Öl bei 108 Dollar – und die Fed kann nur zusehen

Der Rohölpreis steigt über 108 Dollar, während US-Behörden Kryptowährungen als digitale Rohstoffe einstufen. Die Fed steht vor einem Dilemma zwischen Inflation und Wirtschaftsabschwung.

Kurz zusammengefasst:
  • Brent-Öl erreicht über 108 Dollar je Barrel
  • Fed-Chef Powell in geldpolitischer Zwickmühle
  • SEC klassifiziert Bitcoin und Co. als digitale Rohstoffe
  • Deutsche Kommunen mit massivem Haushaltsdefizit

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern stellte ich Ihnen die Frage, auf welcher Seite der großen Kluft Ihr Portfolio steht – physische Welt gegen digitale Welt. Heute liefern die Märkte eine Antwort, die drastischer ausfällt als erwartet. Brent-Rohöl hat die 108-Dollar-Marke gerissen, die SEC erklärt Krypto-Assets zu digitalen Rohstoffen, und Jerome Powell muss in wenigen Stunden vor die Kameras treten, ohne auch nur einen einzigen Hebel in der Hand zu halten. Ein Mittwoch, der Portfolios spaltet.

Powells leere Hände

Wenn um 19:00 Uhr die Türen in Washington aufgehen, wird der Fed-Chef eine Botschaft verkünden, die niemanden überrascht: Der Leitzins bleibt bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Spannend ist etwas anderes.

Seit Israels Angriff auf iranische Gasanlagen am South-Pars-Feld und Teherans Raketenantwort auf Tel Aviv fehlen dem Weltmarkt neun Millionen Barrel tägliche Förderkapazität. Der Ölpreis ist nicht gestiegen – er ist explodiert. Von der 100-Dollar-Marke, die ich Ihnen gestern beschrieb, auf über 108 Dollar innerhalb von Stunden. Die US-Erzeugerpreise für Februar kamen bereits mit einem Plus von 0,7 Prozent herein, mehr als doppelt so hoch wie erwartet. Der Energieschock droht, die Inflation auf ein neues Plateau zu heben.

Powell sitzt in der Falle, die sich seit Tagen zusammenzieht. Zinsen senken? Unmöglich bei diesem Inflationsdruck. Zinsen erhöhen? Würde die ohnehin angeschlagene Wirtschaft abwürgen. Entscheidend wird der Dot-Plot – die Zinsprognosen der einzelnen Fed-Mitglieder. Streichen sie die für 2026 geplante Lockerung komplett? Falls ja, wäre das ein Signal mit Sprengkraft für jeden zinssensitiven Vermögenswert.

Berlin distanziert sich, die Kommunen bluten

Wie schnell die geopolitische Druckwelle Europa erreicht, zeigte sich in Berlin. Bundeskanzler Friedrich Merz wählte in seiner Regierungserklärung bemerkenswert klare Worte: „Wir hätten abgeraten.“ Deutschland hätte sich gegen den Angriff der USA und Israels gestellt, wäre man konsultiert worden. Parallel verlegt die NATO Patriot-Raketenabwehrsysteme aus Rheinland-Pfalz in die Türkei. Die Eskalation rückt näher an Europa heran, als vielen bewusst ist.

Unter der geopolitischen Oberfläche erodiert das Fundament. Der Deutsche Städtetag schlug Alarm: Über 30 Milliarden Euro Defizit – den Kommunen geht es so schlecht wie seit 1945 nicht mehr. Hohe Zinsen, wirtschaftliche Stagnation, steigende Sozialausgaben. Und wer nach einem Hoffnungsschimmer in der Industrie sucht, wurde ebenfalls enttäuscht: Thyssenkrupp Nucera, einst Hoffnungsträger für grünen Wasserstoff, kappte die Prognose. Das Segment erwartet nun einen operativen Verlust von bis zu 125 Millionen Euro.

Krypto bekommt sein Grundgesetz

Der Kontrast könnte schärfer kaum sein. Während Europas Industrie unter dem Energieschock ächzt, hat die digitale Ökonomie in den USA gerade ihren Urknall erlebt.

