Rolls-Royce setzt ein deutliches Signal an den Markt: Ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm läuft an, obwohl die Luftfahrtbranche erneut mit Lieferkettenproblemen ringt. Im Hintergrund stehen starke Wachstumsfantasien im Energie- und Datenzentrumsgeschäft – und ein Bewertungsniveau, das genauer hingesehen verlangt. Wie stimmig ist dieses Gesamtbild vor den anstehenden Jahreszahlen?
Aktienrückkauf als Vertrauenssignal
Der Konzern hat ein Zwischenerwerbsprogramm über 200 Mio. Pfund gestartet. Die im Rahmen des Programms erworbenen Aktien werden eingezogen, also endgültig aus dem Umlauf genommen. Das Rückkaufprogramm läuft bis zum 24. Februar 2026 – nur zwei Tage vor der Veröffentlichung der Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 am 26. Februar.
Die zeitliche Nähe zu den Ergebnissen ist kein Zufall: Das Management nutzt überschüssige Liquidität für Kapitalrückflüsse, obwohl die Branche gleichzeitig mit neuen Warnungen zu Lieferkettenproblemen konfrontiert ist. Airbus-CEO Guillaume Faury sprach intern von einem Start ins Jahr 2026 mit einer „beispiellosen Anzahl von Krisen“ und „beunruhigenden geopolitischen Entwicklungen“.
Wesentliche Eckdaten des Programms:
- Volumen: 200 Mio. Pfund
- Laufzeitende: 24. Februar 2026
- Struktur: Rückgekaufte Aktien werden eingezogen
- Timing: Abschluss kurz vor den FY-2025-Ergebnissen
Vor diesem Hintergrund lässt sich der Rückkauf als Zeichen interpretieren, dass Rolls-Royce seine Bilanzstärke und Cash-Generierung trotz eines schwierigen Umfelds als robust genug einschätzt.
Lieferkettenrisiken bleiben Thema
Die Luftfahrtindustrie kämpft weiter mit Engpässen bei Triebwerken und Komponenten. Airbus hat bestätigt, dass Probleme mit Pratt & Whitney- und CFM-Triebwerken anhalten und die Auslieferungen beeinträchtigen.
Für Rolls-Royce, dessen zivile Triebwerksparte Maschinen für Boeing- und Airbus-Flugzeuge liefert, sind solche branchenweiten Störungen ein Risikofaktor. Zwar stehen die genannten Probleme nicht direkt im eigenen Triebwerksportfolio, doch Engpässe in der Wertschöpfungskette können Bestellungen, Auslieferungen und Servicezyklen im gesamten Sektor verzögern. Investoren werden daher genau verfolgen, ob das Management die Auswirkungen auf Produktion, Cashflow und Margen konkret beziffern kann.
Kursseitig zeigt sich zuletzt eine Verschnaufpause: Nach einem sehr starken Vorjahr liegt die Aktie auf Wochensicht und über 30 Tage im Minus, notiert mit 14,12 Euro von gestern aber nur knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt und weiterhin deutlich über der 200-Tage-Linie. Damit wirkt die jüngste Schwäche eher wie ein Rücksetzer innerhalb eines übergeordneten Aufwärtstrends.
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Wachstumstreiber Power Systems und KI-Infrastruktur
Operativ hat Rolls-Royce in den vergangenen Jahren stark von der Erholung der Luftfahrt und steigenden Verteidigungsausgaben profitiert. Besonders dynamisch entwickelt sich jedoch die Sparte Power Systems, die zunehmend in den Vordergrund rückt.
Im ersten Halbjahr 2025 stiegen die Auftragseingänge in diesem Bereich um 32 % gegenüber dem Vorjahr. Dabei stach die Stromerzeugung hervor: Hier lag das Orderwachstum bei 68 %. Noch eindrucksvoller ist die Entwicklung im Datencenter-Segment, wo die Bestellungen um 85 % zulegten. Diese Zahlen unterstreichen die wachsende Rolle von Rolls-Royce als Zulieferer für den globalen Aufbau von Rechenzentrums-Infrastruktur im Zuge des KI-Booms.
Parallel dazu sieht UBS-Analyst Ian Douglas-Pennant weiteres Potenzial: Er erhöhte sein Kursziel von 1.350p auf 1.625p. Grundlage ist eine angehobene Erwartung für das Wachstum der Stromerzeugungsumsätze auf 26 % bis 2028. Die Bank rechnet damit, dass insbesondere margenstarke Datencenter-Projekte die Profitabilität der Power-Systems-Sparte bis 2028 um bis zu 60 % steigern könnten.
Auch der Verteidigungsbereich, der rund ein Viertel der bereinigten Umsätze beisteuert, profitiert vom derzeit angespannten geopolitischen Umfeld. Als zusätzlicher, langfristiger Baustein gilt das Programm für Small Modular Reactors (SMR), das im Juni 2025 Unterstützung der britischen Regierung erhielt und Rolls-Royce eine Rolle im künftigen Nuklear- und Energie-Mix sichern könnte.
Bewertung und Erwartungen an den Februar
Die starke Kursentwicklung der vergangenen Jahre – im Originalmarkt über 1.200 % in fünf Jahren – spiegelt sich klar in den Bewertungskennzahlen wider. Mit einem Börsenwert von rund 101,9 Mrd. Pfund liegen die Multiples deutlich über traditionellen Industrie- und Luftfahrtwerten:
- KGV (Trailing): 18,07
- KGV (Forward): 39,84
- Kurs-Umsatz-Verhältnis: 5,35
- Kurs-Buchwert-Verhältnis: 42,31
Diese Niveaus setzen voraus, dass das Wachstum tatsächlich durchhält. Laut Konsensprognosen der City sollen die Gewinne 2026 und 2027 jeweils um 14 % zulegen. Parallel dazu planen Analysten mit steigenden Dividenden: von 9,1p für 2025 auf 11,2p im Jahr 2026 und 12,7p im Jahr 2027.
Der Blick richtet sich nun klar auf den 26. Februar. Dann muss das Management zeigen, wie sich Lieferkettenprobleme, Verteidigungsgeschäft, Power Systems und Kapitalallokation – einschließlich des laufenden Rückkaufs – zu einem stimmigen Gesamtbild fügen. Entscheidend wird sein, ob Rolls-Royce seine ambitionierten Wachstums- und Profitabilitätsversprechen mit konkreten Zahlen und einer belastbaren Prognose für 2026 und 2027 untermauern kann.
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