Emotionen müssen immer erst hinter dem Stopplevel aufkommen, aber nie davor ...



08:08 29.07.10

Berufshändler Michael Voigt im Interview                          
 
Q: Erzaehlen Sie uns ein bisschen ueber sich und Ihren Weg zum Trading allgemein: Was hat Sie zum Trading geführt?

Ich trade seit 1991 aktiv. Die Motivation ergab sich aus familiären Gegebenheiten, da dort umfangreiche Kontakte zu Handelsbüros vorhanden waren. Ohne diese Kontakte und die mit dem ersten Tag beginnende umfangreiche Einführung wäre das Thema »Börsenhandel« niemals zu einer Profession geworden.




Ich bin einem Handelsgruppe als Berufshändler angeschlossen. Hierbei handelt es sich nicht um eine klassische Vermögensverwaltung Geld rein, Geld raus , sondern um seit Jahrzehnten feststehende Handelsmandate.

Q: Wie sieht ein typischer Trading Tag bei Ihnen aus?

Um das zu beantworten, stellt sich kurz die Frage, was es eigentlich heißt, zu spekulieren. Spekulieren entstammt dem lateinischen speculari und bedeutet beobachten. Und genau DAS ist es doch, worum es sich im Trading eigentlich dreht: SUCHEN, nicht etwa INTERPRETIEREN! Das ist mein Job. Nichts anderes. »Suchen« steht bei mir im »Arbeitsvertrag«, nicht etwa »den aktuellen Markt permanent beobachten«.
Dies müsste eigentlich auf jeder ersten Seite einer Kontoeröffnung, jedem Buch und Seminar zu diesem Thema als Kernaussage formuliert werden. Denn keinem Händler der Welt, der wirklich Geld verdient, gelingt dies durch permanentes Betrachten und gleichzeitiges Interpretieren eines Livemarktes. Sobald man anfängt zu interpretieren, hat man auf lange Sicht schon verloren. Interpretieren ist der Griff nach dem jenseits eines super Setups liegenden Trugbildes und dem kindlichen Wunschnach mehr Taschengeld Diese Aussage gilt natürlich nur für einen Tradinganfänger, der einem Schützen gleich sinnlos in der Gegend rumballert.
Ziel eines Händlers muss es sein, ein Scharfschütze zu werden, der sich von den vielen potenziellen Zielen neben seinem eigentlichen Ziel nicht ablenken lässt und zusätzlich von vielen Hochsitzen aus verschiedene Beute ins Visier nimmt, aber immer erst dann schießt, wenn klar ist, dass er freies Schussfeld hat und deshalb die Chance auf einen Treffer sehr hoch ist. Er verschwendet keine Munition und vor allem nicht seine Energie; er haushaltet ebenfalls sehr sparsam mit seinen Emotionen.
Leider starren zu viele Trader einst auch ich den ganzen Tag einen Markt an, interpretieren jeden zappelnden Candle oder Bar, sehen es als ihre Aufgabe, dessen Schlusskurs und jeglichen noch so kleinen Kursrutsch vorwegzunehmen, bomben alles mit sinnlosen Trades zu und stören einzig und allein den Marktverlauf. J Zu viele Trader sitzen mit geröteten Augen und leichenblass vor den flimmernden Charts und fragen sich leider nicht oder nicht mehr: »Was bin ich mir wert? Will ich mit erstklassigen, zweitklassigen oder drittklassigen Trades den Tag verbringen?« Aber wenn wir ehrlich sind, sieht es doch so aus, dass solche Trader einfach faul sind.

Q: Was genau traden Sie (Instrumente, Märkte):

So etwas wie »Lieblingsmärkte« sind tabu, es gibt nur Lieblingssetups. Sicherlich muss man in jeden Markt einige Details beachten, aber im Großen und Ganzen ist es für mich unerheblich, welcher Wert sich hinter dem Kürzel oben links im Chart verbirgt. Ob Aktien, Rohstoffe-, Devisen- oder Indexfuture egal. Was zählt, ist einzig und allein der Chart, und dieser muss mir in seinen Konstellationen die Möglichkeit geben, folgende Frage zu beantworten: »Gibt es nach meinem Einstieg einen nahe liegenden Punkt im Chart, an dem andere Marktteilnehmer Positionen zum einen neu eröffnen und zum anderen ausgestoppt werden und zusätzlich bereit sind, ihre Positionen zu drehen?
Kurzum: Die Märkte werden ausschließlich aus den Handelsregeln der Markttechnik ab- und hergeleitet. Es werden lediglich jene Trades eingegangen, bei welchen ein markttechnisch hergeleiteter Trend, eine Bewegung oder ein Ausbruch nach Positionseröffnung zu erwarten ist.
 

Q: Beschreiben Sie Ihren "Stil

Ich handel ausschließlich jene Märkte bzw. Charts, in denen ich mir aktuelle einen durch das markttechnisch orientierte Trading definierten Dominoeffekt zunutze machen kann. Das heißt, ich halte nach solchen Situationen Ausschau, in denen ein untergeordneter Trend in einen übergeordneten Trend hineinläuft., also jene Marktsituationen, bei denen die entstehende Bewegung am Durchbruch durch das erste, also das kleinere 1-2-3 den Markt durch das größere, das zweite 1-2-3 schieben könnte. Die dort liegenden Orders geben dem Trade einen weiteren, also zusätzlichen Bewegungsschub. Je nachdem, wie weit der größere Punkt 2 in einer relativen Nähe zum ersten Punkt 2 liegt, wird dann nach Trend- oder Bewegungshandel unterschieden. Je nach betrachteter Trendgröße ist es sinnvoll, wenn der Abstand zwischen den beiden Punkten nicht eine allzu große Bewegung erfordert. Dies sagt aus, dass dieser Abstand nicht mehr als die aktuellen vorhandenen Kursbewegungen, mithin die aktuelle Volatilität, übersteigen dürfte. Sollte der größere Punkt 2 zu weit entfernt liegen, ist die Gefahr gegeben, dass der Markt diesen Punkt nicht innerhalb dieser Bewegung oder eines einzigen sauberen Trendverlaufs erreicht. Es wird im Vorfeld eine Korrektur bzw. ein kurzzeitig gegenläufiger Trend erfolgen.
Indikatoren werden hierzu zum Einstieg keine benutzt; das ganze Thema erschließt sich einzig und allein auf dem Gebiet der Markttechnik. Bei dem Ausstieg mitunter werden sie genutzt; dort  aber nur an den Stellen, an denen der Rechner die Stopps führt, und da wiederrum nur in gewissen Situationen. Hier werden dann aber dennoch die Grundlagen der Markttechnik angewandt und nur behelfsweise mittels mathematischer Ableitung, denn nichts anderes sind ja Indikatoren, an den Rechner übergeben.
(Details nachlesbar in meinen Buch: Großes Buch der Markttechnik und in der Buchserie DER HÄNDLER Band 2)

Q: Welche Meinung haben Sie gegenueber Technischer Analyse vs. Fundamentaldaten-Trading?

