Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Griechenland und sein Staatsdefizit sind nicht mehr die vorherrschenden Themen, so die Deutsche Börse AG.
Die zusätzlichen Sparmaßnahmen der griechischen Regierung hätten dazu geführt, dass dem Euro wieder mehr Vertrauen entgegengebracht werde. Die Schwäche des Euro gegenüber den verschiedenen Währungen sei vor allem auf die Schwierigkeiten Griechenlands und in diesem Sog Irlands, Portugals und Spaniens zurückzuführen gewesen. Das Vertrauen in die europäische Gemeinschaftswährung habe einen massiven Dämpfer erhalten.
Die Sorgen um den Bestand der Währungsunion hätten den Euro in übertriebenem Maße belastet, würden die Volkswirte der DekaBank schreiben. Doch weder ein Auseinanderbrechen der Eurozone noch ein Staatsbankrott Griechenlands hätten je zur Debatte gestanden, meine Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. "Das Budgetdefizit der Eurozone war im letzten Jahr mit 6 Prozent nicht ansatzweise so hoch wie das der USA oder Großbritanniens bei mehr als 12 Prozent. Und die eingeleiteten strukturellen Maßnahmen in der Eurozone gehen die Probleme an. Im Vergleich dazu pflegt die USA ihre Politik der Defizite weiter." Die USA sei der Defizit-Sünder schlechthin, während die EU ihre Hausaufgaben mache. Bis zum Jahresende werde die Neuverschuldung der USA Rekordhöhen bei 94 Prozent des BIP erreichen.
Seit der Einführung des Euro sei die Gemeinschaftswährung von der Debatte um ihre Auflösung begleitet. "Letztes Jahr sorgten sich die Marktteilnehmer unter Getöse um Österreich und Osteuropa, dieses Jahr stehen die PIIGS-Staaten im Fokus", sage Hellmeyer. Bei aller Kritik am Euro und den Zulassungskriterien bei der Einführung arbeite die EU-Kommission nun endlich nachhaltig gegenüber den Sündern der Eurozone. "Das Scheitern des Euro, das immer wieder diskutiert wird, werte ich als eine Kampagne der Finanzmächte aus London und aus New York, um von den zunehmenden Schwächen des US-Dollars abzulenken."
Die strukturellen Maßnahmen, die ergriffen würden, würden zeigen, dass man in der Eurozone in die richtige Richtung gehe. Die Diskussion über einen Europäischen Währungsfond sei Sinn stiftend. Es werde diskutiert, dass man auch Teilnehmer ausschließen könne. "Die Eurozone kann man als einen Gastraum verstehen. Wer sich hier nicht wie ein Gast, sondern wie ein Schmarotzer verhalte, sollte rausfliegen. Längerfristig dürfte sich der Euro gegenüber dem US-Dollar wieder auf einem Niveau von 1,40 US-Dollar einpendeln.
Auch die Stärke des Japanischen Yen gegenüber dem Euro würden
Analysten auf die Friktionen in der Eurozone zurückführen. "Die Bank of Japan hat heute ihre Nullzinspolitik bestätigt und wird mittel- bis langfristig daran festhalten. Die Konjunktur erfährt nach wie vor eine nachhaltige Subventionierung", beschreibe Hellmeyer die Situation. Die Deflation und die erforderlichen Maßnahmen der Politik sollten den Yen weiterhin belasten. Die Wachstumspotenziale in der Eurozone seien ungleich höher. Investoren würden hier vor allem auf einen fallenden Yen gegenüber dem Euro setzen. Ebenso auch die Anleger, die die neu an der Börse Frankfurt handelbaren ETNs bevorzugen würden. Sie würden den ETFS SHORT JPY LONG EUR (
ISIN DE000A1DFSF0 /
WKN A1DFSF) kaufen.
Ähnlich wie die USA sei Großbritannien in einer Defizitklemme. Wahlen stünden an und dies mache das Parlament handlungsunfähig. "Die Versuche zur Eindämmung der konjunkturellen Probleme und der hohen Staatsverschuldung sind halbherzig", meine Hellmeyer. Das Britische Pfund habe in den vergangenen Wochen massiv gegenüber dem Euro verloren. Die heutige Erholung im Tagesgeschäft basierend auf den Arbeitsmarktdaten sei nicht nachhaltig. Dass sich vor den Wahlen an dieser Situation noch etwas ändern könnte, würden wenige Investoren glauben. Sie würden auf einen weiteren Verfall des Pfund mit dem ETFS SHORT GBP LONG EUR (
ISIN DE000A1DFSD5 /
WKN A1DFSD) und mit einem Knock-out-Schein (
ISIN DE000TB7AWW8 /
WKN TB7AWW ) setzen.
Der Schweizer Franken habe sich als sicherer Hafen in der Krise gezeigt und gegenüber dem Euro stark aufgewertet. Die Norwegische Krone habe sich gegenüber dem Euro in den vergangenen Wochen als stabil erwiesen. "Die Februar-Pause der Norges Bank bei ihren Zinserhöhungen führte dazu, dass sich der Aufwertungstrend der Krone zunächst nicht fortsetzte", würden die Volkswirte der DekaBank schreiben. Sie würden diese Entwicklung nicht erstaunlich finden, denn seit Ende 2008 habe die Krone um rund 20 Prozent gegen den Euro zugelegt. "Wir rechnen auf Sicht von sechs Monaten mit wenig Veränderung, ab dem Jahreswechsel aber wieder mit einem stärkeren Euro, wenn die EZB-Zinserhöhungen näher kommen." (17.03.2010/zc/a/a)