Die aktuell höchste Dividendenrendite im MDAX klingt für Einkommensinvestoren wie ein Traum, doch hinter der Fassade bröckelt das Fundament. Während die Ausschüttung lockt, bestätigt eine aktuelle Analyse von Barclays die tiefgreifenden Probleme des Chemiekonzerns. Anleger müssen abwägen, ob die Dividende eine echte Chance bietet oder lediglich das „Schmerzensgeld“ für anhaltende Kursverluste darstellt.
Hier sind die wichtigsten Fakten zur aktuellen Lage:
* Barclays-Votum: Die Einstufung bleibt auf „Equal Weight“, der Sektorausblick ist negativ.
* Dividenden-Dilemma: Eine Rendite von über 8 Prozent steht operativen Schwächen gegenüber.
* Analysten-Spaltung: Während Barclays abwartet, rät das Bankhaus Berenberg zum Verkauf.
Barclays bestätigt Sektor-Schwäche
Am heutigen Freitag dämpft Barclays-Analyst Alex Sloane verfrühte Hoffnungen auf eine schnelle Trendwende. In seiner aktuellen Studie belässt er die Einstufung für Evonik zwar auf „Equal Weight“, zeichnet jedoch ein düsteres Bild für die gesamte europäische Chemiebranche. Der Experte sieht den Sektor weiterhin in einem intakten Negativtrend gefangen.
Verantwortlich für diese Einschätzung sind fundamentale Belastungsfaktoren: Die Absatzvolumina springen nicht an, die Preisdurchsetzung bleibt schwierig und die Endmärkte zeigen sich fragil. Diese Kombination drückt auf die Margen und verhindert eine nachhaltige Erholung des Aktienkurses, der mit aktuell 13,33 Euro gefährlich nahe am 52-Wochen-Tief von 12,83 Euro notiert.
Die Gefahr der „Value Trap“
Das stärkste Argument der Bullen ist derzeit die Dividende. Laut FactSet-Daten winkt für das Geschäftsjahr 2026 eine Rendite von rund 8,24 Prozent – ein Spitzenwert im MDAX. Doch diese Zahl ist mit Vorsicht zu genießen. Sie resultiert nicht aus operativer Stärke, sondern primär aus dem massiven Kursverfall der letzten zwölf Monate, in denen das Papier rund 23 Prozent an Wert verlor.
Marktbeobachter warnen in diesem Kontext vor einer klassischen „Value Trap“. Investoren kaufen eine optisch günstige Aktie wegen der Dividende, während weitere Kursverluste die Ausschüttung neutralisieren oder sogar übersteigen. Der große Abstand von über 40 Prozent zum 52-Wochen-Hoch verdeutlicht das Ausmaß des Vertrauensverlusts am Markt.
Experten uneinig über das Abwärtsrisiko
Wie unübersichtlich die Gemengelage ist, zeigt der Vergleich der Analystenhäuser. Während Barclays die Situation noch neutral bewertet und die allgemeinen Sektorprobleme betont, sieht das Bankhaus Berenberg spezifische strukturelle Defizite bei Evonik. Mit einem Kursziel von lediglich 11,60 Euro und einem „Sell“-Rating warnte Berenberg erst kürzlich vor Risiken im Methionin-Geschäft und anhaltendem Preisdruck.
Technisch betrachtet ist die Aktie extrem überverkauft. Ein RSI-Wert (Relative Strength Index) von 15,8 deutet auf eine mögliche kurzfristige Gegenbewegung hin. Doch solange der Kurs deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 16,13 Euro verharrt, bleibt der übergeordnete Abwärtstrend dominant.
Fazit
Die Evonik-Aktie befindet sich in einer schwierigen Phase der Bodenfindung. Die hohen Dividendenrenditen dienen derzeit primär als Absicherung nach unten, können aber die fehlende Wachstumsfantasie im operativen Geschäft nicht ersetzen. Solange Absatz und Preise in der Chemiebranche nicht spürbar anziehen, bleibt das Aufwärtspotenzial trotz der optisch günstigen Bewertung begrenzt.
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