Unterschleissheim (aktiencheck.de AG) - Die Regierung in Peking hat mit einem riesigen Konjunkturpaket von rund 450 Mrd. Euro früher als die Amerikaner den Kampf gegen die Wirtschaftskrise in ihrem Land aufgenommen, so Christian Grabbe,
Analyst der Baader Bank.
Die Früchte dieser frühzeitigen Liquiditätspolitik seien jetzt zu sehen. Die chinesische Wirtschaft stehe unter Volldampf. Die Industrieproduktion habe im Januar und Februar mit einem Anstieg um 20,7 Prozent die größte Zunahme seit 1995 verzeichnet. Das Wirtschaftswachstum habe im vierten Quartal 10,7 Prozent betragen. Für das Gesamtjahr 2009 ergebe sich ein Wachstum von 8,7 Prozent. Der starke Anstieg des Verbraucherpreisindex (CPI) für Februar von 2,7 Prozent habe die Märkte schockiert. Das sei die höchste Teuerungsrate seit 16 Monaten. Erwartet worden seien nur 2,5 Prozent.
Es sei zu einem starken Anstieg des Renmibi-Yuans (CNY), der einheimischen Währung, gekommen. Zwölfmonatige Terminkontrakte auf den Renminbi-Yuan seien von 6,6305 CNY auf 6,6389 CNY je US-Dollar abgesackt. Die Gefahr galoppierender Inflationsraten sei groß. Noch vor ein paar Jahren habe das Reich der Mitte eine Teuerungsrate von mehr als 6 Prozent. Für 2010 werde nun eine Inflationsrate von 3,5 Prozent auf Jahresbasis befürchtet. Die Analysten würden daher bereits im zweiten Quartal eine Leitzinsanhebung erwarten.
Von einigen Analysten werde nun schon bald eine Aufwertung des Renmibi-Yuans erwartet. Der Yuan sei gegenüber dem US-Dollar nicht mehr stark unterbewertet, heiße es bei Goldman Sachs. Die US-Investmentbank prognostiziere eine Aufwertung von 5 Prozent gegenüber dem US-Dollar in den kommenden zwölf Monaten. Der Terminmarkt erwarte aktuell eine Aufwertung von rund 2,7 Prozent. Goldman Sachs halte es für denkbar, dass die Volksrepublik China ihre Währung in einem Schritt aufwerte und sie anschließend in einem breiteren Band handeln lasse.
Goldman Sachs habe nun auch die ersten Optionsscheine auf den Markt gebracht, die an der Entwicklung des Yuans gegenüber dem US-Dollar teilnehmen könnten. Für Anleger, die mit einer Aufwertung der chinesischen Währung rechnen würden, würden sich die Verkaufs-Optionsscheine (Put-Warrants) von Goldman Sachs mit dem Basispreis bei 6,50 Yuan eignen. Er steige im Wert, wenn die Parität US-Dollar-Yuan sinke, denn der Anleger benötige weniger Yuan, um US-Dollar zu kaufen.
Ein positiver Effekt sei zusätzlich durch einen Anstieg der Volatilität möglich. Die Volatilität der chinesischen Devise schwanke aktuell zwischen 6 und 7%. Falle sie gegenüber dem US-Dollar, dürfte die implizite Volatilität, also die vom Markt erwartete Volatilität, der Warrants ansteigen, was zu einem zusätzlichen Gewinn führen könne. Investoren, die erwarten würden, dass die Währung gegenüber dem US-Dollar abwerte, hätten die Möglichkeit, beispielsweise einen Call mit dem Basispreis von 6,80 Yuan auf die gegenteilige Kursrichtung zu spekulieren. (17.03.2010/oc/a/w)