Bonuszertifikate vorgestellt


10.03.10 10:35
Meldung
 
Kiel (aktiencheck.de AG) - Die Experten vom "ZertifikateAnleger" stellen in ihrer aktuellen Ausgabe Bonuszertifikate vor.

Klassische Bonuszertifikate hätten einfache Spielregeln.
Falle während der Laufzeit der Kurs des Basiswertes auf oder unter eine festgelegte Kursschwelle, würden Anlegerinnen und Anleger ihren Anspruch auf die Bonuszahlung bei Fälligkeit verlieren. Doch was des einen Leid sei, könne in manchen Fällen des anderen Freud sein: Wer in einen Preisindex investieren wolle, finde ausgerechnet in ausgeknockten Bonuszertifikaten manchmal eine attraktive Alternative zu Indexzertifikaten auf denselben Index.

Der 9. März 2009 sei kein guter Tag für alle Besitzer eines Bonuszertifikats (ISIN DE000BNP3876 / WKN BNP387 ) der französischen Großbank BNP Paribas gewesen. An diesem Tag genau vor einem Jahr habe das Zertifikat sein bis dato herausragendes Merkmal verloren: die Chance auf eine attraktive Bonuszahlung bei Fälligkeit. Weil der europäische Leitindex EURO STOXX 50, auf dessen Kursverlauf sich das Zertifikat beziehe, an diesem Tag unter die vom Emittenten festgelegte Kursschwelle von 1.800 Punkten gerutscht sei, sei die Bonuschance für die Anleger mit einem Schlag dahin gewesen. Pech, dumm gelaufen, der Sicherheitspuffer sei eben nicht groß genug gewesen. Sei das Zertifikat damit vollkommen unattraktiv?

Wer am 10. März 2009 auf eine Erholung der europäischen Aktienmärkte habe setzen wollen, wäre gut beraten gewesen, dieses ausgeknockte Bonuszertifikat anstelle eines herkömmlichen Indexzertifikates auf den EURO STOXX 50 zu kaufen. Zwei Zahlen würden dies belegen: Ein klassisches Indexzertifikat (ISIN DE0006731789 / WKN 673178 ) von BNP Paribas auf diesen Index habe in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 63 Prozent an Wert zulegen können. Das Bonuszertifikat, das nach dem Schwellenereignis eigentlich ähnlich wie ein Indexpapier notieren sollte, habe in derselben Zeit ein Kursplus von rund 68 Prozent geschafft - und habe damit besser abgeschnitten als der Basiswert, auf den es sich beziehe. Was paradox klinge, lasse sich mit einem Blick auf die Konstruktion von Bonuszertifikaten erklären.

Bonuszertifikate würden von der Bank durch Kombination zweier Optionskomponenten zusammengesetzt - einem "Zero-Strike-Call" und einem "Down-and-Out Put". Der Emittent definiere damit zwei elementare Eigenschaften des jeweiligen Bonuszertifikates: das Bonusniveau und die Kursschwelle.

Dazu ein kurzer Exkurs: Grundsätzlich würden Bonuszertifikate ihre Besitzer an der Entwicklung des jeweiligen Basiswertes beteiligen. Um dies sicherzustellen, würden die Banken den Basiswert nicht immer selbst einkaufen, sondern stattdessen den "Zero-Strike-Call" verwenden. Dahinter verberge sich eine klassische Call-Option mit Basispreis Null. Sie verhalte sich wie der Kurs des Basiswertes, beinhalte jedoch keinerlei Dividendenanspruch.

Mit dem Verzicht auf die Dividendenzahlung, die Aktionäre erhalten würden, erkaufe sich der Besitzer des Bonuszertifikats den Vorteil einer möglichen Seitwärtsrendite. Denn die Dividenden nutze die Bank dazu, die erwähnte Put-Option zu kaufen. Diese zweite Option ermögliche es ihr, dem Anleger bei Fälligkeit den Bonus zu zahlen, auch wenn der Basiswert keine Kursgewinne verzeichne oder gar an Wert verloren habe - zumindest unter gewissen Bedingungen. Der "Down-and-Out Put" verfalle wertlos, wenn die Kursschwelle während der Laufzeit berührt werde. Der Bonus könne dann nicht mehr gezahlt werden.

Vom Bonuszertifikat übrig bleibe in diesem Fall der "Zero-Strike-Call". Der Wert dieser verbliebenen Option sollte dem Wert des Basiswertes entsprechen - abzüglich aller abdiskontierten erwarteten Dividendenzahlungen. So würden in der Praxis Bonuszertifikate, bei denen das Schwellenereignis eingetreten sei, gegenüber Indexzertifikaten auf denselben Basiswert mit Abschlag gehandelt.

Das sei auch beim Bonuszertifikat von BNP Paribas auf den EURO STOXX 50 der Fall. Das Zertifikat laufe noch bis Mitte September, zumindest die diesjährige Dividendensaison stehe noch bevor. Daher sollten noch einige Dividendenerwartungen im Wert des "Zero-Strike-Call" enthalten sein.

Werde das Bonuszertifikat fällig, würden die Besitzer dann allerdings eine Rückzahlung erhalten, die der Höhe des aktuellen Indexstandes entspreche. Genau darin liege der Clou, denn der europäische Leitindex diene in seiner Preisnotierung als Basiswert, Dividendenzahlungen würden bei seiner Berechnung also unberücksichtigt bleiben. Vor diesem Hintergrund werde die Kursdifferenz zwischen ausgeknocktem Bonuszertifikat und einem Indexzertifikat auf den EURO STOXX 50 nachvollziehbar.

Bonuszertifikate, bei denen die Barriere gerissen worden sei, seien damit noch lange nicht per se interessant. Investoren, die auf einen Anstieg des Basiswertes setzen wollten, sollten sich den gewährten Preisabschlag und den Spread genau anschauen und eine eigene Vorstellung über die Dividendenrendite des Indexes im betrachteten Zeitraum besitzen.

Zu beachten sei, dass der theoretisch mögliche Vorteil der Bonuszertifikate nur bei Fälligkeit zum Tragen komme, während der Laufzeit könne das Zertifikat zu schlechteren Kursen angeboten werden. Wenn es denn überhaupt noch angeboten werde: Oftmals würden die Banken Bonuszertifikate, deren Barrierebedingung verletzt worden sei, nur noch zurücknehmen. Ein Beispiel sei ein Bonuszertifikat (ISIN DE000CS0AAU3 / WKN CSOAAU ) von Credit Suisse auf den EURO STOXX 50, das im April 2013 fällig, aber nicht mehr von der Bank verkauft werde.

Darüber hinaus gebe es manchmal auch Indexzertifikate, die günstig auf die Total-Return-Variante eines Indexes angeboten würden. Das sei jene Indexvariante, bei der unterstellt werde, dass anfallende Dividenden in die Aktien reinvestiert würden.

Wie so oft sei der Vergleich verschiedener Möglichkeiten vor einem Investment sinnvoll. Dabei könne der Blick nicht nur auf die Indexzertifikate, sondern auch auf die ausgeknockten Bonuszertifikaten sinnvoll sein. (Ausgabe 4 vom 09.03.2010) (10.03.2010/zc/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten: Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyseeinsehen.


 

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