SAP verschafft seinen Kunden mehr Zeit für die S/4HANA-Umstellung – und die Börse reagiert entspannt. Nach einem Rutsch auf ein neues Jahrestief dreht der Kurs wieder nach oben. Im Zentrum steht eine strategische Entscheidung, die sowohl technischen Druck herausnimmt als auch den Cloud-Umsatz stützen soll.
Letzte Frist für Compatibility Packs
Auslöser der aktuellen Neubewertung ist die Verlängerung der Nutzungsrechte für die sogenannten „Compatibility Packs“. Diese Zusatzpakete erlauben es Bestandskunden, klassische ERP-Funktionen innerhalb der S/4HANA-Umgebung weiter zu betreiben.
Ursprünglich sollten diese Rechte am 31. Dezember 2025 auslaufen. Zum Jahreswechsel hat SAP nun bestätigt, dass das harte Enddatum letztmalig auf den 31. Mai 2026 verschoben wird. In Kundenkreisen wird dieser Schritt intensiv diskutiert, denn er entschärft den unmittelbaren Migrationsdruck.
Kernpunkte der Entscheidung:
- Neues Enddatum für Compatibility Packs: 31. Mai 2026
- Zielgruppe: Kunden, die mit der S/4HANA-Migration im Verzug sind („Laggards“)
- Intention: Verhindern von Kundenabwanderungen und geordnete Migration in Cloud-Lösungen
Analysten werten die Maßnahme als pragmatisches Entgegenkommen. Im Fokus steht nicht ein Zurückrudern, sondern die Sicherung der bestehenden Kundenbasis und deren schrittweiser Übergang in die Cloud-Modelle. Das „finale Übergangsfenster“ bis Ende Mai 2026 wird als bewusst gesetzter Schlusspunkt verstanden: Ab Juni 2026 soll es keinen Weg zurück in alte Strukturen geben.
Strategisch unterstreicht die Verlängerung den Balanceakt des Managements: SAP will das Wachstum im Cloud-Geschäft deutlich beschleunigen, ohne die traditionell eher vorsichtigen On-Premise-Kunden zu überfordern. Die zusätzliche Frist kann so zum Treiber werden, die Cloud-Auftragsbücher im ersten Halbjahr 2026 gezielt zu füllen.
Charttechnik: Bodenbildung um 200 Euro
Charttechnisch hat die Aktie in den letzten Tagen eine kritische Phase durchlaufen. Anfang der Woche fiel der Kurs kurzzeitig unter die Marke von 200 Euro und markierte ein neues 52-Wochen-Tief. Der aktuelle Kurs von 204,20 Euro liegt damit nur knapp über dieser Zone, die sich als zentrale Unterstützung herauskristallisiert.
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Trotz der Gegenbewegung ist die übergeordnete Korrektur deutlich sichtbar: Vom 52-Wochen-Hoch bei 280,40 Euro im Februar 2025 liegt der Titel rund 27 % entfernt. Auch der Abstand zur 200-Tage-Linie von 236,05 Euro signalisiert ein angeschlagenes mittelfristiges Bild.
Aus technischer Sicht fallen insbesondere folgende Marken ins Auge:
- Aktueller Kurs: 204,20 €
- 52-Wochen-Tief: 201,95 €
- Abstand zum 52-Wochen-Hoch: ca. -27 %
- 200-Tage-Durchschnitt: 236,05 € (deutlich darüber)
Mit dem Sprung zurück über die Zone um 200 Euro hat sich der Wert zunächst vom unmittelbaren Risiko eines weiteren Durchrutschens gelöst. Marktbeobachter sehen Anzeichen dafür, dass institutionelle Investoren dieses Niveau als Einstiegsbereich nutzen und damit die Bodenbildung unterstützen. Der RSI von 51,8 weist aktuell weder auf eine überkaufte noch auf eine überverkaufte Situation hin, was zu der abwartenden, aber stabilisierten Lage passt.
Fundament und Erwartungen vor den Zahlen
Die jüngste Erholung ändert nichts daran, dass SAP in den vergangenen Monaten deutlichen Gegenwind verspürt hat. Während viele US-Tech-Werte neue Höchststände ansteuern, belasteten bei SAP vor allem Sorgen um die S/4HANA-Migration. Der harte Migrationsdruck weckte die Befürchtung, dass zögerliche Kunden ganz abspringen könnten. Die nun gewährte „Gnadenfrist“ bis Ende Mai 2026 nimmt deutlich Spannung aus diesem Szenario.
Für die nächsten Wochen rückt nun ein klarer Termin in den Mittelpunkt: Am 29. Januar 2026 legt der Konzern die Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 vor. Der Markt rechnet aktuell mit einem Gewinn je Aktie von rund 6,04 Euro für 2025. Noch wichtiger als der Rückblick dürfte jedoch der Ausblick auf 2026 sein.
Im Fokus stehen dabei zwei Kernfragen, die SAP mit seiner Guidance adressieren muss:
- Zeigt sich die Fristverlängerung in einer tatsächlich beschleunigten Cloud-Migration im ersten Halbjahr 2026?
- Oder handelt es sich im Wesentlichen um eine zeitliche Verschiebung von Umsätzen, ohne zusätzlichen Wachstumseffekt?
Die Antwort darauf wird maßgeblich bestimmen, wie nachhaltig eine mögliche Kurserholung ausfällt. Kurzfristig bleibt der Bereich um 200 Euro die entscheidende Unterstützungszone. Solange dieser Boden hält, ist aus charttechnischer Sicht eine Fortsetzung der Erholung in Richtung der 200-Tage-Linie um 236 Euro ein realistisches Szenario, während ein erneuter Bruch dieser Marke die Korrekturphase deutlich verlängern könnte.
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