BNP Paribas-Zertifikate auf Tesla: Vom Jäger zum Gejagten - Zertifikateanalyse


06.02.19 09:00
Meldung
 
Paris (www.zertifikatecheck.de) - Die Analysten der BNP Paribas stellen in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate" ein Mini Long-Zertifikat (ISIN DE000PZ3PF60 / WKN PZ3PF6 ) und ein Mini Short-Zertifikat (ISIN DE000PP9JVP9 / WKN PP9JVP ) auf die Aktie von Tesla (ISIN US88160R1014 / WKN A1CX3T ) vor.


Die Grenzen zwischen Jäger und Gejagtem seien oft fließend, manchmal auch nur eine Frage der Perspektive. So auch bei den Autoproduzenten. Tesla aus den USA, Vorzeigeunternehmen in Sachen Elektromobilität, habe die internationale Gilde der Autokonzerne zu Gejagten gemacht. Dabei sei es noch nicht einmal die Anzahl der produzierten Autos, die hier den Jagdfaktor ausmache - im Vergleich zu den traditionellen Konzernen produziere Tesla mit schätzungsweise rund 400.000 Autos im Jahr 2019 immer noch sehr kleine Stückzahlen - es sei vielmehr das Konzept eines neuen Antriebs: Autos müssten nicht mit Benzin oder Diesel fahren, es gehe auch mit Strom. Leise und schadstofffrei, das perfekte Gegenkonzept zu protzig und laut.

Das habe vor allem die deutschen Autohersteller kalt erwischt. Mit schnellen und großen Autos hätten sie in den zurückliegenden Jahrzehnten den Weltmarkt erobert und dabei vergessen, dass sich die Zeiten ändern würden. Neue Mobilitätskonzepte würden sich verbreiten. Neben der Entwicklung schadstofffreier Autos sind es vor allem eine Stärkung des Nahverkehrs, Carsharing und autofreie Innenstädte, die unsere Metropolen und unseren Alltag nachhaltig verändern werden, so die Analysten der BNP Paribas. Das scheine an den deutschen Autoherstellern völlig vorbeigegangen zu sein.

Ein großes Versäumnis, zumal das Konzept der Elektromobilität nicht aus den USA, sondern ursprünglich aus Europa und vor allem auch aus Deutschland stamme. Bereits in den 1880er Jahren habe man in der Maschinenfabrik A. Flocken in Coburg Pferdekutschen zu Elektroautos umgebaut. Auch wenn diese Vehikel mit unseren heutigen Autos nur wenig zu tun haben, die Idee dahinter ist die gleiche: Ein Fortbewegungsmittel, das mit Strom angetrieben wird statt mit Pferden oder Öl, so die Analysten der BNP Paribas.

Und diese Idee wurde hierzulande auch nie so richtig vergessen, so die Analysten der BNP Paribas. Noch in den 1990er Jahren hätten etwa Volkswagen und Daimler mit dem Schweizer Uhrenmilliardär Nicolas Hayek beim Bau des elektrischen Swatch-Car kooperiert. Daraus habe sich später der Smart entwickelt, der allerdings wieder mit Benzin angetrieben worden sei. Letztendlich habe es an einer leistungsstarken Batterie gehapert, wie schon bei allen anderen Versuchen. Und statt eine solche zu entwickeln, sei die Elektromobilität von den deutschen Herstellern auf den Einsatz in so genannten Hybrid-Autos beschränkt worden. Das seien Autos, die neben einem Elektromotor auch einen Benzin- oder Dieselmotor enthalten würden. Die Entwicklung reiner Elektroautos sei hingegen nahezu eingestellt worden.

Und das sei die große Chance für Tesla gewesen. Die Amerikaner hätten an neuen Batterien getüftelt und 2006 mit dem Modell Roadster ein reines Elektroauto präsentieren können, das immerhin schon eine Reichweite von 350 Kilometern aufgewiesen habe. Und während man in Deutschland weiter auf Hybrid-Lösungen setze, habe Tesla noch leistungsstärkere Batterien entwickeln können: Heute komme ein Tesla-Auto auf eine Reichweite von über 500 Kilometern. Eine Distanz, die auch für den reichweitenverwöhnten heimischen Autokäufer durchaus interessant sei.

Es sei schon erstaunlich, wie lange die traditionellen Autokonzerne gewartet hätten, bis sie auf die wachsenden Herausforderungen, die durch die Elektromobilität auf sie zurollen würden, reagiert hätten. Ob das allerdings nur auf Schlafmützigkeit zurückzuführen sei, dürfe jedoch bezweifelt werden. Sicher kämen hier mehrere Faktoren zusammen. Zum einen sei bestimmt so eine Art Überheblichkeit festzustellen. Insbesondere die deutschen Autobauer seien lange Zeit so sehr von ihren Produkten überzeugt gewesen, dass ihnen ein Blick über den Tellerrand nur sehr schwer gefallen sein dürfte. Deutsche Autos hätten als das Nonplusultra gegolten - warum sich davon ein paar Elektroenthusiasten aus den USA verrückt machen lassen würden?

