Kiel (aktiencheck.de AG) - Die Experten vom "ZertifikateAnleger" stellen in ihrer aktuellen Ausgabe Discount-Zertifikate auf die
SMA Solar Technology-Aktie (
ISIN DE000A0DJ6J9 /
WKN A0DJ6J ) vor.
Solaraktien - vor kurzem noch Höhenflieger an der Börse - würden Anlegern derzeit wenig Freude machen. Die Bundesregierung wolle die Einspeisevergütung schneller und drastischer kürzen als ursprünglich geplant. Diese Ankündigung belaste die Branche schwer und habe die Kurse zuletzt ordentlich purzeln lassen. Viele Analysten würden die Situation deutscher Anbieter von Photovoltaikanlagen auch aufgrund harter Konkurrenz aus Fernost derzeit kritisch einschätzen. Neue Impulse für die Branche könnten aus dem Ausland kommen.
Nun sei die Katze aus dem Sack: Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen wolle die Vergütungssätze für Strom aus Photovoltaik bei Dachanlagen zum ersten April einmalig um 15 Prozent absenken, bei Freiflächenanlagen zum ersten Juli. Ein entsprechendes Eckpunktepapier habe sein Ministerium in der vergangenen Woche vorgelegt.
Berichte über eine mögliche Subventionssenkung würden seit Wochen die Solaraktien belasten. Die jetzt veröffentlichten Pläne würden in Hinblick auf die Höhe der Kürzung und den Zeitpunkt zumindest Klarheit schaffen. Kurzfristig sei ab Quartal zwei mit einem deutlich negativen Einfluss auf die Branche zu rechnen, habe Sven Kürten, Analyst der DZ Bank in Frankfurt, bereits vor Bekanntwerden der Details gesagt. "Mittelfristig macht die Subventionskürzung viel Sinn, da Solarstrom dadurch schneller wettbewerbsfähig zu konventionell erzeugtem Strom wird."
Strom aus der Sonne werde der Bundesregierung viel zu teuer. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) schreibe den Energiekonzernen vor, Strom aus alternativen Quellen wie Sonne oder Windkraft zu einer fixen Vergütung abzunehmen. Diese Vergütung werde über einen langen Zeitraum garantiert, sie liege trotz einer turnusgemäßen Reduzierung zum Jahresbeginn 2010 mit rund 39 Cent je Kilowattstunde deutlich über dem Preis von konventionell erzeugtem Haushaltsstrom. Die Stromkonzerne würden die Kosten für die Vergütung auf den allgemeinen Strompreis aufschlagen. So wird die Subvention von allen Stromkunden bezahlt.
Bei der Festlegung der Einspeisevergütung seien Prognosen über die Neuinstallation von Solarstromanlagen zugrunde gelegt worden. "Mittlerweile übertrifft der Zubau die Prognosen um ein Vielfaches", kritisiere der Verbraucherzentrale Bundesverband. Er habe in den kommenden drei Jahren Mehrkosten in Höhe von 40 Milliarden Euro errechnet, sollte das EEG nicht angepasst werden. Die Verbraucherschützer hätten der Bundesregierung unter anderem eine einmalige Senkung der Einspeisevergütung um 30 Prozent vorgeschlagen.
Doch schon die im Entwurf vorgesehene 15-Prozent-Kürzung stoße der Branche bitter auf. "Wenn die zusätzlichen Kürzungspläne im zweistelligen Prozentbereich Gesetz würden, stehen dutzende deutsche Solarunternehmen vor der Insolvenz oder wären gezwungen, ihre Produktion aus Deutschland zu verlagern", sage Günther Cramer, Präsident des Bundesverbands Solarwirtschaft.
Deutschland gelte als einer der wichtigsten Absatzmärkte für Photovoltaikanlagen, obwohl bundesweit bislang nur rund ein Prozent des erzeugten Stroms aus Sonnenenergie gewonnen werde. Mit der Wirtschaftskrise, der Preiskorrektur bei konventioneller Energie und dem verstärkten Auftreten ausländischer Anbieter habe sich das Umfeld für die Solarfirmen zuletzt ohnehin deutlich verändert.
So sei im August 2009 eine Goldman Sachs-
Analysebekannt geworden, nach der staatlich subventionierte chinesische Hersteller Photovoltaikmodule um bis zu 30 Prozent billiger produzieren könnten als hiesige Firmen. Solche Nachrichten würden von den Investoren entsprechend negativ quittiert. Die Aktien von Solarworld, Q-Cells und Solon würden heute allesamt unter ihren Werten von vor einem Jahr notieren.