Nun, auch dieser Ansatz hat seine vollste Daseinsberechtigung und steht zu keinen direkten Widerspruch zur Technischen Analyse, denn es ist wohl klar, dass wenn jemand sein Geld übr einen längeren Zeitraum von Jahren in den Märkten investieren will, dieser sich nicht von einen »Huch-da- ist-eine-Trendlinie-im Tick-Chart« oder »Huii-da-ist ein-toller-Umkehrstab-im -10-Minuten-Chart« überzeugen lässt er bracuht andere Argumente, welche sich nicht mittels der Technischen Analyse herausfinden lassen.
Bei dieser Frage darf man ja auch nicht die Ansätze von den Arbitrageuren und Marktteilnehmer die Hedging betreiben vergessen. Alle vier Teilnehmer: Hedging, Arbitrage, Spekulanten (Technische Analyse) und Strategische Investments (Fundamentalanalyse) bedingen einander, da alle im selben Orderbuch auftauchen und einer ohne den Anderen kein Auskommen hat.


Q: Was halten Sie von Hebelprodulten im speziellen CFDs? Welche Vorteile bieten Ihnen Hebelprodukte in Ihrem Handelsstil?


Um beim Börsenhandel eine Bargeldreserve und trotzdem dem bei uns angewandten diversifikativen Trading, und daher allen verfügbaren Signalen (bis 200 Positionen zeitgleich) mit unreduzierten Investitionsbeträgen begegnen zu können, wird beim Trading bei uns gern der »Kunstgriff«, eine Art Parallelaktion, angewandt: Wenn nämlich mittels Margin kreditierte Positionen nicht, wie in der Werbung beschrieben, zur Ausnutzung großer Positionen auf kleinen Konten, sondern zum Handel vieler Positionen mit reduzierten Investitionsbeträgen genutzt würden Holla! , so wäre das Problem beseitigt.
Möglichkeiten hierzu liegen zum einen in dem mit Margin besicherten Kassakauf, im Handel mit Optionen auf Einzelwerte oder in der Verlagerung des Kassakaufs auf den Parallelmarkt des CFD-Produktes.
Gern erinnere mich vieler Einwände, in denen CFD-Broker häufig, trotz des hohen Zuspruchs durch Kunden aller Art, beinahe als Geldschneider beschrieben werden, etwas,  ähnlich wie mit Radioaktivität   dem man sich mit Vorsicht und Schutz nähern sollte. Nun haben diese Einwände sicherlich bis zu einer gewissen Stelle ihre Berechtigung, gleichwohl liegt im und darum es geht es: diversifikativen Trading von Haus aus ein zweckmäßiger und ausreichender Schutz vor. Wir alle sind uns durchaus im Klaren darüber, dass ein CFD lediglich eine Vereinbarung zwischen Broker und Anleger über die »Nachbildung« des Kurses einer Aktie oder eines Index ist; daher werden die Kurse in fast allen Fällen vom Anbieter kreiert und nicht über eine Börse ausgehandelt, und auch die Abwicklung der Transaktion liegt in der Regel allein in den Händen des CFD-Maklers. Dass der CFD-Handel als Produkt für den markttechnisch orientierten Handel auf untersten Zeitebenen meist nur einem, nämlich dem Broker, nützt, ist durch die oben erläuterte Preisstellung selbsterklärend.
Die kritisierten möglichen Verwerfungen in den Preisstellungen, jener Spread zwischen Bid- und Ask-Kurs, werden aber dahin gehend irrelevant, als dass es sich beim diversifikativen Trading ohnehin nicht um Tick-Trading soner um eine Trading auf mittlerer Zeitebene (2-5 Tage) handelt.
Ein weiterer Pluspunkt ergibt sich durch die vielen zugänglichen Märkte und Börsen, sprich: Man kann einen Großteil aller weltweiten Aktien, Rohstoffe usw. per Mausklick mittels eines einzigen Kontozugangs handeln.

Q: Gibt es bestimmte Ansichten zum Thema: Risikokontrolle?

