Kiel (aktiencheck.de AG) - Der deutsche Aktienmarkt macht wieder Spaß: Im Januar stiegen die Kurse wie selten am Jahresanfang.
Wegen der weiter anhaltenden Unsicherheiten könnten jedoch Zertifikate mit Puffer eine clevere Alternative zum Direktinvestment sein, so die Experten vom "ZertifikateAnleger".
Eine Untersuchung von HSBC zeige die aktuell großen Unterschiede bei der impliziten Volatilität der Blue Chips. Die Vola könne bei der Auswahl des Basiswertes eine Rolle spielen.
Wer hätte das gedacht? Nachdem 2011 die Jahresendrally zur Enttäuschung vieler Anleger nicht stattgefunden habe, sei nun wieder Musik im Aktienmarkt. Im Januar hätten die Kurse der größten deutschen Aktienunternehmen so stark angezogen, dass der Leitindex DAX um rund 560 Punkte emporgeschossen sei - ein Plus von knapp zehn Prozent in nur vier Wochen. Das sei der beste Jahresstart seit 37 Jahren gewesen, konstatiere Sören Wiedau von der Weberbank in Berlin. "Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Aktienmärkte von der extrem hohen Notenbankliquidität getrieben werden und durchaus noch weiteres Aufwärtspotenzial besitzen", sage Wiedau.
Nach dem schnellen Anstieg seit Anfang des Jahres nehme die Stimmung unter den Marktteilnehmern schon euphorische Züge an. Viele Anleger seien in Aktien untergewichtet und müssten daher den Anstiegen hinterherlaufen. "Allerdings wird die Luft nach oben auch immer dünner", warne der Experte. Die Schuldenkrise in Europa sei nicht gelöst, und das konjunkturelle Umfeld in vielen Regionen schwierig. Seine Bank empfehle daher, bestehende Aktienpositionen vor möglichen Kursverlusten abzusichern. Tatsächlich habe der Aktienmarkt wegen der wieder zunehmenden Verunsicherung hinsichtlich der Entwicklung in Griechenland erst einmal einen kleinen Dämpfer erlebt. Das Auf und Ab der Kurse scheine also auch in diesem Jahr beständiger Begleiter an der Börse zu werden.
Diese Vermutung bekräftige Heiko Weyand, Zertifikateexperte bei der Düsseldorfer Bank HSBC Trinkaus. Sein Team habe in einer aktuellen
Analysedie impliziten Volatilitäten von at-the-money-Optionen mit einjähriger Laufzeit auf die DAX-Aktien den Wertentwicklungen der Papiere in den vergangenen zwölf Monaten gegenübergestellt. Ergebnis: Nicht nur zwischen den Kursentwicklungen der einzelnen Werte lägen Welten. Starke Unterschiede gebe es auch in der Einschätzung der Marktteilnehmer über die künftige Schwankungsfreudigkeit der Titel.
"Bei der grafischen Darstellung fällt ein Ausreißer gleich ins Auge: die Aktie der Commerzbank", sage Weyand. "Mit einer erwarteten Volatilität von mehr als 60 Prozent auf Jahressicht steht die Aktie nach wie vor im Visier der Spekulanten, denn aktive Trader brauchen vor allem dynamische Kursbewegungen." Diese habe die Commerzbank-Aktie in der Vergangenheit geboten, und die Marktteilnehmer würden damit rechnen, dass das vorerst so bleibe.
Der Blick auf die impliziten Volatilitäten sei für Zertifikate-Fans von besonderem Interesse. Zahlreiche Derivate würden auf Optionen basieren, deren Preis wiederum stark von der impliziten Volatilität abhänge. So würden sich die Konditionen unter sonst gleichen Annahmen etwa von Discountern und Aktienanleihen verbessern, oft auch von Capped-Bonuszertifikaten, wenn die implizite Volatilität steige.
Gemessen am Volatilitätsindex VDAX-New sei die Vola im Gesamtmarkt derzeit nicht mehr so hoch wie noch vor rund einem halben Jahr. Für die Auswahl eines Basiswertes könne die Kennzahl dennoch eine wichtige Rolle spielen, meine Weyand. Als Beispiel führe er je ein Discount-Zertifikat (
ISIN DE000TB6SYU2 /
WKN TB6SYU ) seiner Bank mit gleicher Laufzeit und Cap in der Nähe des aktuellen Kursniveaus auf die Commerzbank-Aktie und eins (
ISIN DE000TB9A7L5 /
WKN TB9A7L ) auf die Deutsche Bank-Aktie an.
"Obwohl das Discount-Zertifikat auf die Deutsche Bank leicht offensiver daherkommt als das Vergleichsprodukt, lässt sich mit letzerem eine deutlich größere Rendite per anno erzielen." Natürlich würden noch andere Faktoren die Preisgebung beeinflussen, ein Hauptunterschied liege aber in der deutlich höheren impliziten Vola bei der Commerzbank. Ähnliche Beispiele würden sich mit Produkten anderer Emittenten bilden lassen.
Die implizite Volatilität könne also ein Auswahlkriterium für Anleger sein, die eine positive Entwicklung der deutschen Aktien erwarten würden und mit Puffer auf einige der Titel setzen wollten. Aber wohl gemerkt: Von steigenden oder zumindest gleich bleibenden Kursen während der Laufzeit sollten sie die Interessenten schon überzeugt sein. Bei Capped-Bonuszertifikaten etwa sei der Anspruch auf den Bonus perdu, wenn der Kurs des Basiswertes eine festgelegte Kursschwelle während der Laufzeit berührt oder unterschreite. Und eine hohe implizite Vola bedeute nun einmal, dass Marktteilnehmer bei der Aktie große Ausschläge für wahrscheinlich halten würden. (Ausgabe 3 vom 07.02.2012) (08.02.2012/zc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.