Evonik startet mit einem Umbau ins neue Jahr, der tief in die Struktur des Konzerns eingreift: Die Infrastrukturaktivitäten wurden in eine eigene Gesellschaft ausgelagert. Während operativ Fakten geschaffen werden, bleibt die Aktie in einem schwachen Trend gefangen. Wie passt das zusammen?
SYNEQT: Infrastruktur in eigener Einheit
Zum 1. Januar 2026 hat Evonik seine Infrastrukturservices in die neue Tochtergesellschaft SYNEQT GmbH überführt. Damit werden Leistungen, die bisher im Konzern verteilt waren, gebündelt.
Kernpunkte des Schritts:
- Rund 3.500 Mitarbeiter wechseln in die neue Einheit
- Bündelung von Standortservices, Logistik und Energieversorgung
- Fokus vor allem auf die Chemieparks Marl und Wesseling
- Umsatzvolumen des Bereichs: rund 1,8 Milliarden Euro
Mit der rechtlichen Verselbstständigung verfolgt Evonik mehrere strategische Ziele. Zum einen soll die Komplexität im Konzern reduziert werden. Zum anderen werden stille Reserven in der Bilanz sichtbarer, weil die infrastrukturnahen Vermögenswerte nun klar abgegrenzt sind.
Damit schafft der Konzern die Basis für:
- den Einstieg externer Finanzinvestoren,
- strategische Partnerschaften oder
- eine spätere Monetarisierung der Infrastruktur, etwa über Teilverkäufe oder Joint Ventures.
Am Markt wird dieser Schritt daher als Vorbereitung verstanden, Kapital aus nicht zum Kerngeschäft zählenden Assets zu lösen und für wachstumsstärkere Bereiche verfügbar zu machen.
Schwache Aktie trotz Umbau
An der Börse spiegelt sich die strategische Neuaufstellung bislang nicht in steigenden Kursen wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 13,31 Euro und liegt damit nur knapp über ihrem 52‑Wochen-Tief. Auf Sicht von zwölf Monaten beträgt das Minus rund 20 Prozent.
Charttechnisch zeigt sich ein angeschlagenes Bild:
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- Der Titel notiert etwa 40 Prozent unter dem 52‑Wochen-Hoch von 22,26 Euro.
- Der Kurs liegt nur wenige Prozent über dem 52‑Wochen-Tief von 12,83 Euro.
- Im Wochenvergleich verlor die Aktie zuletzt deutlich.
Auch die technischen Indikatoren signalisieren Druck. Der Relative-Stärke-Index (RSI) liegt mit 15,8 klar im überverkauften Bereich, was auf eine starke Abwärtsbewegung in kurzer Zeit hinweist. Zudem handelt die Aktie spürbar unter ihrem 200‑Tage-Durchschnitt von 16,45 Euro – ein klassisches Anzeichen für einen intakten Abwärtstrend.
Kurzfristige Erholungsversuche scheiterten bislang im Bereich um 14 Euro. Die Marktteilnehmer honorieren die Umstrukturierung der Infrastruktur also bislang nicht mit höherer Bewertung, sondern bleiben zurückhaltend.
Goldman Sachs klar skeptisch
Auf der Analystenseite kommt zusätzlicher Gegenwind. Goldman Sachs hat seine Einschätzung bereits im vierten Quartal 2025 von „Neutral“ auf „Sell“ gesenkt. Das Kursziel wurde auf 11,60 Euro festgelegt und liegt damit spürbar unter dem aktuellen Kursniveau.
Die Begründung der US-Investmentbank:
- weiterhin schwieriges Umfeld in der Spezialchemie,
- hoher Wettbewerbsdruck durch chinesische Importe,
- besonders belastet: die Segmente Crosslinkers und Silica.
Andere Institute wie UBS agieren zurückhaltender und stufen die Aktie derzeit mit „Neutral“ ein. Die Abspaltung der Infrastruktursparte wird dort zwar als folgerichtiger Schritt bewertet, aber ohne unmittelbaren Kurstreiber, solange keine konkreten Investorenlösungen oder Transaktionen kommuniziert werden.
Fazit: Strategische Weichen, aber kein Trendbruch
Mit der Gründung der SYNEQT GmbH setzt Evonik einen klaren strategischen Akzent und schafft Optionen zur späteren Monetarisierung seiner Infrastruktur. An der Börse dominiert jedoch weiterhin die Skepsis gegenüber der Branche und dem Ergebnisdruck in einzelnen Spezialchemie-Segmenten.
Kurzfristig bleibt entscheidend, ob der Bereich um das jüngste Jahrestief nahe 12,83 Euro hält. Ein nachhaltiger Bruch dieser Zone würde den bestehenden Abwärtstrend bestätigen und aus technischer Sicht weiteres Abwärtspotenzial eröffnen. Umgekehrt hätte eine Stabilisierung mit anschließender Rückkehr über die Region um 14 Euro Signalwirkung für eine mögliche Bodenbildung. In der aktuellen Konstellation bleibt die Aktie damit vor allem ein Titel im Restrukturierungsmodus, bei dem operative Fortschritte und Marktumfeld eng zusammenspielen müssen, um den Kurs nachhaltig zu entlasten.
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