Halten wir uns folgendes Szenario vor Augen: Ein Handelskonto umfasst 100.000 Euro. Ausgehend von einem wie in der einschlägigen Literatur beschriebenen Geldmanagement, hier von beispielsweise einem Prozent Minus pro Trade, hat dies zur Folge, dass jeder Trade, ungeachtet der Größe der Position, mit einem Stopp-Loss versehen werden muss, der hier im Beispiel im Verlustfall 1.000 Euro kostet.
Nun,  ich hoffe der ein oder andere Leser ist den Kinderschuhen des Tradens so weit entwachsen,
um die Frage: »Paahh WER legt das Geldmanagement von eins, zwei oder mehr oder weniger Prozent dogmatisch fest?« nicht mehr zu stellen; denn längst dürfte klar sein: Festgelegt wird hier gar nichts; dies liegt ganz allein in der Entscheidung des einzelnen Traders. Natürlich stets vor dem Hintergrund, dass bei einem Risiko von, wie im obigen Beispiel, einem Prozent zumindest theoretisch neunundneunzig mal in Folge die getroffene Tradingentscheidung fehlerhaft sein kann und trotzdem ein weiteres Handeln möglich bleibt die Mindestmargin, welche das Konto aufweisen muss, mal außer Acht gelassen. Erhöht sich das Risiko auf zwei Prozent, verringert sich diese Anzahl der möglichen Verlusttrades schon auf nur noch grob fünfzig, bei fünf Prozent wären es bereits nur noch grob zwanzig. Der ein oder andere Trdinganfänger wird an dieser Stelle gern geprahlt: »So viele Minustrades pahhh, das klingt viel zu theoretisch; wenn jemand sooo oft falsch liegt, hat er wohl einfach nicht das Zeug zum Trader!«
Hingegen heute wird dem ein oder andere Trader aufgrund seiner Erfahrung bewusst sein, dass gerade im Intraday-Handel aufgrund der hohen Tradeanzahl eine Verlustserie von zwanzig Trades bei einem noch nicht so versierten Trader durchaus nicht ganz sooo aus der Luft gegriffen ist. Damit dürfte zumindest theoretisch klar sein, dass jegliches Risiko über fünf Prozent, selbst für den Profi-der-Profis, monetäres Harakiri bedeutet. Aber auch hier gilt wieder das bekannte Phänomen: In der Theorie hurra; in der Praxis stöhn!, denn es gibt auch noch: die andere Seite der Medaille:
Wie so vieles im Leben, so hat auch die Geldmanagement-Medaille neben der mathematischen noch eine andere Seite und diese besteht aus zwei Szenarien. Zum einem: Selbst das vorbildlichste Geldmanagement im Null-Komma-Irgendwas-Bereich kann die individuelle psychische Belastbarkeit eines Händlers dennoch bei Weitem übersteigen, womit jegliches »saubere Traden« in das Reich der grauen Theorie verwiesen wird. Hierzu ein Beispiel: Unterstellen wir einmal einem Händler in seinen Anfängen eine »psychische Schmerzgrenze« von 600 Euro, das Konto aber beträgt 500.000 Euro. Autsch! Selbst bei pro Trade »nur« 0,3 riskierten Prozent der Kontogröße, demnach 1.500 Euro, wird jeder einzelne Trade einer emotionalen Achterbahnenfahrt gleichen und aufgrund »subjektiver Leidenschaft« die Gefahr bestehen, dass die markttechnischen Gegebenheiten eine »objektive Ungewissheit« erfahren. In einem Satz: Was nützt das beste Geldmanagement, wenn die psychische Belastbarkeit des ausführenden Händlers früher einsetzt? Eieiei!
Dann wäre da noch das zweite Szenario zu nennen: Ein Anfänger mit einem Handelskonto von 3.000 Euro weist ebenfalls eine »psychische Belastbarkeit« von 600 Euro auf; somit kann der diese, da ohnehin außerhalb eines vernünftigen Geldmanagements beziehungsweise später einsetzend als dieses, vernachlässigt werden. Aber: Welcher Trader wird die disziplinierte Einhaltung eines vernünftigen Geldmanagements anstreben, wenn seinen Trades dadurch monetäre Bedeutungslosigkeit aufdiktiert wird: »Pahh da sitz ich den ganzen Tag hier rum und darf pro Trade nur 30 Euro verlieren?! Sag mal, seht ihr noch klare Bilder? Wie soll ich da einen Stopp setzen? Und vor allem WAS soll aus solchen Trades denn rauskommen? Da kann ich doch noch nicht mal ein Eis von kaufen! Die können mich doch alle mal am das machen wir mal schön ganz anders!« Eieiei!
Wird demnach das Thema Geldmanagment aus unserem angestrebten »Luxus-Blickwinkel« der immer beabsichtigten diversifikativen  analysiert, also unter dem Blickwinkel, »pro Trade nur die geringste Einheit zu riskieren« dafür aber so viele wie nur möglich Positionen zeitgleich zu fahren, wird plötzlich aus einem falschen Geldmanagement ein Abbild grober Faulheit und nicht vertretbarer Dummheit. Zur Erklärung diene folgendes Szenario: Bei angenommenen vierzig mustergültigen wie auch immer definierte Setups, die förmlich »Handel mich!« schreien, stellte ein Trading nach dem »Eene Meene Muh, und raus bist du, ich reiz das Konto mal schnell für diesen einen Trade voll aus«-Prinzip grenzenlose Faulheit dar, denn: Wenn schon der heilende Gedanke der Diversifikation auf einen Kaffee vorbeischaut, und dennoch das Luxusproblem »Ich habe sooo viele Signale « nicht ausgenutzt wird, sprich: wenn statt 4.000 Stück in einer Position lieber 100 Stück in 40 Positionen gehandelt werden, um damit das Risiko pro Trade dankend flächig verteilen zu können tja, dann wird es schwierig!
Okay, sicher ist es einfacher, mit orangefarbenen (Wert 1.000 Dollar) und grauen Jetons (Wert 5.000 Dollar) nur an einem, statt mit schwarzen (Wert 100 Dollar) oder blauen Jetons (Wert 10 Dollar) gleichzeitig an mehreren Tischen zu spielen, aber: Will wirklich jemand absichtlich nach zwei, drei Spielen die Spielbank frühzeitig verlassen müssen, um den Rest des trostlosen Abends in einem nun nicht mehr bezahlbaren Hotelzimmer zu verbringen?
Somit ist das klassische dargelegte Geldmanagement lediglich ein Teil eines zusammenhängenden Dreiecks, bestehend aus den weiteren Eckpunkten emotionale Belastbarkeit; Anzahl der gehandelten Märkte Risiko pro Trade. (Details nachlesbar in der Buchserie DER HÄNDLER Band 4)

Q: Welche Glaubenssaetze und Ueberzeugungen haben Sie gegenueber Tradingpsychologie?

