E*Trade auf dem langen Weg zur Besserung



15:47 09.02.10
Vor etwas über zwei Jahren war Mitch Caplan, CEO von E*Trade, so
ziemlich
der Erste, der die Alarmglocken für die wachsende Anzahl fauler Kredite,
insbesondere Immobilienkredite, im eigenen Hause läutete. Kein anderer
CEO
der großen Banken, die in den Jahren 2004 bis 2007 ziemlich skrupellos
Kredite an Jedermann ausgaben, ohne die Solvenz ordentlich zu prüfen,
wagte
es, das Drama in seiner Gänze offen zu legen.


So dauerte es nunmehr über
zwei Jahre und noch immer wissen wir bei einer ganzen Zahl von Banken
kaum,
wie groß deren gefährdete Kredite und Immobilienderivate wirklich sind.

MItch Caplan erkannte seinen Fehler, immerhin hatte er selbst dieses
Geschäft vorangetrieben, deckte alle Zahlen auf und musste kurze Zeit
später seinen Hut nehmen. Für zwei Jahre war nun Don Layton Interims-CEO
und er schaffte es, E*Trade die Eigenständigkeit zu bewahren. Die
Abschreibungen auf Kredite fraßen in die Kapitaldecke des Unternehmens.
Eine Liquiditätsspritze von Citadel in Höhe von zwei Milliarden USD half
dem Unternehmen über die Runden, doch erst die Umwandlung der zunächst
als
Anleihen ausgegebenen Papiere in Aktien sorgte für eine verträgliche
Bilanz. So ist Citadel heute der größte Aktionär von E*Trade und hat
einen
Sitz im Aufsichtsrat.

Im 3. Quartal 2009 hat Don Layton vollständig ausgemistet. Statt des
erwarteten Verlustes von sechs Cents je Aktie nahm er Abschreibungen auf
die ausstehenden Kredite vor, die den Verlust auf 66 Cents je Aktie
erhöhten. Für mich sieht das so aus, als wolle er ein sauberes Haus
übergeben, denn zum 31.12.2009 endete der Interims-Vertrag mit Layton.

Nun sucht E*Trade einen neuen CEO und vermeldete vor zwei Wochen auf der
Pressekonferenz zum Quartalsergebnis, dass es einen Wunschkandidaten
gebe,
mit dem man in Verhandlung stehe. Derzeit ist E*Trade also kopflos.

Das Quartalsergebnis des 3. Quartals lag nun mit einem Verlust von 4
Cents
je Aktie im Rahmen der Erwartungen. Die Abschreibungen auf Kredite gehen
deutlich zurück. Das niedrige Zinsniveau ermöglicht es dem Untenehmen,
die
Kredite günstig zu refinanzieren und somit einen Zinsgewinn zu
erwirtschaften. Der sich stabilisierende Immobilienmarkt und die
anziehende
Wirtschaft helfen den Kreditnehmern, ihre Schulden ordentlich
abzutragen.

Doch das eigentliche Kerngeschäft von E*Trade, das Brokerage-Geschäft,
steht nunmehr unter Druck. Nach den turbulenten Handelsumsätzen an der
Börse während der Finanzkrise ebbt das Interesse von Privatanlegern an
der
Börse nun ab. Die Anzahl der Transaktionen ging im 4. Quartal 2009 um
16%
zurück. Auch andere Online-Broker wie Charles Schwab und TD Ameritrade
haben dies gespürt und starteten einen heftigen Preiskampf. So hat nun
auch
E*Trade den Orderpreis von 12,99 auf 9,99 USD gesenkt.

E*Trade hat also drei Baustellen: Das große Volumen an schlechten
Krediten.
Dort ist Besserung in Sicht. Die Kopflosigkeit. Dort ist ein Kandidat in
Sicht. Und das rückläufige Kerngeschäft. Hier ist eine neue Strategie
gefragt.

Mit hohen Verlustvorträgen und einer guten liquiden Ausstattung ist
E*Trade
zudem ein attraktives Übernahmeziel und nicht erst einmal kursierte das
Gerücht über eine mögliche Übernahme durch TD Ameritrade. Bislang haben
sich die Gerüchte jedoch zerschlagen.

Fazit: Wenngleich die alten Probleme langsam gelöst werden, so scheint
mir
das Geschäftsmodell von E*Trade derzeit nicht besonders attraktiv. Es
gibt
einen Verdängungswettbewerb, bei dem kapitalkräftigere Wettbewerber
vermutlich die besseren Karten haben. Ich würde mit einem Investment
also
warten, bis ein neuer CEO seine Strategie kund tut. Manchmal wird schon
allein durch die Nominierung des CEOs offensichtlich, wohin die Reise
gehen
wird. Denn jeder CEO hat eine Vorgeschichte, hat Stärken und
Kompetenzen.

Weitere Analysen können Sie gerne in meinem kostenfreien Börsenbrief
unter
http://heibel-ticker.de
nachlesen. Ich freue mich auf Sie.

Take share,

Stephan Heibel

Chefredaktion
Heibel-Ticker




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Über den Autor
 
Autor: Stephan Heibel Stephan Heibel,
Heibel-Ticker

Stephan Heibel schrieb 1998 erstmals seinen Börsenbrief und ist heute Herausgeber und Chefredakteur des Heibel-Ticker Börsenbriefes. Als Diplom Volkswirt legt er besonderen Wert auf das Verständnis für die Finanzmärkte. Empfehlungen werden aus der Erklärung der aktuellen Entwicklungen abgeleitet. die kostenfreie Version können Sie hier beziehen: www.heibel-ticker.de

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