BayWa Aktie: Klagen und Kapitallücke

BayWa sieht sich mit Sammelklagen, staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und einer Finanzierungslücke von 2,7 Milliarden Euro konfrontiert. Prognosen wurden gestrichen und die Aktie verliert deutlich.

Felix Baarz ·
BayWa Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Anwaltskanzlei kündigt Schadensersatzklagen für Aktionäre an
  • Staatsanwaltschaft ermittelt gegen frühere Vorstände
  • Finanzierungslücke von 2,7 Milliarden Euro im Sanierungsplan
  • Aktienkurs notiert deutlich unter Jahreshoch

Eine Anwaltskanzlei bereitet Klagen für Tausende Aktionäre vor, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen frühere Vorstandschefs, und im Sanierungsplan klafft eine Lücke von 2,7 Milliarden Euro. Bei BayWa verdichten sich die Probleme.

TILP greift an

Die Kanzlei TILP kündigt Schadensersatzklagen für alle an, die zwischen Januar 2022 und Januar 2026 BayWa-Aktien erworben haben. Grundlage ist eine BaFin-Rüge: Die Aufsicht bemängelt, dass BayWa im Lagebericht 2023 wesentliche Details zu einem Milliardenkredit und die Refinanzierungsrisiken einer 500-Millionen-Euro-Anleihe verschwiegen hatte.

Parallel dazu ermittelt die Staatsanwaltschaft München I gegen frühere Vorstandschefs — darunter Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger — wegen Untreue und vorsätzlich falscher Darstellung von Liquiditätsrisiken. Für alle Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung.

Auch der bisherige Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers steht unter Druck. PwC erteilte für 2023 ein uneingeschränktes Testat, ohne auf existenzgefährdende Risiken hinzuweisen. BayWa schreibt das Prüfmandat ab 2026 neu aus. BaFin und die Abschlussprüferaufsichtsstelle Apas führen entsprechende Verfahren.

Cefetra-Zahlung als erster Test

Noch im April erwartet BayWa rund 45 Millionen Euro aus dem Cefetra-Verkauf sowie etwa 62 Millionen Euro aus der Rückzahlung von Gesellschafterdarlehen. Die Entkonsolidierung von Cefetra soll die Bankverbindlichkeiten um mehr als 600 Millionen Euro senken — ein wichtiges Signal für die Gläubigerbanken. Deren Zustimmung zur Verlängerung der Stillhaltevereinbarung bis Herbst 2026 ist entscheidend.

Das Problem: Diese Mittelzuflüsse lösen die strukturelle Krise nicht. Durch gestrichene Subventionen im US-amerikanischen „One Big Beautiful Bill Act“ verlieren die erneuerbaren Energieprojekte massiv an Wert. Der geplante Verkauf einer 51-Prozent-Beteiligung an der Energiesparte sollte 2028 rund 1,7 Milliarden Euro bringen. Dieser Plan ist hinfällig.

Statt eines EBITDA von 230 Millionen Euro im Jahr 2028 rechnet BayWa nun erst für 2030 mit 150 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang von rund 35 Prozent.

Verkäufe füllen die Lücke kaum

Goldman Sachs soll nun den Verkauf der neuseeländischen Apfel-Tochter T&G Global vorbereiten. T&G erzielte 2024 einen Umsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar und kehrte mit 16 Millionen US-Dollar Nettogewinn in die Gewinnzone zurück. Die erwarteten Erlöse von rund 300 Millionen Euro füllen die Milliardenlücke aber kaum — zumal die Hongkonger Minderheitsaktionärin Joy Wing Mau Group den Prozess bremst.

Im Aufsichtsrat haben drei Mitglieder Konsequenzen gezogen. Monika Hohlmeier und Michael Höllerer legten ihre Mandate Ende März nieder, Monique Surges folgt Ende Mai.

Das Management hat die Prognose für 2026 gestrichen und das EBITDA-Ziel für 2027 auf rund 140 Millionen Euro gesenkt. Bis Ende 2028 soll der Konzern auf vier Kerngeschäftsfelder schrumpfen und rund 1.300 Stellen abbauen. Der Konzernabschluss 2025 wurde auf das vierte Quartal 2026 verschoben — Investoren müssen damit ohne aktuelle Bewertungsgrundlage auskommen. Die Aktie notiert mit rund 14,50 Euro gut 32 Prozent unter ihrem Jahreshoch und hat seit Jahresbeginn knapp 14 Prozent verloren. Bankeneinigung im Herbst und testierter Jahresabschluss — beides frühestens Ende 2026 — sind die nächsten konkreten Wegmarken.

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BayWa Aktie

12,75 EUR

KGV 0,00
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 833,92 Mio. EUR
ISIN: DE0005194005 WKN: 519400

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