Nun, da kommen wir jetzt zu einer spannenden Frage, welche ich in vielen meiner Bücher beschrieben und hergeleitet habe:
Mein Tipp für angehende Händler lautet stets: Je langweiliger der Handel, umso erfolgreicher. Dies wird zwar von so manchem mit einem lächerlichen Wink abgetan, aber man kann diesen kleinen Satz mit Tausenden von Seiten herleiten und belegen. Die Mega-Kurzfassung müsste ungefähr so lauten: Was ist am Börsenhandel spannend? Im Ernst, was ist daran aufregend? Könnten Sie sich vorstellen, ins Kino zu gehen und dort drei Stunden bei Popcorn und Cola das n-tv-Kurslaufband anzustarren? Also ich wäre binnen zwei Minuten in den Armen meiner Sitznachbarin eingeschlafen. Spannung wird doch erst dann erzeugt, wenn eine Position offen ist. Angenommen, wir haben wieder einmal das Kinoticket für den Film »Das Grauen des Charts« gelöst und dieses Mal nur einen einzigen CFD-Kontrakt, beispielsweise im DAX, am Laufen. Auch hier würde ich nach zwei Minuten in den Tiefschlaf fallen, da die Position so klein ist und jeglicher Marktverlauf keine Irritation auf dem Konto bewirkt. Es wäre schlichtweg egal, was mit der Position passiert, was soll ich mich also davorsetzen und dabei zuschauen, wie meine Position nach einer halben Stunde 19,00 Euro ergibt? Anders sieht es aus, wenn ich mich mit 1.000 DAX-Future-Kontakten zulade, dann könnten links und rechts die Kinomauern einstürzen, und ich würde dennoch fingernägelkauend das Kursband verfolgen. Der Unterschied zu beiden Kinovorstellungen besteht darin, dass ich mich bei Ersterer an jedes Regelwerk der Welt halten werde, bei Letzterer hingegen kaum. Oder anders ausgedrückt: Wenn aufgrund der Positionsgröße der Markt so spannend wird, dass bevor der Stopp nach Regelwerk XYZ greifen würde die Emotionen schon dreimal »Hiilllfeee, viel MINUS« oder »HURRRAAA, viel Jackpot« geschrien haben, dann kann nie ein sauberer Handel aufkommen. Emotionen müssen immer erst hinter dem Stopplevel aufkommen, aber nie davor.
Was einen Trader demnach stört, ist aber nicht, dass er hundert oder tausend Punkte hinten oder vorn liegt, was den Trader in den Wahnsinn treibt, ist der absolute Betrag, ausgewiesen in Euro oder Dollar, der daraus resultiert. Und dieser wird stets allein über die Positionsgröße gesteuert. Also warum nicht weniger nehmen okay, es ist dann im Verhältnis zum Konto unspektakulär , aber man weiß, dass man die Tür zum emotional geladenen Handel ein Stück weit geschlossen hält und deswegen dann auch seinen Regeln treu bleibt. Dann lebt man im stillen Einvernehmen damit, dass es auch noch morgen einen Tag gibt.
Darüber hinaus schaut dann auch noch der heilende Gedanke der Diversifikation auf einen Kaffee vorbei, den man dank der Börse für das große Universum von Märkten auch noch umsetzen kann. Also bevor ich 100 DAX-Kontrakte in einer Position handle, handle ich lieber sinngemäß hundert Positionen mit je einem Kontrakt. Das Risiko mag auf den ersten Blick identisch sein, aber wenn man mal dahinter schaut, erkennt man, dass ein Trading, dessen erste Regel Diversifikation lautet, enorme Vorteile jeglicher Art birgt: vom verschiedenartig definierten Begriff des Risikos angefangen, über die Emotionen bis hin zum ganzen Handelsablauf. Aber solche Ansätze sind hierzulande sehr wenig verbreitet.

Q: Die meisten Trader haben eine Horrorstory ueber Ihren groessten Verlust. Viele Trader gingen pleite. Welche Story habe Sie zu erzaehlen? Welche Story koennen Sie ueber Ihre Trader erzaehlen?

Lassen Sie mich die Frage mal so umstellen: Wie lange brauchten Sie, um Ihren eigenen Handelsstil zu erkennen und welche Irrwege wurden dabei gegangen? Und um dies zu beantworten, muss die Frage wiederum kurz in zwei Bereiche geteilt werden: in den eigentlichen Handelsstil, sprich: Regelwerk A, B oder C, und in die eigentliche Arbeits- oder Durchführungsweise, um dieses Regelwerk umzusetzen.
Der wirkliche Wille, einen eigenen Stil zu erlernen, und was viel schwieriger ist diesen auch zu akzeptieren, erschloss sich mir erst, als ich die Idee, duplizierbar zu handeln, verinnerlichte. Denn nur dann wird auch die Kunst erlernbar, beständig zu handeln. Vorher geht das nicht. Die Tatsache aber, dass dieser Zusammenhang zu Beginn des Tradings von mir, so auch von jedem anderen Trader, nicht sofort erkannt wurde, macht ihn umso bedeutsamer und das schrittweise Heranführen an den Börsenhandel umso schwieriger.
Über circa drei Jahr zahlte ich in die Börse mehr ein, als ich herausbekam. Ich sah nur einen permanent fallenden Kontoverlauf. Interessant ist, was zeitgleich mit meinem Fachwissen geschah. Das stand wie bei jedem so auch bei mir zu Beginn klar auf null und nahm zeitversetzt zum Start des Börsenhandels zu. Aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Bis zu jenem Tag, an dem ich von der Menge nervenzerrüttender Handelstage, schlafloser Nächte, sinnloser Trades, glücklicher Plustrades, nicht enden wollenden Studierens von Zeitungsartikeln, ständig wechselnder Regelwerke, Seminarbesuche und Tage des Eigenstudiums, kurzum: vom ansteigenden Fachwissen die Nase gestrichen voll hatte. Das heißt, ich habe freiwillig erkannt, dass ich mit einem Mehr an Wissen auch nicht besser handelte, sondern dass eher das Gegenteil der Fall war: Ich brachte vieles durcheinander, und es entstanden Blockaden. Und irgendwann nach drei, vier Jahren reifte in mir die unbezahlbare, goldene Erkenntnis, dass viele Elaborate rund um Regelwerke einander ähneln, denselben Ursprung haben und dasselbe Ziel ins Auge fassen. Oder anders gesagt: Ich räumte auf. Das viele Wissen drückte immer mehr auf den Kontostand, wie ein Riesenhaufen aufgestauter Erde, der dann endlich einmal durchsackte. Wissen wurde komprimiert. Verdichtete sich. Zeitgleich hatte sich das herausgebildet, was man den eigenen Stil nennt.


Q: Wie lange glauben Sie demnach braucht ein beginnender Trader um konstant profitabel zu handeln?


