Act hinausgeht.
Parallel fordert die Union die Rücknahme der Cannabis-Legalisierung. Für den börsennotierten Cannabis-Sektor in Deutschland ein klares Signal: Das regulatorische Risiko bleibt extrem hoch.
Bitcoin kämpft, Gold triumphiert
Ein Blick auf die digitalen Assets offenbart eine bemerkenswerte Umkehrung der Narrative. Bitcoin notiert im Bereich von 67.000 bis 68.000 Dollar und ringt mit der kritischen Hürde von 72.000 Dollar. Analysten warnen vor einem Rückfall auf 60.000 Dollar, sollte diese Unterstützung nicht halten.
Die Korrelation ist aufschlussreich: Normalerweise profitiert Bitcoin als „digitales Gold“ von Unsicherheit. Aktuell scheint jedoch das physische Gold die Rolle des sicheren Hafens allein zu beanspruchen, während Bitcoin eher als Risiko-Asset gehandelt wird. Am Freitag hatte ich auf die „Extreme Angst“ im Krypto-Sektor hingewiesen – diese hat sich nicht gelegt.
Alle Augen richten sich nun auf Nvidia. Die Quartalszahlen des KI-Giganten könnten der nächste große Impulsgeber werden.
Was bleibt?
Das Wochenende neigt sich dem Ende zu, und die Bilanz ist ernüchternd. Das Supreme-Court-Urteil sollte Klarheit schaffen – es hat Verwirrung gestiftet. Für deutsche Anleger bedeutet das: Die 25.000 Punkte im DAX sind keine Ruhezone, sondern eine Frontlinie.
Selektivität bleibt das Gebot der Stunde. Wer in Unternehmen mit staatlichem Rückenwind investiert ist – Rüstung, Infrastruktur – kann entspannter in die kommende Woche blicken als jene, die auf den globalen Konsum setzen.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes und eine glückliche Hand in der kommenden Handelswoche.
Herzlichst,
Ihr
Eduard Altmann
