Erdgas interessante Entwicklungen


10.02.12 09:36
Meldung
 
München (aktiencheck.de AG) - Beim US-Erdgas, dem fast schon totgesagten Rohstoff, gibt es plötzlich Leben - ausgehend vom Preisniveau von 2,30 USD zeigt der Preis impulsive Kursanstiege, so die Experten von "BörseGo" in ihrem "Rohstoff-Report".


Sei das der Boden für US-Erdgas? Könne sein. US-Erdgas sei das günstigste der Welt. In China werde für ein- und dieselbe Menge der mehr als fünffache Preis gezahlt. Grund für die niedrigen Preise sei ein starkes Überangebot, das durch die vor einigen Jahren erst ökonomisch möglich gewordene Erschließung von unkonventionellem Gas, so genanntem Schiefergas hervorgerufen worden sei. Jetzt schockiere aber das US-Energieministerium: Die USA hätten lediglich 482 Billionen Kubikfuß an förderbarem Schiefergas - 42% weniger als bislang angenommen.

Die Korrektur werde auf einen Schätzfehler zurückgeführt, ausgelöst durch ungenaue Informationen, heiße es. Ursprünglich sei die förderbare Menge noch auf 827 Billionen Kubikfuß geschätzt worden. Besonders das Marcellus-Schiefergas enttäusche die Erwartungen. Die Korrektur dort: -66%.

Die Experten hätten im "Rohstoff-Report" 9/2010 vom 5. Mai schon den Texaner Energieanalyst Henry Groppe zitiert. Er habe damals bereits vermutet, dass die Industrie komplett bei den Vorkommen schummle. Der 80-Jährige, bekannt dafür, große Bewegungen in der Vergangenheit richtig prognostiziert zu haben, habe gesagt: Die Hoffnungen der Industrie auf Gasschiefer seien überzogen. Die Reservoirs, die mit horizontalen Bohrmethoden erschlossen würden, würden schnell erschöpft sein und im Sommer könnte es in den USA zu einer ernsten Mangelversorgung bei Erdgas kommen, die keiner erwarte. Das Timing habe nicht gestimmt, sehr wohl aber die Vermutung.

Erdgas schicke sich an, einen Boden auszubilden. Viel tiefer als 2,30 USD werde es nicht gehen. Das hätten Analysten von JP Morgan und der Societe Generale bereits Anfang Januar vermutet. Sie hätten geschrieben, dass Gaskonzerne ihre Fördermengen drosseln würden, wenn der Gaspreis unter 2,30 USD fallen würde. Tatsächlich habe Gas Mitte Januar einen Preis von 2,25 USD erreicht und sei dann in einem Tag um 18% nach oben gesprungen.

Eine Problematik müsse man allerdings verstanden haben, wenn es um Erdgas-Investments gehe: Die Terminkurve von Erdgas steige dermaßen stark, dass sich der Preis langfristig nur schwer abbilden lasse. Erdgas für sofortige Lieferungen koste 2,56 USD - Lieferungen in einem Jahr seien schon 41% teurer. Das heiße: Wenn man ein Produkt auf Erdgas kaufe, dann müsse der Preis auf Jahressicht schon um 41% steigen, nur dass der Einstiegskurs gehalten werden könne, und an dem Punkt sei noch nichts verdient.

Für spekulativere Anleger habe Goldman Sachs erst vor kurzem neue Optionsscheine mit festen Kontraktlaufzeiten emittiert, durch die sich zwischenzeitliche Rollverluste vermeiden lassen würden. Zwar bestehe hier kein zwischenzeitliches Knock-Out-Risiko wie bei einem Turbo, doch würden die Produkte den Gesetzmäßigkeiten klassischer Optionsscheine folgen und unterlägen so z. B. dem Volatilitätseinfluss. Darüber hinaus lägen die Basispreise, ab denen eine gehebelte Partizipation möglich sei, beispielsweise bei einem Produkt (ISIN DE000GS804E0 / WKN GS804E ) mit Laufzeit Dezember 2012 schon bei 4,20 USD, sodass sich die im Future-Kurs eingepreiste Zukunft auch tatsächlich als realistisch erweisen sollte, um überhaupt in Richtung Gewinnzone zu gelangen.