Nun, die Tiefe und Tragkraft eigener Gedanken und das Maß eigener Fähigkeiten als kluger Händler sind nicht nach Tagen oder der auf jedem Trade liegenden Erfahrung, nicht nach Sonnenumläufen zu berechnen; mit einem Wort: Die Erfahrung eines Traders verdankt den Grad ihrer Reife nicht eigentlich der Zeit eine Aussage, mit der ich natürlich auf die Fragwürdigkeit und eigentümliche Zwienatur dieses geheimnisvollen Elements Trading anspiele und hinweisen will.
Denn ist es nicht so, dass der Lerncharakter eines Trades und dessen umherschweifende Gedanken nicht umso tiefer, vollkommener und deutlicher werden, je größeren Abstand man dazu gewinnt. Denn: Fachliche oder mentale Prinzipien sind schnell formuliert, doch sie müssen umgesetzt, angepasst, erneut umgesetzt und im Einzelfall wieder konkretisiert werden. Und da liegt die eigentliche Schwierigkeit. Und da Menschen unterschiedlich sind, wird auch das Umsetzen unterschiedliche Zeithorizonte aufweisen.


Q: Koennen Sie uns mehr ueber diesen Stil und Arbeitstag erzaehlen? Was genau bezeichnen Sie als niedriges Risiko?


Da beide Fragen eng zueinander liegen beantworte ich es mal so: Sie würden also ungern mit einem Händler zusammenarbeiten, der sich nicht vom Bildschirm losreißen kann? Wenn ein Händler nicht auf Anhieb bei dem Vorschlag »Lass uns eine Stunde in ein Café gehen« aufspringt und alles fallen lässt, dann würde ich wirklich nur ungern mit ihm zusammenarbeiten.
Oder anders: Das Problem so manchen Händlers besteht nicht darin, dass er reich werden will, sondern dass er schnell reich werden will. Mit anderen Worten: Was sind die meisten Ursachen bei Verkehrsunfällen? Geschwindigkeit und Abstand. Was sind die meisten Ursachen für die Beerdigung eines Tradingkontos? Positionsgröße und Trades, die nie das erhellende Licht eines Stopps erblickten.
Und so sieht auch unser Alltag aus völlig unspektakulär. Wo auch soll die Spannung herkommen? Ich weiß früh schon beim Zähneputzen, welche Setups relevant sind, da ist mir der eigentliche Verlauf der Märkte völlig egal. Kommt es zu einem Trade, weiß ich auch, was zu tun ist. Und nach dem Trade ist eh vor dem Trade. Als ich mit dem Börsenhandel anfing, fand ich den Gedanken, dass ich über den detaillierten Kursverlauf zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs einer Periode keine Rechenschaft ablegen könnte, gelinde gesagt erschreckend. Ich dachte: Wenn ich nicht den Verlauf zwischen Beginn und Ende einer Periode und den ganzen fortlaufenden Marktverlauf beobachte, bin ich dann als Händler die Kohle überhaupt wert, die aus diesem Trade resultiert? Gott sei Dank hat sich diese Ansicht ganz schnell gewandelt. Je nach gehandelter Zeiteinheit denn es gab da Ausnahmen weigerte ich mich zum einen sogar strikt, diese ständig mitzuverfolgen, zum anderen gibt es Computer. Diese handeln bei uns sehr viel, was den Ausstieg betrifft.

Neu: Q: Somit ist Trading langweilig?

Genau. Je erfahrener ein Händler wird, umso mehr reift die Erkenntnis, dass der Handel nur eine dauerende Abfolge von Wiederholung ist. Tagein, tagaus. Ein Tradinganfänger wird sich kopfschüttelnd an seine letzten Tage erinnern und stumm auf sein nassgeschwitztes T-Shirt zeigen. Doch über die Monate und Jahre wird auch er erkennen, dass er sich statt von seinen Signalen vom live vor ihm zappelnden Marktverlauf leiten lässt, und das ist natürlich jeden Tag, jede Stunde, jede Minute spannend: »Was hat der Markt jetzt schooon wieder vor?« »Geht der Markt rauf? Ach du Schreck, ich glaub, er geht runter !« »Soll ich meine Position jetzt schon schließen, es könnte ja sein, das « Kurz: Das Hauptproblem für einen Tradinganfänger besteht darin, in der Unendlichkeit der Chart-Interpretationsmöglichkeiten einen Anhaltspunkt zu finden. So mancher Trader möchte seine Fantasie beflügeln, seine freie Kreativität im Chartorakeln ausleben und gleichzeitig traden. Aber, Fakt ist eines: Beides zusammen ist nun mal nicht machbar. Diese Eigenschaft muss man sich abgewöhnen, sonst bleibt jeder verdammte Tradingtag im Ergebnis ein intellektuelles Verwirrspiel mit Dimensionen und Perspektiven, das einem die Gewohnheiten und Grenzen seiner Sinne und Gedanken vor Augen führt.
Somit gewöhnt man sich über die Jahre daran, nichts getan zu haben, manchmal sogar den ganzen Tag lang. Ich habe diesen Beruf deswegen gewählt, weil ich erkannt habe, dass ich tatsächlich zu 90,0 % Däumchen drehen kann. 9 % bestehen aus der Suche nach Setups aber auch hier hilft der Rechner , und das verbleibende 1 % repräsentiert die eigentliche Eingabe einer Order. Der Rest wird aus dem Fenster geschaut und sich Tagträumen hingegeben. Die Zeit zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs oder lokalen Hoch- und Tiefpunkten der jeweils betrachteten Zeiteinheit ist richtig viel wert. Es ist die eigene Zeit. Das ist es, was ich an diesem Beruf liebe.
Sind wir doch ehrlich: Alle beginnen mit dem Trading, weil sie sich mehr Freizeit, mehr Freiraum, mehr Familie, mehr Geld, mehr Zeit für Hobbys und, und, und versprechen. Wenn man diese Personen nach einem Jahr jedoch wieder einmal interviewt, wird man sehen: Die Personen sind blasser, unkonzentrierter, gefrusteter und vor allem: Wo ist sie hin, die angestrebte Freizeit? Wo ist sie hin, die MEHR-ZEIT-MIT-FAMILIE? puff, aufgelöst in Schall und Rauch, oder besser: im aktuellen zappelnden Bar. J
Wenn einer zu mir sagt, er sei ein langjähriger Trader, und ich sehe, dass er nicht sonnengebräunt ist und keine innere Ausgeglichenheit ausstrahlt, ich würde ihn nicht für voll nehmen. Echt. Aber Hinweis: Meine ganzen Aussagen beziehen sich wirklich nur auf spekulativ ausgerichtetes Marktverhalten, nicht auf Arbitrage, Hedging oder strategisches Investment.
Man muss das so sehen: Wenn man in diesen Minuten oder Stunden bis zum Schlusskurs statt abzuwarten aktiv die Marktverläufe verfolgte und sich daraufhin zu noch so sinnlosen Trades hinreißen ließe, würde dies die Firma häufig richtig viel Geld kosten. Sind wir auch hier ehrlich: Wie viele Trades eines Tradinganfängers landeten durch die Ungeduld zu früh auf dem Börsenfriedhof? Und wie viele Trades erblickten zu früh das Licht der Tradingwelt, nur weil man dachte, der Markt läge in den Wehen, die Periode werde drehen oder höher oder tiefer schließen?
Wie gesagt, bei mir ist Däumchendrehen der Dauertagesbefehl, da man die Wirklichkeit tatsächlich real bewertet statt sie zu antizipieren.
 (Details nachlesbar in meinen Buch: Großes Buch der Markttechnik und in der Buchserie DER HÄNDLER Band 3)