Andererseits werfe das Konzept der Elektromobilität Fragen auf, die bis heute nicht gelöst seien. Neben rein praktischen wie der Produktion und der Verteilung des Stroms gebe es auch genügend Kritiker, die darauf verweisen würden, dass die Elektromobilität in der heutigen Form, nämlich als batteriebetriebene, bestenfalls nur eine von möglichen Antriebsarten der Zukunft sei. Einige sähen in der batteriebetriebenen Elektromobilität gar nur eine Übergangslösung vom klassischen Benzin- und Dieselantrieb hin zu einer völlig neuartigen Antriebstechnologie. Ob diese dann wasserstoffgetrieben sei oder etwa auf einem synthetischen Kraftstoff, einem EFuel, basiere, sei dabei noch völlig offen.

Der deutschen Autobranche nahe stehende Beobachter sähen in dem Verhalten der Autobauer daher eher den Versuch, die Zwischenlösung "batteriebetriebene Elektromobilität" zu überspringen und vom klassischen Antrieb direkt zu einem noch zu entwickelnden Antrieb der Zukunft zu wechseln. Insofern hätten die deutschen Autokonzerne die Elektromobilität nicht schlechthin verschlafen, aber in ihrer Wirkung auf Politik und Gesellschaft, die beide vehement den Einsatz der Elektromobilität auch in ihrer aktuellen technologischen Variante fordern würden, unterschätzt.

Das möchten sie nun durch hohe Investitionen ausgleichen. Insbesondere Daimler und Volkswagen (VW) hätten Milliardenengagements und neue Elektroautos angekündigt. Dabei dürfte 2019 zu einem Schlüsseljahr werden. Mit dem EQC von Daimler, dem e-tron von AUDI und dem Taycan von Porsche - beide Marken würden zum VW-Konzern gehören - würden dann nämlich gleich drei Elektroautos in der Oberklasse starten, die in direkter Konkurrenz zu Teslas Modell S am Markt platziert würden. Jetzt werde es erst richtig spannend, würden sich Marktbeobachter überzeugt zeigen. Denn zum ersten Mal bekomme Tesla ernst zu nehmende Konkurrenz und verliere damit sein Alleinstellungsmerkmal am Markt. Aber auch in der Mittelklassen bekomme Tesla Gegenwind. Die Amerikaner hätten für Februar 2019 die Markteinführung des Model 3 angekündigt; im August könnte dann VW mit dem VW-Label I.D. Neo nachziehen. Mit knapp 30.000 Euro könnte das Elektroauto der Wolfsburger deutlich günstiger zu haben sein als das Model 3 von Tesla, das Presseberichten zufolge knapp 60.000 Euro kosten solle. Der von Tesla angekündigte Angriff auf den Mittelklassemarkt könnte somit zumindest in Europa relativ schnell scheitern.

Und noch ein Punkt sei wichtig. Die deutschen Autohersteller hätten bereits den nächsten Technologiesprung in der Batterieentwicklung vor Augen. Im Juni 2018 habe etwa VW erklärt, dass es sich am US-amerikanischen Start-up QuantumSpace beteiligt habe. QuantumSpace halte viele Patente im Bereich der Feststoffbatteriezellen. Mit Feststoffbatteriezellen könne die Reichweite eines Elektroautos deutlich gesteigert werden - 700 Kilometer und mehr wären dann ersten Testergebnissen zufolge durchaus möglich. Dann stände sogar der batteriebetriebenen Elektromobilität eine größere Zukunft als massentaugliches Fortbewegungsmittel bevor.

Inwieweit Tesla an der Feststoffbatteriezelle arbeite, sei nicht bekannt. Klar dürfte aber sein, dass Tesla seinen Bonus als Quasi-Monopolist nach und nach einbüßen werde. Im laufenden Jahr bekämen die Amerikaner ernst zu nehmende Konkurrenz, vor allem auch aus Deutschland. Erst dann werde sich wirklich zeigen, welche Elektroautos vom Konsumenten bevorzugt würden - er habe dann die Wahl.

Damit rücke ein Punkt in den Fokus: Die Bewertung von Tesla an der Börse. Im Vergleich zu den drei deutschen Autobauern BMW, Daimler und VW liege Tesla gemessen am Umsatz mit großem Abstand auf Platz vier, gemessen an der Marktkapitalisierung aber auf Platz zwei. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) sei rund dreimal höher als bei der deutschen Konkurrenz. Bislang seien solche Bewertungsabstände noch durch den Umstand zu rechtfertigen gewesen, dass Tesla als Quasi-Monopolist am Markt fungiert habe und, wenn auch auf niedrigerem Niveau, deutlich schneller habe wachsen können als die traditionelle Konkurrenz. Verliere Tesla aber diesen Bonus, weil die anderen nachziehen würden, sei der Abstand so nicht mehr zu begründen. Pendle sich Tesla auf dem Bewertungsniveau der anderen Autokonzerne ein, müsste das Papier dramatisch verlieren.

Das werde sicherlich nicht von heute auf morgen passieren, zumal Tesla ja selbst das Gerücht gestreut habe, ausländische Käufer würden das Unternehmen gerne übernehmen. Solche Gerüchte würden natürlich immer erst einmal unterstützend auf den Aktienkurs wirken. Sollte sich das Gerücht jedoch nicht bewahrheiten, werde sich Tesla den neuen Marktgegebenheiten anpassen müssen, und das gelte vor allem auch an der Börse. Die Grenze zwischen Jäger und Gejagtem könnte auf dem Automarkt im Jahr 2019 zunehmend verschwimmen. Anfänglich vielleicht nur langsam, kaum wahrnehmbar, könnte Tesla, bislang der Jäger, selbst zum Gejagten werden. (Ausgabe Februar 2019) (06.02.2019/zc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten: Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyseeinsehen.


 

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