SEC und CFTC veröffentlichten ein 68-seitiges Regelwerk, das die Branche fundamental verändert. Die Kernaussage von SEC-Chef Paul Atkins: „Die meisten Krypto-Assets sind keine Wertpapiere.“ Bitcoin, Ethereum, Solana, XRP – sie alle werden fortan als „digitale Rohstoffe“ klassifiziert. Die SEC rückt damit von einer 22 Jahre alten, restriktiven Auslegung des Howey-Tests ab und gewährt Start-ups einen vierjährigen Safe Harbor. Das Damoklesschwert der regulatorischen Unsicherheit, das über der gesamten Branche hing, ist gefallen.

Die Kapitalströme reagierten sofort. Bitcoin durchbrach die 76.000-Dollar-Marke, befeuert von ETF-Zuflüssen in Höhe von knapp 1,5 Milliarden Dollar innerhalb von zwei Wochen und einem weiteren 1,5-Milliarden-Dollar-Kauf durch MicroStrategy. Gestern fragte ich, ob die Bitcoin-Rally struktureller Natur sei. Die Antwort wird mit jedem regulatorischen Meilenstein deutlicher: Institutionelles Kapital strömt in diesen Markt, weil es jetzt darf – nicht nur, weil es will.

KI-Superzyklus: Micron als Fieberthermometer

Nach US-Börsenschluss legt Micron Technology Quartalszahlen vor. Die Erwartungen sind gewaltig – über 140 Prozent Umsatzwachstum steht im Konsens. Micron liefert die HBM-Speicherchips, ohne die Nvidias Prozessoren nicht funktionieren. Wer wissen will, ob der KI-Investitionszyklus an Schwung verliert oder weiter beschleunigt, bekommt heute Abend eine Antwort.

Ein weiteres Detail verdient Aufmerksamkeit: Nvidia hat aus Peking grünes Licht erhalten, seine H200-Chips in China zu verkaufen. Die technologische Entkopplung zwischen den USA und China stößt offenbar an pragmatische Grenzen, wenn KI-Dominanz auf dem Spiel steht.

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Der Blick auf Micron verdeutlicht eine Logik, die viele Anleger noch unterschätzen: Die eigentlichen Profiteure des KI-Booms sitzen oft nicht im Rampenlicht, sondern tief in der Lieferkette – als unverzichtbare Zulieferer der großen Namen. Genau dieser Ansatz steht im Mittelpunkt eines kostenlosen Webinars der „Depot-Architekten“, in dem die Experten Dr. Bernd Heim und Jörg Mahnert zeigen, wie man gezielt jene spezialisierten Zulieferer identifiziert, die hinter Nvidia, Rheinmetall und Co. das eigentliche Wachstum liefern. Das Konzept verbindet ein wertorientiertes Basis-Depot aus bis zu zehn solchen Substanzwerten mit einer Hebelstrategie, dem sogenannten Schatten-Turbo, der normale Marktbewegungen dieser Zulieferer multipliziert. Zum Start erhalten Teilnehmer konkrete Einstiegspositionen in sechs Werte sowie drei sofort umsetzbare Hebel-Trades – 30 Tage lang kostenlos zum Testen. Zum kostenlosen Webinar: KI- und Rüstungs-Zulieferer im Depot-Check

Was das für Ihr Portfolio bedeutet

Zwei Anlage-Regime, die ich Ihnen gestern beschrieb, driften mit jedem Tag weiter auseinander. Die physische Welt – Öl, Industrieproduktion, kommunale Haushalte – wird vom geopolitischen Schock in die Zange genommen. Die digitale Welt – Krypto mit frischem Rechtsrahmen, KI mit explodierender Nachfrage – entzieht sich dieser Schwerkraft.

Achten Sie heute Abend auf die Zwischentöne. Wenn Powell signalisiert, dass die Fed eine ölpreisgetriebene Inflation tolerieren muss, um die Wirtschaft nicht vollends abzuwürgen, fließt Risikokapital weiter dorthin, wo Wachstum stattfindet. Und das ist derzeit nicht die Stahlbranche in Essen oder das Rathaus in Gelsenkirchen.

Herzlichst,

Ihr Eduard Altmann

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