Q: Verringern Sie langsam Verlustpositionen / pyramidisieren Sie?


Weiter das eine, noch das andere. Sicherlich geht man, je nach  Markt gestaffelt rein, beziehungsweise gestaffelt raus, aber das hat mit dem pyramidisieren im klassischen Ansatz nichts gemein.

Q: Berechnen Sie Korrelationen von Positionen?

Wenn der weitgefasste Begriff des Börsenhandels aufgeschlagen wird, erweist sich der Begriff Korrelation generell als von erheblicher Bedeutung. Es gilt die Aussage, dass das Gesamtrisiko eines Portfolios umso geringer ist, je weniger die einzelnen Anlagen miteinander korrelieren. Die ideale Diversifikation ist folglich so umfassend, dass kaum bis keine Korrelationen zwischen den einzelnen Anlagen existieren. Erwirtschaften zudem die einzelnen, nicht korrelierenden Anlagen noch eine maximale Rendite, so ergibt sich das ideale, jedoch in der Realität nicht existierende Portfolio. Zumindest habe ich es noch nie gesehen, obwohl ich zugeben muss: Ich habe es auch noch nicht gesucht.
Der Grund hierfür ist ganz schnell gefunden: Das »diversifikative Trading« weist mit der Idee eines »diversifikativen Portfolios« nicht ganz den gleichen Ansatz auf. Während es unserer angewandte Diversifikation auf das Erreichen der »Deckungsgleichheit von Absicht und Verhalten im Trading« ankommt, ist es das Ziel eines diversifikativen Portfolios, die bestmögliche Kombination von Anlagealternativen zur Bildung eines optimalen Portfolios zu erreichen, wobei bezüglich Liquidität, Risiko und Ertrag die Präferenzen des Anlegers und nicht des Traders (!) berücksichtigt werden. Es soll hierdurch ohne eine Verringerung der zu erwartenden Rendite das Risiko eines Portfolios minimiert werden, wobei die Portfoliotheorie das theoretische Grundgerüst für die in der Praxis des Portfoliomanagements verwendeten Verfahren bildet, sprich: Es werden die Gegebenheiten des Kapitalmarktes mit dessen Chancen und Risiken gegeneinander abgewogen, wobei höheres Risiko nur dann in Kauf genommen werden soll, wenn dadurch der erwartete Ertrag überproportional steigt. Den
wichtigsten Bestandteil dieser Theorie verkörpert die Unterscheidung in systematische und unsystematische Risiken. Da es sich bei dem systematischen Risiko, ganz grob, um das Risiko des Anlegens selbst handelt und diesem ohne Ausnahme alle Wertpapiere aller Märkte unterworfen sind, kann dies
nicht wegdiversifiziert werden, wohingegen das unsystematische Risiko, ganz grob, das Risiko einzelner Wertpapiere ausdrückt und sich daher durch Diversifikation, also mit steigender Anzahl verschiedener Wertpapiere, verringern lässt. Ich will dies jetzt aber nicht weiter vertiefen, denn die Antwort warum bei uns auf keine Korrelation geachtet wird liegt einfach darin:  »Was hat das denn alles mit den auf einem Punkt 2 auf kleiner Zeiteinheit liegenden Orders, in deren unmittelbarer Nähe größere Orders eines größeren Punktes 2 liegen, und dem Knall im Orderbuch beim Durchschreiten dieser beiden Punkte zu schaffen?« lautet: NICHTS!
Ergo: Während wir »blind« und ohne zu zögern oder nachzudenken mit dem hier als Beispiel gewählten Setup kurzfristig beliebig viele Automobilwerte gleichzeitig handeln würden, wäre dies aus Sicht der Portfoliotheorie sicherlich nicht der Stein der Weisen.

Aus der Sicht des markttechnisch orientierten Tradings ist auch die »Gesamtmarktstimmung« für den
Trade eines Einzelwert unerheblich: Alle markttechnischen Signale, Punkt-2-long und Punkt-2-short, Korrekturhandel usw. haben aufgrund der Orderlage und unabhängig von der »Gesamtmarktstimmung long oder short« die Möglichkeit auf Erfolg. Was steigen soll, steigt; was fallen soll, fällt. Sollte nun trotzdem einmal »Fall Rot« oder »Fall Grün« eintreten und der Gesamtmarkt dermaßen ansteigen oder fallen, dass es eine der beiden Positionsrichtungen trotz vorheriger guter Orderlage zerreißt na und? Es sind immer ja beide Marktrichtungen abgedeckt, will heißen: Es wird einzig darauf geachtet das marktneutral gehandelt wird, demnach nahezu die selbe Anzhal an long wie an short Positionen im Depot ist. Dies bedarf sicherlich im Detail einer sehr genaueren Betrachtung, aber dies ist an dieser Stelle so nicht möglich.

Q: Nutzen Sie quantitative Analyse (erstellen Sie mathematische Tradingmodelle)?