Solarworld habe beim Börsengang 1999 zu den ersten Solaraktien weltweit gezählt. Vor wenigen Tagen erst habe das "Handelsblatt" das Papier aufgrund seiner historischen Entwicklung zur besten deutschen Aktie der Dekade gekürt. Das Unternehmen sei auf allen Wertschöpfungsstufen vom Rohstoff Silizium bis zur fertigen Solarstromanlage engagiert und habe nach eigenen Schätzungen 2009 erstmals einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro erzielt.
Aufgrund seiner relativen MarktsteIlung habe Solarworld unter den deutschen Herstellern mit die besten Aussichten, urteile Analyst Sven Kürten von der DZ Bank. Ähnlich hätten sich nach Informationen des Börseninformationsdienstes ARIVA.DE zuletzt auch Experten von Independent Research geäußert. Doch es gebe auch kritische Stimmen: Analysten von UBS würden derzeit empfehlen, die Aktie zu verkaufen.
Anders als Solarworld habe sich Konkurrent Q-Cells in der Vergangenheit auf einen bestimmten Teil der Wertschöpfungskette, die Produktion von mono- und multikristallinen Solarzellen aus Silizium, konzentriert, also weder Vorprodukte wie Silizium-Wafer noch anschlussfertige Solarmodule hergestellt. Das Unternehmen forsche heute auch an der so genannten Dünnschichttechnik und strebe den Einstieg in die Waferproduktion an.
Eine rückläufige Nachfrage nach Solarzellen, Überkapazitäten und wachsender Wettbewerb aus Asien hätten in den ersten neun Monaten 2009 zu einem drastischen Umsatzrückgang bei Q-Cells geführt. Streitigkeiten mit der chinesischen Firma LDK Solar über einen Liefervertrag für Wafer habe das Unternehmen aus der Welt schaffen können. Zudem habe Q-Cells ein Kostensenkungsprogramm inklusive Stellenabbau gestartet.
Vor dem Hintergrund "eines erwarteten, kurzfristigen Nachfragedips" sei die Q-Cells-Aktie noch zu hoch bewertet, habe DZ-Bank-Analyst Sven Kürten Anfang vergangener Woche geurteilt. Nach Einschätzung der WestLB sei mit den Plänen der Regierung das Wachstum von Q-Cells in Gefahr. Das Unternehmen befinde sich im Ausland nicht in einer ausreichend starken Position, um die in Deutschland fehlenden Solarprojekte über das erste Halbjahr hinaus ausgleichen zu können.
Auch für Solon, Phoenix Solar oder SMA Solar Technology hätten die Analysten ihre Einstufungen aufgrund der jüngsten Entwicklung überdacht. SMA Solar Technology schneide mit seiner Ausrichtung auf die Produktion von Solar-Wechselrichtern und Überwachungssystemen für Photovoltaikanlagen und aufgrund seiner Marktstärke dabei vergleichsweise gut ab. Allerdings habe Konzernchef Günther Cramer im Interview der "Financial Times" vom Mittwoch einen Margenrückgang in 2010 nicht ausgeschlossen.
Dem internationalen Geschäft komme für die Unternehmen künftig wohl eine größere Bedeutung zu. Branchenbeobachter hätten bislang für den deutschen Markt ein Wachstum in Höhe von etwa zehn Prozent in 2010 vorhergesagt, nun drohe sogar eine deutliche Schrumpfung. Wohl dem also, der sich frühzeitig international ausgerichtet habe.
Wem die Rendite einer Solaranlage auf dem Dach künftig nicht mehr groß genug sei, biete Solarworld seit wenigen Tagen übrigens eine Alternative an. Das Unternehmen habe als erstes der Branche eine Anleihe im Umfang von 400 Millionen Euro platziert. Die Verzinsung betrage 6,15 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von sieben Jahren.
Auf die Aktie von SMA Solar Technology-Aktie gibt es unter anderem Discount-Zertifikate (
ISIN DE000DB4E3G9 /
WKN DB4E3G) der Deutschen Bank sowie ein Discount-Zertifikat (
ISIN DE000DZ6WJR1 /
WKN DZ6WJR ) der DZ Bank, so
die Experten vom "ZertifikateAnleger". (Ausgabe 1 vom 28.01.2010) (29.01.2010/zc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.