Evonik gerät zunehmend zwischen die Fronten der Analysten. Während eine drastische Herabstufung durch Berenberg die Risiken betont, halten andere Häuser an deutlich höheren Kurszielen fest. Der Kurs liegt damit genau in der Spannungszone zwischen Pessimismus und vorsichtigem Optimismus – und charttechnisch nahe am Jahrestief.
Berenberg drückt den Daumen nach unten
Auslöser der jüngsten Diskussion ist eine neue Studie der Privatbank Berenberg. Die Analysten haben ihre Einstufung von „Hold“ auf „Sell“ gesenkt und das Kursziel von 14,60 auf 11,60 Euro deutlich nach unten angepasst. Gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag bei 13,24 Euro entspricht das einem rechnerischen Abwärtspotenzial von rund 12 Prozent.
Im Fokus der Kritik stehen vor allem strukturelle Themen:
- Margendruck im Methionin-Geschäft
- Zweifel an der Preissetzungsmacht im schwachen Marktumfeld
- Explizites Risiko einer Dividendenkürzung bei anhaltend schwacher Ertragslage
Damit rückt weniger eine kurzfristige Konjunktur-Delle, sondern vielmehr die Ertragsqualität in einem Kernsegment ins Zentrum der Bewertung. Kein Wunder, dass gerade der Hinweis auf die Dividende für zusätzliche Nervosität sorgt.
Breit gefächerte Kursziele
Der Berenberg-Pessimismus steht jedoch nicht allein. Andere Investmentbanken bewerten die Lage deutlich weniger kritisch – und machen die Bewertungsspanne für Evonik so breit wie selten.
Die wichtigsten Kursziele im Überblick (jeweils bezogen auf 13,24 Euro):
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- Barclays: 16,00 Euro – rund +21 % Potenzial, Rating „Equal Weight“
- JPMorgan: 14,00 Euro – etwa +6 % Potenzial (Stand Ende November)
- Deutsche Bank: 13,00 Euro – leicht unter aktuellem Kurs, rund -2 % (Stand 06.01.)
- Berenberg: 11,60 Euro – rund -12 % Potenzial, Rating „Sell“
Auffällig: Der aktuelle Kurs bewegt sich praktisch genau auf dem Niveau, das die Deutsche Bank als fairen Wert sieht. Zwischen dem optimistischen Ziel von Barclays und der vorsichtigen Linie von Berenberg spannt sich damit ein breiter Korridor auf, der die Unsicherheit im Markt gut widerspiegelt.
Charttechnik: Nähe zum Jahrestief
Charttechnisch bleibt das Bild angeschlagen. Die Aktie schloss am Freitag bei 13,24 Euro und liegt damit nur wenige Prozent über dem 52‑Wochen-Tief von 12,83 Euro. Vom Hoch bei 22,26 Euro im vergangenen Jahr ist der Titel dagegen weit entfernt – der Abstand beträgt rund 40 Prozent.
Die mittelfristigen Durchschnitte unterstreichen den bestehenden Abwärtstrend:
- Der Kurs notiert knapp unter dem 50‑Tage-Durchschnitt von 13,43 Euro.
- Gegenüber dem 200‑Tage-Durchschnitt von 16,27 Euro ergibt sich ein Abstand von fast 19 Prozent.
- Der 12‑Monats-Verlauf zeigt ein Minus von gut 20 Prozent.
Der Relative-Stärke-Index (RSI) auf 14‑Tage-Basis liegt mit 15,8 im stark überverkauften Bereich. Das signalisiert eine deutliche Marktschwäche, kann kurzfristig aber auch die Basis für technische Gegenbewegungen sein, falls es zu positiven Nachrichten kommt.
Fazit: Kritische Zone mit klaren Marken
Die Evonik Aktie befindet sich in einer heiklen Bewertungszone: Fundamentale Sorgen von Berenberg – insbesondere zu Margen im Methionin-Geschäft und einer möglichen Dividendenkürzung – treffen auf deutlich höhere Kursziele anderer Institute. Kurzfristig ist die Marke um 13,00 Euro charttechnisch entscheidend. Hält dieses Niveau, sind Stabilisierung und technische Erholungsversuche denkbar; ein Bruch würde das von Berenberg gesetzte Ziel von 11,60 Euro verstärkt in den Vordergrund rücken und den bestehenden Abwärtstrend bestätigen.
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