Der Computer hält immer mehr Einzug in den Handel und das Trading. Nahezu 2/3 des Orderflow an der EUREX wird beispielsweise von Computern erzeugt. Es ist für die Programme heutzutage sehr einfach, vollautomatisch zu handeln. Dies setzt jedoch ein in sich geschlossenes mechanisches Handelssystem voraus, welches den Ein- und Ausstieg - und vor allem alle Verfahrensweisen und Logiken innerhalb des laufenden Trades - definiert. Dies macht natürlich nur im Handel mit geringen Zeiteinheiten Sinn, da der Handel auf hohen Zeiteinheiten (beispielsweise Tagesbasis) auch manuell von Hand überwacht werden kann. Hier wiederum wird der Computer von uns sehr intensiv zum Filtern von bestimmten Marktsituationen herangezogen.
Wir selbst handeln größtensteils halbautomatisch. Hier übernimmt der Computer komplett die Stoppführung und den Ausstieg in all seinen unterschiedlichen Varianten. Ebenso übernimmt der Computer das Filtern von bestimmten Grund-Set-ups, die ein Markt bzw. Chart vor einen Trade unbedingt aufweisen muss, dennoch wird der Einstieg in nah zu allen Fällen manuell vorgenommem.


Q: Wie wichtig ist ein gutes Bauchgefuehl / Intuition beim Trading?


Nun,  dazu vorab: Der von uns angewandte markttechnisch orientierte Handelsansatz, sprich die Frage »Wo kann Bewegung entstehen« und »Wer kauft nach mir« ist nicht immer mathematisch fassbar, daher kann dieser auch nur teils einer mathematischen  Auswertbarkeit unterzogen werden. An dieser Stelle könnte der aufmerksame Leser einwerfen, dass der Anhänger der Markttechnik streng genommen eben doch subjektiv, also diskretionär, entscheidet.
Auf den ersten Blick könnte man das natürlich annehmen. Aber auf den zweiten Blick erkennt man: Der markttechnisch orientierte Trader tradet zwar in den verschiedenen Zeiteinheiten in Märkten, und er nutzt die Möglichkeit, dass Signale eine höhere Wertigkeit bekommen, weil an ihnen mehrere Einstiegslogiken zusammenfallen, aber er handelt trotz alledem dennoch seine Signale beständig. Beispiel: Der erfahrene Trader hat beispielsweise in vier Märkten jeweils eine markttechnisches Signal in unterschiedlichen Zeiteinheiten vorliegen. Somit ist das Signal, das der Trader handelt, an sich beständig, nämlich beispielsweise ein Punkt 2. Dennoch entscheidet der Trader nun nach Erscheinen des Signals rein diskretionär, welches ihm vorliegende Signal er für gut oder für schlecht erachtet. Aber hier gibt es nun einen Unterschied: Er entscheidet nicht aus dem Bauch heraus, also hopp oder topp, so wie es in der rechten Spalte ein Tradinganfänger oftmals tun würde. Nein mit seiner Erfahrung nimmt er die Gegebenheiten unmittelbar um das Signal herum zu Hilfe, um über dieses einzelne Signal zu entscheiden. Der Trader kann sich aufgrund dieser weiteren Merkmale nun dafür entscheiden, ob dasselbe Signal in dem einen oder dem anderen Markt besser, sprich: höherwertiger, ist. Kurzum: Das einzelne Signal wird durch seine Erfahrung noch einmal gefiltert. Der Trader nimmt nicht seine Erfahrung, um abzuschätzen, wo der Markt hingeht ..., sondern seine Erfahrungen setzt er erst nach dem Erscheinen eines Signals um.
Kurzum: Er ist nicht vor dem Signal, sondern erst nach dem Signal diskretionär. Vorteil: Diese Fähigkeiten kann ein Computer niemals übernehmen, denn diese Fähigkeiten kann niemals in eine Programmierung gefasst werden.
Das Resultat daraus: Ein Trader ohne Computer kann mitunter dahingehend erfolgreicher sein, dass es ihm möglich ist, aus den beständig gehandelten Signalen mögliche Fehltrades manuell herauszufiltern. Um diese zu erkennen, nutzt er seine Erfahrung mit den Chartmerkmalen der Markttechnik, die zusätzlich zu dem eigentlichen Signal auftreten bzw. ineinander greifen.
(Details nachlesbar in meinen Buch: Großes Buch der Markttechnik )

Q: Was ist die wichtigste Lektion die Sie Beginnern lehren?

