Shell stellt in Nordamerika einen wichtigen Teil seines Gasgeschäfts auf den Prüfstand. Medienberichte über einen möglichen Teilverkauf am Großprojekt LNG Canada treffen auf anhaltende Aktienrückkäufe und frische Kaufempfehlungen von Analysten. Für Anleger stellt sich damit vor allem eine Frage: Ordnet der Konzern nur sein Portfolio neu – oder deutet sich eine grundlegende Verschiebung der Prioritäten an?
Verkauf von LNG-Anteil im Gespräch
Am Wochenende wurden Berichte bekannt, wonach Shell den Verkauf eines erheblichen Teils seines Anteils an LNG Canada prüft. Nach diesen Informationen könnte das Unternehmen bis zu 30 Prozentpunkte seines derzeitigen 40%-Pakets abgeben. Parallel dazu soll Minderheitspartner Mitsubishi strategische Optionen für seinen 15%-Anteil ausloten.
Beobachter schätzen, dass ein gemeinsamer Deal – inklusive Überlegungen zur weiteren Expansion – rund 15 Milliarden US-Dollar wert sein könnte. Offiziell bestätigt hat Shell diese Überlegungen bislang nicht. In das Gesamtbild passt ein solcher Schritt jedoch: Der Konzern betont seit Längerem strikte Kapitaldisziplin und eine fokussierte Allokation seiner Mittel.
Ein Teilverkauf würde Shell ermöglichen, Kapital aus einem kapitalintensiven, weit entwickelten Projekt freizusetzen. Diese Mittel könnten entweder direkt an die Aktionäre zurückfließen oder in Bereiche mit höherem Wachstumspotenzial und niedrigeren Emissionen umgeschichtet werden. Wichtig: Es wäre keine Vollaufgabe des Projekts, sondern eine Reduzierung des Engagements – ein strategisches Nachjustieren statt eines Ausstiegs.
Analysten bleiben klar positiv
Parallel zu den Verkaufsspekulationen erhielt die Aktie zum Wochenschluss deutlichen Rückenwind von der Analystenseite. Am Freitag bestätigte Barclays-Analystin Lydia Rainforth ihr „Overweight“-Votum. Jefferies-Analyst Mark Wilson bekräftigte am selben Tag seine „Buy“-Einschätzung.
Bereits zuvor in der Woche hatte JP Morgan die Papiere ebenfalls mit „Buy“ eingestuft. In Summe signalisiert dies ein hohes Maß an institutionellem Vertrauen in die aktuelle Ausrichtung des Konzerns – und das trotz eines Umfelds, in dem Öl- und Gaspreise spürbar schwanken.
Share Buybacks stützen die Aktie
Finanziell bleibt Shell bei einem zentralen Instrument: den Aktienrückkäufen. Am 16. Januar meldete der Konzern den Erwerb von 655.057 eigenen Aktien an der London Stock Exchange zu einem volumengewichteten Durchschnittspreis von 27,58 Pfund. Zusätzlich wurden 523.698 Aktien in Amsterdam zurückgekauft.
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Diese Rückkäufe reduzieren die Anzahl der ausstehenden Aktien und stützen damit Kennzahlen wie den Gewinn je Aktie (EPS). In Kombination mit möglichen Erlösen aus einem Teilverkauf von LNG Canada hätte Shell weiteren Spielraum, Ausschüttungen und Investitionen zu steuern, ohne die Bilanz über Gebühr zu belasten.
Kursseitig spiegelt sich diese Stabilität bereits wider: Die Shell-Aktie liegt mit rund 4,5 % Plus auf 30-Tage-Sicht leicht im Aufwärtstrend, während sie auf Jahressicht nahezu unverändert notiert. Vom 52‑Wochen-Hoch ist der Titel aktuell gut 6 % entfernt, was auf eine eher ruhige Konsolidationsphase hindeutet.
Marktumfeld und strategische Positionierung
Das alles spielt sich vor dem Hintergrund eines schwierigeren Ölmarkts ab. Brent und WTI notieren unter 70 US-Dollar je Barrel, belastet durch Sorgen über ein Überangebot. Steigende Lagerbestände und geopolitische Faktoren, unter anderem rund um die Förderländer Venezuela und Russland, nähren diese Unsicherheit.
Anders als einige Wettbewerber, die stark auf neue Bohrprojekte setzen, deutet der mögliche Teilverkauf von LNG Canada auf einen etwas anderen Kurs hin. Shell scheint stärker auf die Optimierung seines breit aufgestellten Gasportfolios zu setzen, statt mit hohen neuen Investitionen weiter in einzelne Großprojekte zu gehen.
Der potenzielle Deal wäre daher eher als Umschichtung innerhalb des bestehenden Geschäfts zu verstehen. Das Unternehmen könnte einen ausgereifteren Vermögenswert teilweise versilbern und gleichzeitig durch eine verbleibende Beteiligung operativ im Projekt verankert bleiben.
Blick nach vorn: Zahlen und Dividende im Fokus
Der nächste klare Termin für die Investmentstory ist der 5. Februar 2026. Dann legt Shell die Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor und kündigt zugleich die nächste Zwischendividende an. Der Konsens rechnet für das Quartal mit Erlösen von rund 65,8 Milliarden US-Dollar.
Im Mittelpunkt stehen werden vor allem zwei Punkte: die Cashflow-Entwicklung in einem Umfeld mit Ölpreisen unter 70 US-Dollar und die Tragfähigkeit der aktuellen Ausschüttungs- und Rückkaufpolitik. Zudem dürfte das Management auf der anschließenden Telefonkonferenz zur kolportierten Veräußerung des LNG-Canada-Anteils Stellung beziehen und erläutern, wie ein solcher Schritt in die langfristige Kapitalstrategie eingebettet wäre.
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