Handelszölle und Hightech – bei ASML prallen gerade zwei Welten aufeinander. Während die Chipindustrie mit vollen Auftragsbüchern in die nächste Ausbaustufe geht, drückt neue Zollrhetorik aus den USA auf die Stimmung. Der Kursrutsch zu Wochenbeginn zeigt, wie schnell die Sorge vor einem Handelskonflikt die positive Branchendynamik überlagern kann.
Zollrisiken statt Branchenoptimismus
Am Montag geriet die Aktie deutlich unter Druck, nachdem neue Drohungen aus Washington die Runde machten. US-Präsident Donald Trump stellte einem Medienbericht zufolge Strafzölle von 10 % auf Waren mehrerer europäischer NATO-Staaten in Aussicht – mit möglichem Start bereits zum 1. Februar und der Option auf weitere Erhöhungen.
Gerade für exportstarke Sektoren in Europa ist das ein heikles Szenario. Die Halbleiterbranche reagierte mit Gewinnmitnahmen, weil ihre Lieferketten global verzahnt sind und zusätzliche Zölle schnell zu höheren Kosten, Verzögerungen und möglichen Gegenmaßnahmen führen könnten. ASML geriet damit in den Strudel einer allgemeinen Risikoaversion, obwohl die unternehmensspezifischen Signale eigentlich in eine andere Richtung zeigen.
Gestern schloss die Aktie bei 1.121,60 Euro und liegt damit nur knapp 4 % unter dem jüngsten 52‑Wochen-Hoch – trotz der spürbaren Korrektur zum Wochenstart.
Starke Signale aus der Branche
Parallel zu den Zollängsten kam aus der Industrie selbst eine ausgesprochen freundliche Nachricht: Branchenkollege ASM International (ASMI) meldete am Montagmorgen vorläufige Auftragseingänge für das vierte Quartal von rund 800 Millionen Euro – deutlich über den Erwartungen.
ASMI begründete die Stärke mit einer Erholung der Nachfrage aus China sowie soliden Bestellungen im Bereich Logik- und Foundry-Chips. Für ASML ist das ein wichtiger Fingerzeig, weil beide Unternehmen in ähnlichen Kundensegmenten unterwegs sind. Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Investitionsbereitschaft der Chipproduzenten eher anzieht, statt einzubrechen.
Damit klaffen Makrorisiken und Branchengrundlage aktuell weiter auseinander: Auf der einen Seite die Angst vor Handelsbarrieren, auf der anderen Seite eine robuste Nachfrage nach Fertigungsausrüstung, die den Ausbau von Chipkapazitäten untermauert.
Analysten-These: AI-Ausbau treibt den Langfrist-Case
Die positive Grundstimmung rund um ASML wurde bereits zu Jahresbeginn prominent unterstrichen. Am 2. Januar drehte Aletheia-Capital-Analyst Warren Lau seine Einschätzung deutlich: von „Sell“ auf „Buy“, kombiniert mit einer Verdopplung des Kursziels auf 1.500 US‑Dollar.
Seine Argumentation stützt sich im Kern auf drei Treiber:
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Asml?
Beschleunigte EUV-Adoption im Speicherbereich
Extreme-Ultraviolett-Lithografie (EUV) soll künftig stärker auch im Memory-Segment eingesetzt werden – ein zusätzlicher Nachfragekanal für die besonders teuren und komplexen ASML-Anlagen.Robuste DUV-Nachfrage aus China
Deep-Ultraviolett-Systeme (DUV), technologisch eine Stufe unter EUV, bleiben laut Analyse vor allem in China gefragt. Das stabilisiert das Geschäft, selbst wenn Exportbeschränkungen die modernsten Tools betreffen.Aggressive Ausbaupläne bei TSMC
Der Foundry-Riese TSMC plant laut der Analysten-Note bis 2027 einen Kapazitätsausbau von 40–50 %. Dafür sollen zwischen 40 und 45 EUV-Systeme installiert werden – ein direktes Volumenargument zugunsten von ASML.
Diese Faktoren bilden das Fundament für den aktuellen Bullen-Case: ASML gilt als Schlüsselzulieferer für den Ausbau der Rechenzentren und KI-Infrastruktur weltweit. Entsprechend wird die Aktie mit einem Aufschlag bei der Bewertung gehandelt, was sich im erhöhten Forward-KGV widerspiegelt.
Bewertungsniveau und Doppelrolle am Markt
Mit einer Marktkapitalisierung von rund 432 Milliarden Euro gehört ASML zu den Schwergewichten im europäischen Markt. Der Aufschlag in der Bewertung spiegelt die quasi-monopolistische Stellung bei EUV-Anlagen wider – und die zentrale Rolle im laufenden AI- und Halbleiterboom.
Gleichzeitig zeigt die Kursreaktion am Montag: Die Aktie dient Investoren auch als Stellvertreter für das globale Konjunktur- und Handelsklima. Solange Hyperscaler und große Chipproduzenten ihre Investitionen in Rechenzentren und Hochleistungs-Chips erhöhen, bleibt der Nachfragetrend intakt. Doch mit jeder neuen Zoll- oder Sanktionsdrohung steigt der Risikoabschlag, den der Markt einkalkuliert.
Zur Einordnung der jüngsten Bewegung lohnt ein Blick auf den größeren Rahmen: Auf 12‑Monats-Sicht liegt die Aktie um rund 50 % im Plus, vom 52‑Wochen-Tief hat sie sich mehr als verdoppelt. Der aktuelle Rücksetzer erfolgt also aus einer klaren Stärkephase heraus.
Blick auf die Quartalszahlen Ende Januar
Der nächste harte Test für die optimistische Story folgt bald: Am 28. Januar legt ASML die Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem eine Kennzahl: die Netto-Buchungen.
Sie müssen zeigen, ob der „AI-Kapazitätsausbau“, auf den Analysten wie Aletheia Capital setzen, bereits in konkrete Aufträge für Lieferfenster 2026 und 2027 übersetzt wird. Gelingt hier eine Bestätigung der hohen Erwartungen, könnte das die durch die Zollängste ausgelöste Verunsicherung dämpfen. Fallen die Buchungen hingegen schwächer aus, würde der Markt das geopolitische Risiko und das ambitionierte Bewertungsniveau deutlich kritischer gegeneinander abwägen.
Asml-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Asml-Analyse vom 20. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Asml-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Asml-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 20. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Asml: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

