BNP Paribas-Zertifikate auf Öl: Risiko auf der Angebotsseite - Zertifikateanalyse


08.08.18 12:30
Meldung
 
Paris (www.zertifikatecheck.de) - Die Analysten der BNP Paribas stellen in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate" ein Mini Long-Zertifikat (ISIN DE000PP10630 / WKN PP1063 ) und ein Mini Short-Zertifikat (ISIN DE000PP8KA09 / WKN PP8KA0 ) auf Brentöl vor.


In den vergangenen Monaten sei der Ölmarkt deutlich unterversorgt gewesen, was dem von 25 Staaten im November 2016 geschlossenen Abkommen zur Förderbegrenzung geschuldet gewesen sei. Der Verbund aus 14 OPEC- und elf Nicht-OPEC-Ländern habe sich damals auf eine Reduzierung der täglichen Ölförderung um 1,8 Millionen Barrel geeinigt, womit die Talfahrt der Ölpreise gestoppt worden sei. Zuvor seien die weltweiten Ölvorräte enorm gestiegen, auch weil die USA ihre Ölproduktion mithilfe der viel kritisierten Fracking-Methode kräftig ausgeweitet habe. Die vollen Öllager hätten 2014 dann zu einem dramatischen Einbruch bei den Ölpreisen geführt. Mittlerweile hätten sich die Ölpreise deutlich erholt. Durch das OPEC-Abkommen, das zunächst für die Dauer von sechs Monaten vorgesehen gewesen sei, später aber bis Ende 2018 verlängert worden sei, hätten die wichtigen Rohölbestände der OECD-Staaten sowie der USA wieder unter ihre 5-Jahres-Durchschnitte gesenkt werden können.

Doch den Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, entpuppe sich nun als schwieriger als erwartet. Probleme bei einigen OPEC-Staaten hätten dafür gesorgt, dass die von den Bündnispartnern beschlossene Drosselung um täglich 1,8 Millionen Barrel in den vergangenen Monaten sogar um bis zu eine Million Barrel am Tag übererfüllt worden sei. Hauptverantwortlich für das Übertreffen der OPEC-Vorgaben sei der kräftige Produktionsrückgang in Venezuela gewesen. Das südamerikanische Land befinde sich inmitten einer heftigen Wirtschaftskrise und verfüge nicht über genügend finanzielle Mittel, um die Ölproduktion aufrechtzuerhalten. Habe das Land vor einiger Zeit etwa 3,5 Millionen Barrel Öl am Tag produziert, so seien es zuletzt gerade einmal noch rund 1,5 Millionen Barrel gewesen.

Für ständige Probleme sorge auch das OPEC-Mitglied Libyen, in dem seit vielen Jahren ein Bürgerkrieg tobe. Zuletzt seien einige wichtige Häfen von bewaffneten Gruppen besetzt worden, wodurch es tagelang zu Lieferausfällen gekommen sei und rund 850.000 Barrel Öl am Tag nicht an den Markt gelangt sei.

Der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent sei aufgrund der anhaltenden Unterversorgung am Markt zuletzt auf über 80 US-Dollar je Barrel geklettert. Für die Ölförderländer sollten die steigenden Ölpreise eigentlich ein Segen sein, schließlich seien viele von ihnen durch den kräftigen Einbruch auf zwischenzeitlich unter 30 Dollar in finanzielle Schieflage geraten. Allerdings hätten zu stark steigende Ölpreise eine negative Wirkung auf die Ölnachfrage und damit indirekt auch auf das globale Wirtschaftswachstum. Zudem ziehe die Inflation in erster Linie wegen der steigenden Energiekosten in vielen Ländern stark an, worauf die Zentralbanken in der Regel mit Zinserhöhungen reagieren würden. Höhere Zinsen würden wiederum die Kosten für die Kreditfinanzierung der Unternehmen in die Höhe schnellen lassen, womit sich weitere Probleme ergeben würden. Ein Teufelskreis, der den tonangebenden Ölförderländern durchaus bekannt sei.

Und so hätten die OPEC sowie die Gruppe der Nicht-OPEC-Staaten im Juni trotz unterschiedlicher Ansichten eine Erhöhung der Förderquote beschlossen. Auch auf Drängen von US-Präsident Donald Trump, der die OPEC wegen der hohen Preise und der stetig fallenden Förderquoten scharf kritisiert habe. Die Bündnispartner hätten sich in Wien darauf geeinigt, dass die im 2016er Abkommen verankerte Drosselung um 1,8 Millionen Barrel pro Tag wieder zu 100 Prozent eingehalten werden solle, was verglichen mit den jüngsten Fördermengen im Grunde einer Erhöhung um etwa eine Million Barrel am Tag entspreche. Außer Saudi-Arabien sei jedoch kaum ein OPEC-Mitglied in der Lage, die Produktion von heute auf morgen wieder zu erhöhen, weshalb es einige Zeit dauern dürfte, bis die ursprüngliche Vorgabe wieder eingehalten werde. Die Internationale Energieagentur (IEA) gehe in ihrem jüngsten Bericht davon aus, dass die Bemühungen der OPEC ausreichen dürften, um den Ölmarkt in der zweiten Jahreshälfte wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Doch sei diese Prognose mit einem riesigen Fragezeichen zu versehen.

Die USA hätten jüngst den Atomdeal mit dem Iran gekündigt und möchten das Land und alle Länder, die mit dem Iran Geschäfte machen würden, künftig sanktionieren. Gehe es nach dem Wunsch von US-Präsident Trump, dann sollten alle Länder ihre Ölimporte aus dem Iran komplett einstellen, womit dem Markt bis zu 2,5 Millionen Barrel am Tag fehlen würden. Diesen Ausfall könnten die OPEC-Staaten jedoch niemals ausgleichen, nicht einmal wenn die freien Förderkapazitäten bis an ihre Grenzen ausgereizt würden. Zudem habe der Iran Gegenmaßnahmen angekündigt und drohe mit der Schließung der Straße von Hormus. Durch die im Südosten des Persischen Golfs verlaufende Meerenge würden jeden Tag etwa 19 Milliarden Barrel Rohöl über dem Seeweg exportiert - mehr als 20 Prozent des globalen Ölhandels. Sollte es wirklich so weit kommen, wäre der Markt kurzfristig sehr stark unterversorgt. Um ihn dann ins Gleichgewicht zu bringen, könnten die USA, wie von Präsident Trump bereits angedeutet, auf ihre nationalen Sicherheitsreserven zurückgreifen.

Angesichts der Iran-Situation liege das Risiko daher kurzfristig auf der Angebotsseite, was die Ölpreise in den kommenden Monaten tendenziell unterstützen dürfte. (Ausgabe August 2018) (08.08.2018/zc/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten: Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyseeinsehen.


 

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