Er muss seine Faulheit beenden.
Natürlich denkt man bei der Antwort gleich: »Wie können diese Trader faul sein, sitzen sie doch ununterbrochen vor dem Bildschirm?«
Auch ich war zu Beginn stinkfaul, saß fast 24 Stunden vor dem Rechner, pfiff mir eine Schokolade und einen Kaffee nach dem anderen rein und begab mich nie auf die SUCHE. Daher kann ich solches Verhalten bei anderen Tradern zwar nachvollziehen, dennoch auf lange Sicht nicht verteidigen. Dass dieser Wunsch, kein Interpretierender mehr zu sein, natürlich anfänglich noch nicht wirklich manifestiert ist, erweist sich als logisch, denn der Anfänger ist dem eigenen Wollen noch nicht ganz zugänglich. Daher muss sich ein Trader entwickeln, und das heißt, dass er lernt, sich auf die Suche zu begeben. Das heißt dann wirklich traden, heißt, sich Gedanken machen, heißt, sich mit Setups beschäftigen, heißt, die Tür zu neuen Märkten aufzustoßen, heißt, sich eine Arbeitsweise anzueignen, welche unzählige offene Positionen zeitgleich zulässt. Wirkliches tiefenentspanntes Trading blüht nur in der Sonne des Suchenden auf. Und jeder Trader hat die Freiheit, sich zu entscheiden: Willst du ein ewig Interpretierender oder ein Suchender sein
Aber um das zu erreichen muss der Tradinganfänger aufhören nach Seminaren oder Büchern zu suchen, welche  - seine gewünschte Hilfestellung - dogmatisch unterstreichen, »Mach, wenn A passiert, einfach nur B, und dann, lieber Tradinganfänger, wird alles gut «
Um das zuerklären, versuche ich es mal so:
Warum ist es so schwer für den Trdinganfänger, wenn er sich für eines der vielen Regelwerke da draußen entscheiden muss? Die Ursache dafür liegt natürlich in den unterschiedlichen Wertvorstellungen eines jeden Traders, die für die entsprechenden Beweisführungen vorausgesetzt werden. Es gibt jeweils verschiedene Gründe, weshalb ein Trader den einen oder den anderen Wert als Anfang für seine Argumentationskette wählt. Grundsätzlich stehen sich unterschiedliche Ausgangslagen gegenüber etwa der Kontostand, die Risikobereitschaft, verfügbare Zeit oder jenes oft unerwähnte emotionale Kleidchen. Da die letzten beiden Werte meist am Beginn zu unscharf sind, fehlt dem Tradinganfänger jener Maßstab, der darüber entscheidet, welcher der unzähligen Regelwerke im Streitfall denn nun überwiegen solle. Zum anderen habe ich hinsichtlich der Frage nach dem Grund, weshalb ein Tradinganfänger so und nicht anders handelt, weitere Antworten parat: Welcher Grund zwingt ihn in die Pflicht, fordert von ihm: »Du musst es so und so !«? Nur der eigene Stil kann es sein, wenn er an persönlichen Normen gemessen wird, der es schafft, sich über die persönliche Willkür zu erheben. Die Anzahl von Regelwerken, Tipps, Tricks und Kniffen ließe sich in keiner Liste für Trader abschließend aufzählen. Jedoch aber die Reaktion auf sich selbst. Also: Inwieweit spiegelten sich die Erfahrungen aus den vergangenen Trades in den neuen Trades wider? Je nach dem Stand dieser Erkenntnis und dem Zustand des Traders entwickelten sich neue Überlegungen und Grundsätze, veränderten sich alte, wandelten andere ihre Bedeutung. So würde aus dem kindlichen Mut von einst für jeden noch so erbärmlich unüberlegten Trade der heutige Wille zum Antiaktionismus. Begriffe und deren Bedeutung verändern sich mit den Bedingungen und der Verweildauer im Trading, der Grundgedanke indes bleibt stets der gleiche: Geld.
Wenn man also jetzt auf Seminaren oder in Büchern dogmatisch argumentiert, unterschlägt man dem Seminarteilnehmer oder dem Leser somit das Wissen, das jeder Fortschritt im Trading im Einzelnen einen Gewinn und im Ganzen eine Trennung erzeugt; jeder Tradingtag erzeugt einen Zuwachs an Fachwissen, der in einen fortschreitenden Zuwachs an Ohnmachtsgefühlen mündet. Unzählige Auffassungen, Meinungen und Gedanken zu allen möglichen Märkten und Zeitzonen, alle Formen des gesunden und »kranken«, gierigen und ängstlichen Verstandes bevölkern das Gehirn eines Tradinganfängers wie Tausende kleiner empfindsamer Nervenstränge. Aber der Strahlpunkt, an dem sie sich vereinen, fehlt noch. Doch diesen muss jeder Trader selbst herausbekommen. Denn nach einigen Abfolge einiger Fehltrades wird der eigene Stil nicht mehr, der fremde Handelsstil hingegen schon hinterfragt, was schlussendlich immer zulasten der Beständigkeit gehen wird.
Somit sollte der Tradinganfänger aufhören nach einer starren Vermittlung »seines zukünftigen Handelsstils« zu suchen.
Auch unterstellte ich nicht, jemand könne mit einem meiner Seminare oder dem Lesen eines meiner Bücher immense Reichtümer erlangen. Stattdessen sage ich »Wir bleiben mal schön bei einem einzigen Thema, dem Thema »Markttechnik«, so dass der Teilnehmer oder Leser aufgrund der umfangreich vermittelten Tiefe, selbst auf sich und seine Bedürfnisse reagieren kann.« Niemandem bleibt als Trader der schwierige Kampf erspart, dem Gefängnis seines Denkens zu entkommen. So bietet also weder meine Seminare, noch beispielsweise mein »GROSSES BUCH DER MARKTTECHNIK« oder dessen Nachfolger, die Buchreihe »DER HÄNDLER«, einfache Lösungen, denn Einsichten kann man nicht tiefgefroren und mikrowellenfertig frei Haus liefern. Mit meinen Büchern möchte ich stattdessen lediglich konstatieren, dass sich ein Teil des Weges auf der Suche nach Duplizierbarkeit und Beständigkeit auf relativ schmerzlose Weise zurücklegen lässt, wenn man sich ermutigt, statt der Frustration den Sieg kampflos zu überlassen.
(Details nachlesbar in der Buchserie DER HÄNDLER Band 1)

Q: Welche Literatur empfehlen Sie?

»GROSSES BUCH DER MARKTTECHNIK« oder dessen Nachfolger, die Buchreihe »DER HÄNDLER«.

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Über den Autor
 
Autor: Michael Voigt Michael Voigt
Michael Voigt ist Autor des Trading-Bestsellers "Das große Buch der Markttechnik" und gehört einer Handelsgruppe für Industriemandate an. Parallel zu seinen Aktivitäten am Terminmarkt leitet der erfahren Börsenhändler seit mehreren Jahren mehrwöchige Workshops und Seminar für fortgeschrittene Händler. Das Wissen, die Erfahrungen und seine ganz persönliche Sichtweise auf die Welt des Tradings vermittelt er zudem in seinen Büchern.

So präsentiert Michael Voigt in "Das große Buch der Markttechnik" die grundlegenden Gedankengänge des institutionellen Börsenhandels. Damit verfasste er das erste deutschsprachige Fachbuch, das sich detailliert mit dem markttechnischen Handel auseinandersetzt. In der sechsteiligen, auf den Klassiker "Das Große Buch der Markttechnik" aufbauenden Buchreihe "Der Händler" lässt der Finanzprofi erneut seine langjährigen Erfahrungen auf dem Börsenparkett einfließen. Witzig und tiefgründig beleuchtet er in jedem Band einen anderen Aspekt des Tradings. Dabei greift er auf seinen bewehrten Mix aus Roman und Fachbuch zurück, um Tradern die nicht immer leicht verständliche Materie sehr tiefgründig und scharfsinnig näher zu bringen.

Heute lebt Michael Voigt mit seiner Familie in Erfurt und auf Madeira.

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