Volkswagen liefert eine kräftige positive Überraschung beim Barmittelzufluss – und kombiniert diese mit einem tiefgreifenden Management-Umbau. Doch wie stabil ist dieser Sprung, wenn das China-Geschäft schwächelt und die operative Marge niedrig bleibt?
Am Freitag schloss die Aktie bei 105,00 Euro und liegt damit rund 4,5 % unter ihrem 52‑Wochen-Hoch. Nach dem jüngsten Anstieg notiert sie aber klar über den wichtigen gleitenden Durchschnitten der vergangenen 50 und 200 Tage.
Unerwarteter Cashflow-Schub
Im Automobilgeschäft erzielte Volkswagen 2025 einen Netto-Cashflow von rund 6 Milliarden Euro. Das ist etwa 1 Milliarde Euro mehr als im Vorjahr – und vor allem weit über der eigenen Erwartung eines Cashflows „um null“.
Auch Analysten hatten mit einem derart deutlichen Abstand nicht gerechnet. Jefferies sprach von einer überraschenden Größenordnung, Kepler Cheuvreux von einer „positiven Überraschung“, verwies aber auf offene Fragen zur Nachhaltigkeit des Effekts. Ob dauerhafte Kostensenkungen oder eher temporäre Faktoren hinter dem Plus stehen, soll der vollständige Jahresbericht am 10. März zeigen.
Wesentliche Treiber laut Konzern:
- Abbau von Lagerbeständen zum Jahresende
- Geringere Investitionen in Werke als ursprünglich geplant
- Reduzierte F&E-Ausgaben
- Investitionsquote bei 12 % statt 14,3 % im Vorjahr
Parallel dazu kletterte die Netto-Liquidität im Automobilbereich auf über 34 Milliarden Euro. Die frühere Prognose hatte hier bei rund 30 Milliarden Euro gelegen – ein weiterer deutlicher Abstand zu den Erwartungen.
Neuer Führungszuschnitt soll Kosten senken
Gleichzeitig stellt Volkswagen die Führung seiner Kernmarken neu auf. Ein markenübergreifendes Führungsmodell bündelt künftig:
- Volkswagen Pkw
- Škoda
- SEAT & CUPRA
- Volkswagen Nutzfahrzeuge
Die Zahl der Vorstandspositionen in diesem Verbund wird um etwa ein Drittel reduziert. Produktion, technische Entwicklung und Beschaffung werden markenübergreifend gesteuert. Ziel ist eine straffere Organisation mit weniger Doppelstrukturen und sinkenden Kosten.
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Konkret erwartet der Konzern allein in der Produktion kumulierte Einsparungen von 1 Milliarde Euro bis 2030. Die Umsetzung der neuen Struktur soll bis Juli 2026 abgeschlossen sein. Damit verknüpft Volkswagen die aktuelle Cashflow-Stärke mit einem strukturellen Effizienzprogramm, das über mehrere Jahre wirken soll.
China bremst die Euphorie
Trotz der positiven Finanzzahlen bleibt China eine Problemzone. In einem Investorengespräch machte das Management deutlich, dass:
- das Preisumfeld im laufenden Jahr angespannt bleibt
- die Gewinne aus dem China-Joint-Venture 2026 sinken dürften
- eine Erholung erst 2027 erwartet wird
Hinzu kommt: Volkswagen ist in China auf Platz drei der Absatzstatistik zurückgefallen und wurde vom Geely-Konzern überholt. Besonders im Elektroautogeschäft verschärft sich der Wettbewerb durch chinesische Hersteller. Das relativiert die kurzfristige Cashflow-Erholung und zeigt, dass strategische Baustellen bestehen bleiben.
Auch die bestätigte Jahresprognose unterstreicht den Druck im Kerngeschäft: Für 2025 peilt Volkswagen eine operative Marge von nur 2 % bis 3 % an – für einen globalen Volumenhersteller ein niedriger Wert.
Branchenrückenwind durch E-Auto-Förderung
Der Kurssprung bei Volkswagen wirkte in den vergangenen Tagen wie ein Stimmungsaufheller für den gesamten europäischen Autosektor. Der STOXX Europe Automobiles & Parts Index legte rund 2,3 % zu, BMW, Mercedes und Porsche gewannen jeweils knapp 2 % bis gut 2,5 %.
Zusätzliche Unterstützung kam von der politischen Seite: Neue deutsche Subventionen für Elektroautos von bis zu 7.000 Euro und entschärfte Zollsorgen nach moderateren Tönen aus Washington sorgten für Erleichterung. Das Umfeld für europäische Hersteller wirkt damit kurzfristig freundlicher, auch wenn der Preisdruck in wichtigen Märkten bestehen bleibt.
Chartbild und Ausblick
Mit dem Schlusskurs von 105,00 Euro notiert die Volkswagen Aktie derzeit gut 2 % über dem 50‑Tage-Durchschnitt und rund 8,5 % über dem 200‑Tage-Durchschnitt. Auf Zwölfmonatssicht steht ein Plus von knapp 10 %, seit Jahresbeginn jedoch ein moderater Rückgang von rund 1,2 %. Der Abstand zum 52‑Wochen-Hoch beträgt etwa 4,5 %, zur Jahrestiefmarke gut 26 %.
Spannend wird nun, ob die starke Liquiditätsposition und der geplante Management-Umbau ausreichen, um den Gegenwind aus China und die niedrige operative Marge zu kompensieren. Konkretere Antworten dürfte der Kapitalmarkt am 10. März erhalten, wenn Volkswagen die vollständigen Jahreszahlen vorlegt und den Ausblick für 2026 detailliert erläutert.
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