Wer dagegen auf Knock-Out-Papiere setzen möchte, werde ganz unmittelbar von der Rollproblematik eingeholt. Ein Mini-Future-Produkt (ISIN DE000DZ8ABW0 / WKN DZ8ABW ) der DZ BANK mit einer Basis bei 0,70 USD besitze einen Hebel von 1,32, während der Basispreis bei einem entsprechenden Papier (ISIN DE000BP2VLT8 / WKN BP2VLT ) der BNP Paribas 1,48 USD betrage. Der Hebel liege hier bei 2,32.

Die Schweizer Bank Vontobel habe sich bereits 2009 Gedanken gemacht, wie man negative Rollrenditen am Gasmarkt vermeiden könne. Herausgekommen sei mit dem Endlos-Zertifikat (ISIN DE000VFP9NG0 / WKN VFP9NG ) auf den in Zusammenarbeit mit der Structured Solutions AG entwickelten Natural-Gas Strategy-Index ein Papier, das situationsbedingt flexibel zwischen Rohstoff- und Aktienmarkt hin- und her wechsle. Dabei werde auf monatlicher Basis in einer Contango-Situation in Erdgasaktien, bei "Backwardation" jedoch in entsprechende Rohstoff-Futures mit mindestens dreimonatiger Laufzeit investiert.

Die Aktienanlage erfolge in diesem Zusammenhang über einen halbjährlich reallokierten Basket, bestehend aus den 15 nach Marktkapitalisierung größten Unternehmen aus den Bloomberg-Sektoren "Exploration & Production", "Pipelines" und "Gas-Distribution", wobei streng regelkonform bestimmte Mindestkriterien in Bezug auf Hauptsitz (USA), Marktkapitalisierung (mehr als 1 Mrd. USD), sowie durchschnittliches Tageshandelsvolumen (mehr als 1 Mio. USD) zugrunde gelegt würden. Die ausgeschütteten Dividenden würden in den Index reinvestiert. Das Zertifikat sei in EUR denominiert, aber nicht währungsgesichert. Jährlich werde eine Managementgebühr von 1,2 Prozent in Abzug gebracht.

Wer direkt in Erdgas-Indices investieren möchte, finde bei den Emittenten verschiedene Optimierungsansätze, die sich über Delta-1-Zertifikate umsetzen lassen würden. So biete wiederum Vontobel aus seiner J.P. Morgan Commodity Curve Index-Familie, je ein Endlos-Produkt mit (ISIN DE000VT10MW9 / WKN VT10MW ) bzw. ohne Währungssicherung (ISIN DE000VT1FCE6 / WKN VT1FCE ) auf den Natural Gas TR JPMCC-Index. Die Investition erfolge dabei streng regelbasiert entlang der gesamten Futures-Kurve mit einer Gewichtung der einzelnen Laufzeiten nach dem ausstehenden Kontraktvolumen.

Weitere Optimierungslösungen mit Währungssicherung kämen von Goldman Sachs in Form eines Endlos-Produkts auf den GSCI Natural TR A114 Strategy-Index, sowie von der RBS auf den RICI Enhanced Natural Gas TR-Index. Während man bei Goldman Sachs der Rollproblematik dadurch reduzieren möchte, indem man z. B. nur einmal pro Jahr einen Roll-Vorgang durchführe, werde bei dem RBS-Papier sogar gleich ein eigener "Roll-Kalender" erstellt. (Ausgabe 3 vom 09.02.2012) (10.02.2012/zc/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten: Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyseeinsehen.


 

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