Edinburgh (aktiencheck.de AG) - Mit einem aufs Jahr hochgerechnete, annualisierte Plus von 5,9 Prozent konnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA im vierten Quartal das stärkste Wachstum seit sechs Jahren verzeichnen, berichten die Analysten der Royal Bank of Scotland in ihrer aktuellen Ausgabe "Märkte & Zertifikate weekly".
An der Börse habe diese Meldung, die am vergangenen Freitag über die Ticker gelaufen sei, allerdings nur begrenzt für Freude gesorgt. Denn bei einem genaueren Blick auf das Zahlenwerk würden einige Probleme offenbar, mit denen die US-Ökonomie grundsätzlich zu kämpfen habe. Ein Großteil des Wachstums, knapp 3,9 Prozent, gehe auf höhere Lagerbestände zurück. Das sei aber ein Faktor, der nur von Dauer sein könne, wenn die Nachfrage durch die Verbraucher mitspiele. Und genau hier hapere es. Mit einem Zuwachs von 1,7 Prozent sei diese schwächer ausgefallen als zunächst mit 2 Prozent angenommen. Eine Entwicklung, die nachdenklich stimme, wenn man bedenke, dass rund 70 Prozent des US-BIP durch den privaten Konsum hervorgerufen werde.
Wenn man dann noch in Rechnung stelle, dass die Arbeitslosenquoten mit 9,7 Prozent unverändert hoch seien und über 300.000 Eigenheime vor einer Zwangsvollstreckung stünden, weil ihre Besitzer die Kaufraten nicht mehr zahlen könnten, werde klar, auf welch wackligen Beinen die US-Ökonomie stehe. Breche der Konsum weiter ein, drohe der Wirtschaft ein herber Rückschlag. Wie ernst die Situation sei, zeige eine Überlegung, die derzeit in der US-Regierung diskutiert werde: ein Verbot der Zwangsvollstreckungen.